Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1866)
- Date
- 1866-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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30. Jahrgang. Ällg e m e i u e M 40. Zeitung -es Zudeuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vn. Ludwig P-ilippson in Bonn. Leipzig, den 2. Ottober 1866. jährig Diese Zeidmg erscheint wöchenllich einmal, Dienstags,, in 1'/» bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Ttzlr. 15 Rar.' Vkertel-- 22V, Ngr. Inserate werden mit P/a Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für Leide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-ZeitungS-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der jüdische Separatismus. — Die Ex-- cesse in Oesterreich. — Die Seminarftage. — Die Stellung der Juden in Anhalt. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Sobernheim, Naugard, Aus derRheinprovinr. OesterreichischerKaiserstaat: Temesvar,. Aus Böhmen und Mähren. Großbritannien: Aus' Nordengland. Frankreich: Paris. Belgien: Brüssel. Schweiz: St. Gallen. Notizen. Leitende Artikel. Bonn, 20. September. Der jüdische Separatismus. Einige Vorgänge in der jüngsten Zeit machen es nöthig , diesen wichtigen Gegenstand einmal wieder ins, Auge zu fassen und uns darüber aufzuklären. Fassen wir das Wort in einem etwas weiteren Sinn, so bildete und bildet ja „der jüdische Separatismus" den eigentlichen Kern aller der Gründe'und Anklagen, aus denen man seit ältesten Zeiten die Verfolgung und Beschränkung der Juden zu rechtfertigen sich bemühete. Auch die Zeit ist erst seit Kurzem, und auch noch nicht ganz vorüber, wo unter den Juden' selbst Viele jede besondere Aeußerung des Judenthums in Wort und That als separatistisch und der allgemeinen Tendenz unsrer Zeit zuwiderlaufend, verwarfen. •, Es hing dies theils mit der wirklich vorhandenen Richtung des Nivellirensaller, menschlichen Verhältnisse, und Erscheinungen, -zusammen^ theils war es die natürliche Reaktion, nachdem so viele Jahrhunderte hindurch die Juden zu einer völlig separaten Tendenz gezwungen waren. Wollen wir jedoch unsren Gegenstand nicht oberflächlich mit einigen Phrasen abmachen, die für diejenigen, welche eine gegnerische Ansicht hegen, doch keinen Beweis liefern würden, so müssen wir. eine allgemeine Erörterung voraussenden. Die göttliche Vorsehung hat den Menschen zunächst als Individuum in. die Welt gesetzt und einem Jeden an geistiger und körperlicher. Anlage, an Selbstsucht und Selbsterhaltungstrieb so viel Bedeutendes mitgegeben, * daß er als Individuum einen breiten Boden seines ganzen Daseins einnimmt. . Sie hat ihn aber auch .von vorn herein zum Mitgliede einer Familie, in der weiteren, Entwickelung zum Mitgliede einer örtlichen Gemeinde, . einer Nation, eines. Staates und endlich der gesammten Menschengattung gemacht. „Es sind dies sämmtlich Verhältnisse, die völlig naturwüchsig für den Menschen sind, von denen er sich gar nicht frei machen kann, und noch weniger soll, wenn er irgend wie sein ganzes Wesen erfüllen-will. Wir können dies auch in umgekehrter Weise" betrachten. Alles was außerhalb dieses Erdballes be- ' besteht, hat für den Menschen nur das Interesse des Wissens, also des Forschens. Stein- Pflanzen- und Thierwelt besitzen für ihn weiter noch das Interesse des Nutzens, also auch der Vermeidung des Schadens.. Erst mit der gesammten Menschheit tritt ihm ein höheres .In- , teresse entgegen, denn mit ihr beginnt für ihn das Reich . der Liebe und des Rechtes. Aber diese Menschheit setzt sich ms Staaten Md^Mserü, und diese wieder aus'