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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-18 · Heft 38 (18.9.1866) · p. Seite 607

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 38 (18.9.1866)
Date
1866-09-18
Page
Seite 607 (sequence 12)
Language
German
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verfeinerte Kunstsinn machte aus dem Ätalien der Renaissance eine Mordhöhle, ein unsittliches Haus. Langeweite, Narrheit, Mittelmäßigkeit sind die Strafe einiger protestantischer Länder, wo unter dem Borwand gesunder Vernunft und christlicher Gesittung man die Kunst zu etwas Kleinlichem herabgedrückt hat. Lukrez und die heil. Theresia, Aristophanes und Sokrates, Voltaire und Franz von Assisi, Raphael und Vincent de Paul haben gleiche Berechtigung und die Menschheit wäre weniger bedeutend, wenn ein einziges von ihren Bestandtheilen fehlen würde." — Diese Probe ist genügend, um den beschränkten Gesichtskreis des französischen geistesaristokratischen Gelehrten zu erkennen, der namentlich auch der Weltgeschichte gerade ins Gesicht schlägt und sich gebahrt, als sei gar keine Intoleranz mehr in der Welt, als hätte z. B. der Papst seine Ansprüche der Unfehlbarkeit längst aufgegeben, als existirte kein Lhassa und kein Benares und als wohnten schon Wolf und Lamm in Lester Freundschaft neben einander. Uns deutschen Juden, aller Richtungen ist R. aber aufs Entschiedenste entgegengesetzt; denn während er sein sint ut sunt allen Religionen anheftet, sind wir seit mehr als 100 Jahren bemüht die unsrige zu reinigen und mehr und. minder aufzuklären. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 3. Sept. Ein Prozeß, der gegenwärtig vor den hiesigen Gerichten geführt wird , erregt hier viel Aufsehen, und eine Erwähnung desselben wird wohl auch in d. Bl. am Platze sein,' um die Vorstände von Gemeinden und Vereinen auf größere Sorgfalt zu verweisen. In der Ziehung der Fürst Salm'schen Loose vom 15. Jänner 1863 wurde das Loos Nr.. 63,849 mit dem ersten Treffer von vierzigtausend Gulden gehoben. In der Regel pflegt wol der glückliche Besitzer eines solchen Papieres, das über Nacht den tausendfachen Werth angenommen, sich mit der Hebung des Schatzes zu beeilen, damit nicht irgend ein malitiöser Kobold Zeit habe, das Gold in Kohlen zu verwandeln. Anders war es diesmal der Fall. Mt Erstaunen sahen die Beamten der fürstlich Salm'schen Kasse geraume Zeit nach dem Termin verfließen, ohne daß . das. Loos zur Einlösung präsentirt worden wäre. Monate auf Monate verstrichen, ein neuer Ziehungstag kam heran, der Gewinner des Haupttreffers meldete sich noch immer nicht. Mit Verwunderung vernahm das Publicum aus den Zeitungen und den Restante- Listen die Mähr. Endlich am 14. Mai 1864 reichten Wenzel Ludizky, Privat-Buchhalter, Franz Podlipsky, Handlungscommis, Anton und Maria Jelinek, Gasthaus-Inhaber, sämmtlich aus Prag, ein Gesuch um Einleitung des Amorttsirungs-Verfahrens in Betreff des Salm-Looses Nr. 63,849 beim Wiener Landesgerichte ein, indem sie zur Begründung anführten, daß Ludizky das erwähnte Loos, welches ihm gemeinschaftlich mit den Anderen zu eigen war, verloren habe. Das Landesgericht bewilligte dieses Gesuch. Nachdem durch ein Jahr lang ungeachtet wiederholter öffentlicher Aufforderung von keiner anderen Seite mehr ein Anspruch erhoben wurde, erklärte das Gericht am 28. Juli 1865 die Amortisirung für geschehen. Mit diesem Bescheide ausgerüstet, wendeten sich nun die Parteien an die Salm'sche Hauptkasse, welche jedoch einwandte, daß sie Beweise über den früheren Besitz des Looses seitens der Betreffenden verlangen müsse. Die 40,000 Gulden sammt Zinsen wurden Leim Gerichte deponirt und nun seitens jener Parteien ein Prozeß angestrengt. Da trat, während der Prozeß seinen Lauf nahm, ein Vorfall ein, welcher die Sachlage total veränderte. Am 5. Februar 1866 meldete sich nämlich der wirkliche Eigenthümer mit dem Original-Loose bei der Salm'schen Hauptkasse. Der jüdische Wohlthätigkeits-Verein „Thora's Cheßed" ttt Preßburg hatte am 16. November 1858 von Frau Fanni Sonnenfeld, gebornen Kann, das Salmloos Nr. 63,849 nebst 20 Gulden in Baarem als Geschenk erhalten. Vereint mit den übrigen Werthpa- Pieren, wurde das Loos von dem Cassirer und Vorstande des Vereins, Calmann Wilhelm Pappenheim, in einem Pakete aufbewahrt, das mit dem Siegel eines, anderen Vorstandes, Heinrich S. Brüll, verschlossen war. Was das Paket betrifft, so wurde es seitdem, wie vorher alljährlich, nachdem die Siegel unverletzt gefunden waren, in Gegenwart des Brüll geöffnet, und nach Herausnahme der fälligen Coupons, ohne die Effecten wieder abzuzählen, , wieder geschlossen. In der Ziehungsliste nachzusehen, ob das Loos nicht gehoben worden, war weder dem Herrn Cassirer noch einem der übrigen Herren Vorstände eingefallen. Endlich,

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