Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1866)
- Date
- 1866-08-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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30- Jahrgang. U ll g t M eine ^3 Zeitung -es Iu-enthums. Ein - unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben Vvn Rabbiner Dp. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 14. August 1866. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstag«, in 1 */a bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Rar. Viertel jährig 22i/» Ngr. Inserate werden mit >1/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS>Expeditivnen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhal 1. Leitende Artikel: Die Friedensaussichten. — Zur Charakteristik des Talmuds. X. — Ueber die Form zur Eingehung einer vollgiltigen Ehe eines jüdischen Brautpaares in den östlichen Provinzen, des preußischen Staates. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Cassel. Preußen: Berlin,Görlitz. Oesterreichischer Kaiserstaat:Wien. Rußland: St. Petersburg. Türkei: Constantinopel. Frankreich: Mühlhausen, Paris. Italien: Aus Oberitalien. Spanien: Madrid. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Die Mosesgruppe von Rauch lForts.l. Leitende Artikel. Bonn, 3. August. Die Friedensaussichten. Die Waffen ruhen. Ein Waffenstillstand ist zwischen den im Kriege begriffenen Mächten abgeschloffen. Der Friede naht. Schon sind zwischen den Hauptmächten die Friedenspräliminarien unterzeichnet und ratifizirt, uudsobald zwischen diesen der Friede definitiv ist, kann er seitens der kleineren Staaten nicht zurückgehalten werden. Ueberall wird dies mit erleichtertem Herzen ausgenommen. Weder auf Seiten der siegreichen, noch der im Nachtheile gebliebenen Mächte wird die Fortsetzung des Krieges gewünscht, und die Völker sind gewiß damit einverstanden. Wie Alles in unsrer Zeit, war der Krieg im schnellsten Verlause ein kurzer, aber darum doch ein ereignißvoller und folgenreicher. Doch wir haben hier die politische Seite nicht zu erörtern. Unsere Ansichten, wie wir sie früher ausgesprochen, haben sich nicht unter dem Einflüsse der Begebenheiten geändert. Nur Eines heben wir gern und nachdrücklich hervor: daß nämlich auch dieser Krieg, so furchtbar er an sich war, so viele Opfer er gekostet, doch in vielen Zügen erwiesen hat, um wie viel weiter die Humanität vorgeschritten, um wie viel geringer die zerstörenden Wirkungen des Krieges geworden, um wie viel weniger Verwüstung und Plünderung, wilde Wuth gegen den Feind, Entfeffelung aller wilden Leidenschaften in unserer Zeit selbst im Kriege stattfinden, welche große Entfaltung der Schonung, der Milde und besonders "der Wohlthätigkeit sofort nach dem blutigen Waffentanze eintritt. . * Das Werk und die Arbeit des Friedens wird es sein, die Liefen Wunden, welche trotz seinerkurzen Dauer der Krieg geschlagen, wieder zu heilen. Freilich die zahlreichen Lücken, die er in den Familien zurückgelassen, die großen Verluste an theuren Menschen, die er trauernden Eltern, Gattinnen und Geschwistern gebracht, kann, der Friede an sich nicht ersetzen. Die heilende Hand der Zeit und die Tröstung der Religion können allein hierfür Balsam und Vernarbung bringen. Anders aber ist es mit der Schädigung an Gut und Besitz, mit,dem Ruin von mancherlei Anstalten, mit der Verwirrung ln den gewerblichen Kreisen. Hier tritt die Kraft^ des Friedens, die wieder äufgenommene Thätigkeit, das wieder erwachte Interesse mit allem Nachdrucke ein, und wie der Landmann feine zerstampften Felder bald wieder mit dem Pfluge durchfurcht, feine zerstörten Gärten mit neuen Bäumen und Gesträuchern bepflanzt, so legt Jedermann'