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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-08-21 · Heft 34 (21.8.1866) · p. Seite 542

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 34 (21.8.1866)
Date
1866-08-21
Page
Seite 542 (sequence 12)
Language
German
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542 Venetien und der Nest der Lombardei, welcher unter österreichischem Scepter gestanden, nunmehr dem Königreiche Italien gehören wird. Auch hier wird der israelitische Theil der Bevölkerung nunmehr ganz wieder zu dem Rechte gelangen, welches er bis 1815 unter der französischen Herrschaft bereits besessen, die unbedingte Gleichberechtigung. Daß diese im Königreiche Italien zu ihrer vollen Geltung kommt, dafür liegen so viele factische Beweise vor und mehren sich täglich, daß. eine nähere Ausführung unnöthig ist. Aber ein anderer Gegenstand muß unsre Aüsmerksamkeit in Anspruch nehmen. Bekanntlich existirt zu Padua seit 1828 eine Rabbinerschule, deren Kosten von den lombardisch-venetianischen Gemeinden getragen wurden. Mit der österreichischen Herrschaft hört zugleich auch das Awangsgesetz für diese Kosten auf. Es ist demnächst die Existenz der Anstalt' gefährdet. Dahingegen wird Niemand das Bedürfniß, ja die Nothwendigkeit dieses Institutes verkennen, noch dazu, da gerade die italienischen Gemeinden ihre Rabbiner weit weniger aus dem Auslande holen können, wie dies in andern Ländern der Fall ist. Sprache, Charakter und andere Eigenthümlichkeiten lassen das nicht zm Nun ist es ersichtlich, daß die Unterhaltungskosten, auf alle Gemeinden vertheilt, nur eine geringe Last sein können, daß aber auch die Ehre der italienischen Gemeinden in dunklen Schatten gestellt werden würde, wenn sie eine Anstalt zu erhalten sich weigerten, die fast vierzig Jahre von nur. wenigen erhalten wurde, ihren dkutzen aber auf ganz Italien erstreckte, ist selbstverständlich. Endlich kann man voraussetzen, daß sich die italienische Regierung nicht weigern werde, einen bedeutenden Zuschuß zu gewähren, wie dies jetzt in so vielen Staaten bereits, geschieht und in Frankreich bekanntlich die sämmtlichen Kosten getragen werden. Wir geben zu, daß das-Collegium von Padua mancher Verbesserungen hedarf , wie dies bei allen Instituten, sobald sie eine lange Reihe von Jahren schon hinter sich haben, der Fall ist, Besonders nothwendig scheint es uns, daß die Anstalt zugleich zu einem Lehrerseminar erweitert. werde. Tüchtige Lehrer mit gutem, jüdisch-reliliösen Wissen ausgerüstet, . sind ein. sehr wesentliches Bedürfniß und das Collegium wird außerordentlich gewinnen, wenn es diesem, abhilft. Stets aber ist es viel vortheilhafter und empfehlenswerther, ein schon bestehendes Institut zu erhalten, zu verbessern und zu erweitern, als ein ganz neues herzurichten. Denn an jenem hat sich bereits das Gute und Nichtige erwiesen, und das Irrige und Fehlende zur Verbesserung und Ergänzung herausgestellt, während eine neue Anstalt nur ein neues Experiment ist, das leicht ganz fehlschlagen könnte. Wir hoffen, daß wir Ihnen recht bald über die Fortexistenz des Paduanischen Collegiums gute Nachrichten werden geben können. Florenz, im August. Die „Gazetta Ufficiale" veröffentlicht folgendes Decret des Prinzen Eugen von Savoyen-Carignan, Stellvertreters des Königs: Art. 1. In den italienischen Provinzen, die von der österreichischen Herrschaft befreit sind, find alle Bürger gleich vor dem Gesetze, zu welchem religiösen Cultus sie sich auch bekennen; sie genießen in gleichem Grade alle bürgerlichen und politischen Rechte. Art. 2. Alle entgegengesetzten Verfügungen des Civil-Gesetzbuches und des Gerichtsverfahrens so wie die anderen Gesetze und Maßregeln, sowohl bürgerliche als politische, die in besagten Provinzen in Kraft sind, werden aufgehoben. Art. 3. Nichts ist verändert bezüglich der Verfügungen, welche die Ausübung des Cultus der Heterodoxen, so wie der Israeliten regeln. Gegeben am 4. August 1866. Eugen von Savoyen. Borgatti. Also völlige Gleichstellung und Aufrechterhaltung der'bisherigen Cultuseinrichtungen. Großbritannien. London, 10. Aug. Ein merkwürdiges Zusammentreffen sei hier nach dem Jew. Chr. hervorgehoben. Zu den ersten Depeschen, welche das endlich glücklich gelegte Cabel aus der . neuen Welt brachte, gehörte die Begrüßung des Mayors der neuen englischen Colonie Vancouver’s Island an den Lordmayor von London. Diese Depesche hatte die weiteste Entfernung zu durchlaufen, die bis jetzt ein Telegramm zurückgelegt Hat, nämlich 8,000 englische Meilen. Sie kam nach wenigen Stunden an. Zufällig waren nun der Absender wie der Empfänger, Mayor Lumley Franklin von Vancouver's Island und Lordmayor Phillips, Beide Juden.

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