Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1866)
- Date
- 1866-09-11
- Page
- Seite 587 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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587 Hirschberg in Schlesien, im August. iPrivatmitth.) Auf seiner Dwchreise durch Hirschberg nach dem, eine Meile von hier entfernten Erdmannsdorf, ließ sich der Kronprinz unter Anderen auch den Rabbiner Dr. H. Joel vorstellen, unterhielt sich mit letzterem länger als mit jedem anderen der Herren Geistlichen und dies in einer so freundlichen, gemächlichen Weise, daß unsere die Juden noch nicht ganz verdauende christliche Bevölkerung darüber höflichst erstaunt war. Ueberhaupt hat das leutselige, herzgewinnende Benehmen des Kronprinzen den höchsten Grad von Enthusiasmus für denselben hervorgerufen und man preist sich in allen Volksschichten glücklich, die Regierung unseres Vaterlandes für die Zukunft in den Händen eines so erhabenen Fürsten zu wissen. Berlin, 30. August. Die Einweihung der neuen Synagoge findet am nächsten Mittwoch Statt. Der Vorstand der jüdischen ^Gemeinde hat Se. Maj. den König zu dieser Feier eingeladen, ist aber durch den Geh. Kabinetsrath v. Mühler beschieden worden, daß Se. Maj. jener Feier nicht beiwohnen könne. Der Minister und Präsident Graf v. Bismark hat sein Erscheinen zugesagt. Aus Süddeutschland, im Aug. (Pr.-Mitth.) Die Zeitungen berichteten kürzlich über eine Rede Jellinek's, welche derselbe im Gegensätze zu den Lamentationen des Jesuitenpater Klinkowström in Berücksichtigung der Kriegsaffairen gehalten hat. Dieser (Kl.) fand wie so Viele seines Standes und Gleichen, die Veranlassung dazu indem religiösen Verhalten unserer Zeit und sah in dem Kriege die gerechte Strafe Gottes, welche er zur Besserung der Menschheit über diese verhängt habe. Derartige Ansichten sind auch von jüdischer Seite, man kann sagen: jüdischen Jesuiten, ausgesprochen worden.* *) Ihnen trat vr. Rothschild in einer im Israel: Lehrer Nr. 30 veröffentlichten Rede entgegen und bewies, wie vom jüdisch-religiösen Standpunkte der Krieg überhaupt keine Rechtfertigung finde und am wenigsten dazu angethan sei, ein Mittel in der Hand Gottes zur Besserung der Menschheit zu sein. Man sieht, wie sehr es selbst noch unter Israel's Lehrern der Erkenntniß und Befestigung jüdischer Lehr¬ *) Es ist uns hiervon nichts bekannt geworden. - ' Redakt. grundsätze bedarf, nicht davon zu reden, wie sehr die außerjüdische Welt dieser Erkenntniß ermangelt, und, wie viel noch zur Geltendmachung derselben in unserm modernen, politischen und socialen Leben geschehen muß. Jeder Beitrag dazu ist dankenswerch anzuerkennen. Aus Baiern, im August. (Privatmitth.) Eines der bedauernswerthesten Vorurtheile im modernen Judenthum ist dasjenige, welches gegen die Gründung eigener isr. Volksschulen herrscht. Es macht sich dasselbe gerade in den großen Gemeinden großer Städte geltend, so daß ein großer, ein beträchtlicher Theil der künftigen Generation davon betroffen wird. Und wie sehr dies der Fall, wie sehr nämlich das jüdische Gefühl und Bewußtsein in dem jungen kindlichen Herzen an seiner Entfaltung hiedurch verhindert, um nicht zu sagen positiv geschädigt wird — das zeigen leider die Resultate; und ist dies auch jedem erklärlich, der den erziehlichen Charakter der Volksschule zu ermessen weiß. Freilich fällt dieses Unrecht nicht blos den Gemeinden, sondern auch den Schulen zur Last. Denn zu einer jüdischen Schule gehören nicht blos jüdische Kinder und jüdisches Geld, sondern auch jüdische Lehre und jüdischer Geist. Geht aber die jüdische Volksschule ganz parallel! mit der christlichen, und weicht sie blos in der Stunde und im Punkte des Religionsunterrichtes von derselben ab, so liegt die Versuchung nahe, „zur Vermeidung jedes Separatismus" die Jugend in christliche Schulen zu schicken und eben nur für die Stunde und den Punkt des Religionsunterrichtes durchv eine israel. Religionsschule zu sorgen. Die manigfachen und wesentlichen Nachtheile, die ein solcher „Separatismus" des Religionsunterrichtes von der anderweitigen Bildung, sowohl in Rücksicht auf die physische Zeit als auf die Folgen moralischer Natur hat, werden hiebei freilich übersehen oder als von den socialen Vortheilen überwogen erachtet, die durch die früheste Collegialität jüdischer und christlicher Kinder erzielt werden sollen. — Um so mehr verdient eine Gemeinde, zumal eine große Stadtgemeinde Anerkennung, so sie sich von jenem Vorurtheile emanzipirt, und haben wir es mit Genügthuung vernommen, daß der Vorstand der Münchner Gemeinde beschlossen, die bisher dort als Privatanstalt bestandene jüdische Schule des Herrn Wolfsheimer zur, G eme i nd e sch u le zu erheben. Der verdiente Lehrer Herr Wolfsheimer bleibt der Schule erhalten, und an der Spitze der gemeindlichen Schul- 37