Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1866)
- Date
- 1866-11-06
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu No. 43 -er Allg. Zeitg. -es ZudenLH. Schneid em ü h l, den 23. Oktober 1866. Nekrolog. Ein rechtschaffener Mensch ist das edelste Werk Gottes. Dieser einfache und doch inhaltreiche Kernspruch Pope's fand eine so ungeteilte Anerkennung, daß wol Niemand an der Wahrheit desselben zweifeln wird. Wer weiß nicht auch, wie Wenige von den Vielen, die man rechtschaffen nennt, es wirklich sind! Es ist daher der Mühe werth, das Charakterbild eines zu früh zu seinen Vätern Heimgegangenen Mannes zu zeichnen, der im wahren' und vollen Sinne des Autors rechtschaffen und ehrenhaft war. Samuel Seligsohn, geL. zu Samoczin im Jahre 1815, starb daselbst am 3. d. Mts., tief betrauert von den Seinigen, von zahlreichen Freunden und Verehrern nah und fern. Schon als Knabe zeigte er gute Anlagen und Hang zum Lernen. Seine begüterten, biedern Eltern kamen dem entgegen, indem sie ihn nach fromm jüdischer Sitte damaliger Zeit zu anerkannten Rabbinern schickten, um den wißbegierigen Knaben im Talmud unterrichten zu lassen. Später im Jünglingsalter fand er keine Befriedigung in der Einseitigkeit, so fromm und Gott ergeben er schon damals war, ein Zug, der ihm geblieben ist bis zu seinem Ende. Er strebte nach allseitiger Ausbildung, und ging mit eisernem Fleiße und Ausdauer diesem Ziele nach. Obwohl Autodidakt, erwarb er sich doch umfassende und gründliche Kenntnisse in der hebräischen Sprache und Literatur. Sein im Jahre 1845 veröffentlichtes Werk (der Frühling), auf das wir später zurückkommen, gilt als bestes Zeugniß dafür. Auch in modernen Sprachen und in Wissenschaften erlangte er eine Tüchtigkeit, die um so schätzenswerther ist, indem er auch hier fast Autodidakt lvar, und — was gewiß nicht gering anzuschlagen ist — ein bequemes Leben, das er hätte führen können, verach- - „ tete, dagegen unter selbst auferlegten Entbehrungen mit unermüdlichem Fleiß und großer Beharrlichkeit an seiner Ausbildung arbeitete, trotz seines' von Kindesalter an schwächlichen und gebrechlichen Körpers, der fast nur von der starken, ja glaubensstarken Seele getragen wurde. . Mächten doch unsere verweichlichten Jünglinge reicher Eltern sich oft solche Muster Vorhalten, um sich an ihnen aufzurichten! Nach seinem zwanzigsten Jahre wandte er ■ sich im älterlichen Hause dem Geschäfte zu, und wurde bald durch seine Intelligenz und Umsicht der eigentliche Leiter desselben. Seiner unwiderstehlichen Neigung zur Fortbildung trug er auch hier Rechnung. Den Abend und oft einen großen Theil der Nacht verwandte er auf Studien. Und so schrieb er in den ersten Jahren seines . j Geschästslebens ein meisterhaftes Gedicht in 7 Ge- - sängen, welches im Jahre 1845 veröffentlicht wurde. Zur . Würdigung dieses Geisteskindes sei es gestattet, einige V Worte einer Kritik aus der Zeitschrift „Orient", Jahrg. ° 1845, No. 22 hier anzuführen: . „In einer schön geschriebenen 18 Seiten großen Vorrede hat der neuhebräische Dichter sich weitläufig über . Zweck und Tendenz seiner Dichtung ausgelassen und vorzüglich über die Metrik ausführlich geschrieben." Weiter - ' heißt es-daselbst: „so muß man gestehen, daß Herr Seligsohn diese Dichtung mit großer Meisterschaft vollendet hat. Die hebräische Sprache erscheint hier in der Formenfülle; zur Besingung der Naturschönheiten, wie man es kaum - erwartet und ahnt." Während des Jahres 1846 schrieb er ein anderes -A ebenfalls umfassendes episches Gedicht, „die Zerstörung