Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1866)
- Date
- 1866-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sliiiiil WM : V'/ WMWMUWMM m Jahrgang: . Allgemeine M 4a* Zeitung des Mdenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 16. October 1866. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in IV2 bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Rar.' Vierteljährig 22>/2 Ngr. Inserate werden mit l»/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der jüdische Separatismus Hl. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Karlsruhe. Oesterreichischer Kaiserstaat: Aus Ungarn, Pest. Frankreich: Paris. Schweiz: St.Gallen. Donaufürstenthümer: Bukarest. Notizen. Correspondenz: Russische Briefe V. (Schluß.) Die Gemeind e zu Aachen. Leitende Artikel. Bonn, 7. Oktober. Der jüdische Separatismus. 111. In den vorhergehenden Artikeln haben wir die volle Berechtigung nachgewiesen, welche das Judenthum zu seinen Anforderungen an seine Bekenner mitten unter allen den menschlichen Kreisen besitzt, in welchen sie stehen; wir haben die Ideen und Zwecke erhärtet, welchen sie damit dienen; wir haben deshalb diese Berechtigung als eine Verpflichtung erkannt, welche diesen Bekennern obliegt. Gehen wir nun in das Praktische über, und ordnen uns die einzelnen Gebiete dieser Berechtigung und Verpflichtung in überschaulicher Weise. Erstens: Alle Institutionen und Institute, welche zum Bestände des Judenthums nothwendig sind, müssen erhalten werden. Man weiß, daß hierzu nicht blos Gewisser erforderlich sind, sondern auch die warme Beeiferung der Persönlichkeiten, ein belebender Geist und persönliche Anstrengungen. Berufen ist hierzu ein Jeder nach seinem Maße und seinen Kräften, denn — ein für alle Mal gesagt — gerade in religiösen Dingen kann und darf nicht blos nach dem Buchstaben gesetzlicher Bestimmungen gemessen werden, sondern hier gilt es, der Idee, die uns belebt, in immer steigendem Ringen zu genügen. Alle diese Veranstaltungen werden sich wieder in zwei Richtungen trennen lassen: a) Die zur konkreten Erscheinung des Judenthums dienen. Es sind dies vorzugsweise die cultuellen, die gottesdienstlichen. Kommt es bei allem Cultuswesen auch vorwiegend darauf an, wie der Einzelne zu ihm steht, welches Bedürsniß er dafür in sich trägt, wie er von ihm auf sich wirken läßt: so hat es doch eine nicht minder wichtige Bedeutung von seiner allgemeinen Seite. Wir haben uns die Frage vorzulegen, ob und in wiefern unsre Cultusanstalten in ihrer äußern Gestaltung und in ihrem Inhalte, also in Form und Wesen befähigt sind, auf die Theilnehmer ihrem Zwecke gemäß zu wirken, sie zur Gottesanbetung, zu erheben und mit sittlicher Kraft zu durchdringen. Es kann hier freilich kein Einzelner verlangen, daß sich diese Cultusanstalten, die Synagoge, der Gottesdienst u. s. w. nach seinen Ansichten und seinem Standpunkte richten und verändern sollen. Hier vor allem fällt die geschichtlich gewordene und überlieferte Gestaltung schwer in's Gewicht. Aber wo das Bedürsniß sich allgemein ausspricht, wo die Verödung und der Verfall des Gottesdienstes einzutreten droht und schon eingetreten ist, da ist es. auch die Sache der Einzelnen, zu wirken, zu fördern und zu schaffen. In allem Diesem verbindet sich das Interesse des Individuums mit dem Jntereffe für