Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1866)
- Date
- 1866-08-07
- Page
- Seite 512 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Künstlers rem und vollendet ansgedrstchi Mdey kosizM. Es fand also in der Plastik der Mythologie jedenfalls eine Übertragung und Wechselwirkung aus dem Übersinnlichen und Menschlichen statt, die zwar den sinnlichen Genuß, die ästhetische Befriedigung als vollendet erscheinen läßt, die sittliche Erreichung, und Erhebung, aber weit , hinter den alttestamentlichen Kunstwirkungen zurückläßt. . Und sollte dieseH.Gefühl die Künstler nicht von jeher bestimmt haben, sich vorzugsweise jenen Stoffen zpzuwenden? Die Mienischen. Meister, wahrscheinlich schon sehr frühzeitig, aber erwiesenermaßen im Anfang des 15. Jahrhunderts, arbeiten an alttestamentlichen Thematen, und Ghiherti erringt mit der Thür der Kirche San Giovanni zu Florenz den Preis, an welcher er 21 Jahre lang (1403, bis 1424) die biblischen Gcenen von Adam an bis zur Besiegung des, Goliath durch David zur Anschauung, brachte? Ein Zeitgenosse Ghibertis ist Dynatello, von dem Judith und David in kolossalem Maßstab ausgeführt sind, und, Michel Angelo endlich scheint seine großartigen Compositionen an der Decke der Sixtinischen Capelle zu Rom nach den kleinereu Darstellungen Ghibertis.an der bezeichneten Thür entworfen zu, haben. Bon ihm sind ferner ein David, 18000 Pfund schwer und/ am 18. Mai 1504 vor dem Regierungspalast zu Florenz aufgestellt, und der Moses, dessen oben bereits Erwähnung geschehen ist. Es mag immerhin sein, daß die politischen Verhältnisse des damaligen Florenz wesentlich den, Kisnstler bestimmten, einen David und Moses zu wählen; aber daß gerade diese dem Zweck der Situation am, meisten entsprachen, scheint ein, Beleg für die kunstmäßige Berufung der alttestamentlichen Stoffe zu sein, die überall mehr oder weniger eine gewisse kunstgerechte Anlage besitzen. Aus diesem Grunde werden in Museen die alttestamentlichen Skulpturen immer eine besondere Anziehungskraft^ ausüben / und. an Prunnenreliefs ist vielleicht dieser Stoff am meisten zur Darstellung geeignet. Schöpfen wir aus dem Bisherigen den Maßstab zur Beurteilung der Rauch'schen Mosesgruppe: so bewährt er sich an derselben sowohl' hinsichts. ihres rein mensch- 3) Von dieser Thür, welche Michel Angelo würdig hält, daß sie die Thür des Paradieses, sei, befindet sich eine Nachbildung im, neuen Museum zu Berlin. 4) In dem neuen Orangeriegebäude zu Potsdam zeigt ' sich das speziell an „Ahej" von Stöber und an „Mirjam" von Jmhoff. . lichen Charakters, dem nichts Ueberweltliches, Wunderbares anhastet, als auch wegen des liefen sympathischen Zuges, der den Beschauer ergreift und gewinnt. Wie dort der erhabene Führer Israels von Sorge und Befürchtung durchdrungen sich vor Gott niederwirst und um stine Hilfe fleht, so sohl n,nd wird jeder edle Mensch in jedem Augenblicke thun, wenn die. Gefahren, des Lebens an ihn herantreten, und der Fürst im Besonderen, wenn, er seine Völker in die Schlacht führt, wird das Geschick des Krieges nicht von der Anzahl der Heere, sondern von dem Willen Gottes, abhängig machen, dem er sich zu unterwerfen hat. Dieser sympathischen Gewalt steht ferner die Darstellung des Reinmenschlichen zur Seite, das die Tradition sorgfältig betont.: Hoch oben auf dem Berggipfel verrichtet Moscheh sein. Gebet, damit er von dem kämpfenden Israel gesehen werde/ das seinem Beispiel in Gottvertrauen und Anbetung folgen sollte. Durch das Emporhalten, der Hände vermochte Moscheh nicht auf das Kriegsgeschick einzuwirken;, nur insofern er dadurch das Volk zum Vertrauen auf Gott, erhob,, war dieses glücklich in seinem Kampfe, und das erzielte er durch sein Beispiel. War doch die ganze Situtation des Moscheh so wenig überweltlich, so-vollkommen menschlich, daß seine Hände, sei es des Alters wegeu, oder wegen der längern Zeitdauer im Gebet ermüdeten, und er sie, durch andere Personen stützen lassen mußte! Mir besitzen verschiedenartige Darstellungen des Moscheh in der Malerei, unter welchen die Compositionen von Murillo (Moses am Felsen) und von Kanlbach (Moses, wie er das goldene, Kalb zertrümmert) von. besonderem Knnstwerth sind? Allein wir stehen vor dem Moses von Rauch mit Andacht und Erhebung wie vor, keinem andern Mosesbilde, und wiewohl daran das treffend, gewählte Motiv des Werks seinen Antheil haben mag, so wird doch auch ui; hohem Grade die Plastik, die Darstellung in Stein, dabei Mitwirken, die an sich bestimmter und energischer, als die Darstellung in, Farbe, den Beschauer amegt, ein mehr objektives und abgeschloffenes Verhältnis zu ihm annimmt. 5) Lippmann Heller zu Mischnah Rosch Haschauah III, 8; Ralbag zu Beschalach 17, 10; Abarbanell zur Stelle; Jsaac Arama eben das.' . 6) Der rühmlichste genannte und denselben Vorwurf darstellende Carton des jüdischen Künstlers Adolf Pichler in München (Allgem. Zeitung d. Judenth. 1861 N. 18) ist mir nicht zu Gesichte gekommen. (Fortsetzung folgt.)