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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-11 · Heft 37 (11.9.1866) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 37 (11.9.1866)
Date
1866-09-11
Page
Seite 580 (sequence 2)
Language
German
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für bas Allgemeine, seine Sterne erblassen an dem Himmel der Menschheit,.. urA.Wrden. VM dem d'üstern Wöl-' ken verdeck, welche Fanatismus und Aberglauben,'Selbstsucht' Md gemeine Leidenschaft am Horizonte heraufführen. Dies ist es, was wir uns immer wieder zum Bewußtsein bringen müssen. Es ist nicht zu verkennen, daß in den menschlichen Dingen gegenwärtig wieder ein Wendepunkt eingetreten oder doch immer mehr sich verbreitet. Die Anzeichen dessen mehren sich. Die Revolutionen, die Krisen, die mächtigen Zuckungen und Erschütterungen, die seit bald einem Jahrhundert durch die Menschenwelt gehen, die Umwandelungen, die in den Völkern auf dem politischen und socialen Gebiete, in der Wissenschaft und in der Industrie, in den Lehenstendenzen und der Religion stattsinden, lassen uns ihre Mahnrufe vernehmen. An diese alle knüpfen sich die jüngsten Ereignisse als ein neues Glied an eine Kette, die der Ringe schon viele zählt. Unter der Einwirkung dieses Weltodems hat sich auch der israelitische Stamm in allen seinen äußern und innern Verhältnissen, in seiner Erscheinung wie in seinem Wesen außerordentlich umgewandelt, und der Schärferblickeude gewahrt diese Veränderungen nicht blos an seiner Oberfläche, sondern auch in den Tiefen seines Lebens. ' Es ist heute nicht-unsere Absicht, die merkwürdigen Phasen zu zeichnen, die dieser Stamm nach so langem Stillstände in einem Jahrhundert durchgemacht, und welche sein Judenthum.in den Geistern wie im Leben so mannichfaltig umgestaltet, ja zu so viel Gegensätzen gebracht .haben. Das ehemals so eng concentrirte, in so kleinen Raum geistiger Existenz zusammengedrückte Judenthum hat sich so weit ausgespannt, daß es die Grenzen seines Daseins mit den Enden seiner Flügel zu berühren scheint, wie ehemals die .Flügel der Cherubim mit ihren Spitzen die gegenüber stehenden Wände des Allerheiligsten berührten. Aber wir dürfen die Augen nicht verschließen uud da gewahren wir, daß unter dieser großartigen geistigen Entwickelung, unter diesem Aufschwünge des höheren Lebens sich in der Masse seiner Bekenner auch eine Abspannung, eine Gleichgültigkeit, eine Schwäche ausgebreitet hat, welche in den Seelen der Einzelnen eine öde Leere für das Judenthum geschaffen. Mit je mehr Geisteskraft der Gedankeninhalt und die große Geschichte des Judenthums durch- und verarbeitet wird, mit je. mehr Siegeskraft die Wahrheit seiner Lehre, die großen Principien seines Gesetzes verkündet und anerkannt werden, auch über die Grenzen des jüdischen Stammes hinaus, desto mehr scheint es an Obmacht über die Gewissen und die Ueberzeugung seiner Bekenner .zu verlieren. Unsexe Leser wissen/ daß wir den Maßstah sür das religiöse Leben im JudesithumeHichk nach der strengen Observanz seiner alten, für unsere Zeit oft veralteten Bräuche und Satzungen finden. Wir wissen, . daß gerade aus solcher Observanz das wahrhaft religiöse Leben allzu oft gewichen,- wir .wissen,, ,daß in einer Zeit, wie die unserige, die geistige 'Freiheit/ die Freiheit der Bewegung zur Lebensbedingung geworden. Wenn sich aber täglich die Beobachtung aufdrängt, wie wenig die' Geister' seiner einzelnen Bekenner im Judenthume wurzeln, wie die Jugend durch eine rein kosmopolitische - Erziehung des religiösen Lebens immer barer wird, und die höchsten Interessen des Judenthums zahllosen Juden gleichgültig werden: so ist'es an der Zeit, immer von neuem darauf aufmerksam zu machen und dahin zu streben, Gegenwirkungen hervorzurufen. Und wer sollen nun die Träger dieser Gegenwirkungen sein? Es ließe sich gut sagen: alle Juden, denn es gäbe unter diesen keinen Unterschied zwischen Priestern und Laien, es sei der angeborene Beruf, die gleiche Pflicht jedes Israeliten. Auch Moses hatte für sein „priesterliches Reich" das ganze Volk im Sinne, und wollte darum die Erstgeborenen aller Familien zu den besonderen Sendboten der Gotteslehre machen. Aber er sah sich durch die Wirklichkeit dennoch gezwungen, einen Stamm aus allen zu erwählen, dem die Erhaltung und Pflege von Lehre und Gesetz als besonderer Theil und hauptsächliches Amt auferlegt werde. So sind es in der That zunächst die Rabbinen und Lehrer, welche die Äbschwächung des religiösen Lebens zu bekämpfen, die Förderung aller Mittel zur Stärkung und Erhebung desselben anzustreben verpflichtet sind. Sie haben ihren Lebensberuf hierin, und wenn sie ihn nicht erfüllen , so sind sie müßige Knechte. Ein Lehramt, sei, es hoch oder niedrig gestellt, kann nicht nach dem Buchstaben des Contractes verstanden werden, und wer genug gethan zu haben glaubt, sobald er so und so oft gepredigt und so und so viele Stunden gegeben hat, der ist kein Lehrer, sondern ein Handwerker, und ein Lehrer der Religion darf dies am wenigsten sein. Selbst'im niedrigeren Sinne könnte man zu ihnen sagen: Ihr werdet hierfür bezahlt; der Lebensunterhalt, der Charakter und die Würde, die Euch gegeben werden, verlangen, daß Ihr für die Sache, die Ihr vertretet, auch im vollen Sinne des Wortes wirksam seid! Wir hätten danu zunächst die Vorstände der Gemeinden. Auch sie übernehmen mit ihrem Amte eine höhere

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