Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1866)
- Date
- 1866-07-24
- Page
- Seite 482 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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der Talmudistik eine tiefe Gelehrsamkeit anzueignen und hat derselbe diese bis/an seinen Tod unermüdlich fortgesetzt. Tief war auch die Trauer in unserer Stadt, als die Kunde von seinem, nach kurzem Krankenlager erfolgten Ableben sich verbreitete unv gab diese sich auch an dem Tags darauf Statt gefundenen Leichenbegängniß kund. Seiner Leiche folgten nicht nur sämmtliche Gemeindemitglieder unserer Stadt und Umgegend, sondern auch die Vertreter unserer Stadtbehörde und der Kaufmannschaft. In der Synagoge, wohin der Verewigte vor der Beerdigung gebracht wurde, hielt sein langjähriger Freund und Gesinnungsgenosse, der Rabbiner Herr Caro ausZempelburg die Leichenrede; dieser sowohl, wie die Herren vr. Veilchenfeld aus Culm und vr. Lewin aus Schwetz waren auf die erhaltene Todesnachricht sofort herbeigeeilt, um dem Verewigten die letzte Ehre zu erweisen. Der Verblichene hatte sich in seinen nachgelaßenen Papieren jede Lobrede an seinem Grabe verbeten. Möge er im Jenseits den Lohn für seine Thaten finden. Sanft ruhe seine Asche. Tuchel in West-Preußen, im Monat Juni 1866. Anzeige. Ungefähr 1835 verschied in England ein Wollhändler, Ruch im Ausland oder Osland iJsraelite). Laut Testament, hinterließ er seine ganze Habe, welche aus unbeweglichen Gütern in Amerika und Capitalien in der englischen Nationalbank besteht, einem einzigen Erben, seinem Neffen Aron S ch i r m a n n, russischem Unterthane, Bürger aus Starckonstantin in Wolhynien. Das Testament ließ Ausland in London, Hamburg und den vereinigten Staaten aufbewahren. Die Testamentsvollstrecker, ungeachtet dessen, daß ihnen der Wohnort Aron Schirmanns gut bewußt war, machten jedoch keine Schritte zur Vollziehung des Testaments. Aron Schirmann erfuhr unterdessen den Tod seines Onkels durch Privatnachrichten und auf demselben Wege erhielt er auch eine nicht gerichtliche Copie des Testaments, konnte aber keine Reise nach England unternehmen, da er sich in den dürftigsten Umständen befand; er war daher gezwungen, die Erbschaft durch Vermittelung der kaiserlichen russischen Bebörde, zu erheben; da übereilte ihn der Tod im Jahre 1849 in Belajozerkow, im Gouvernement Kiew, und er hinterließ seinen Sohn Pinchos Schirmann als Erben. Der Letztere war minderjährig, unbekannt mit dem Bestände der Erbschaft und dem Orte ihrer Hebung, er wußte daher nicht an wen und wohin sich zu wenden. . Indieser Lage befand sich diese Angelegenheit bis zum Jahre 1855, als ein französischer Unterthan, Namens Louis Beyer Cantin, absichtlich, wie er sich ausdrückte, nach Rußland gekommen war, um die Erben Ausland's aufzusuchcn, fand wirklich, nach einjährigem Suchen, den Pinchos Schirmann und, ihn versichernd, daß er die Testamentsvollstrecker und das Besitzthum Ausland's kenne, verpflichtete er sich, laut Contract, welcher am 24. Januar 1855 «ub. IST 58 in der Civilkammer zu Bolhynien zu Stande gekommen war, diese Angelegenheit, zu Ende zu führen; er reiste nach's Ausland ab, und brachte elf Jahrein vollständigster Unthätigkeit dort zu. Er besuchte zwar Rußland während dieser Zeit, war sogar vor einigen Wochen in Shitomir, wo der Erbe Pinchos Schirmann jetzt wohnt, benachrichtigte aber nicht einmal den Letzteren, ob er etwas gethan habe. Ich will jetzt die Sache Cantin's nicht auseinander setzen, sobald er aber wieder nach Rußland 482 ■ kommen sollte, werde ich ihn mit der ganzen Strenge unserer Gesetze verfolgerr;- da all sein Handeln nicht zu seinen Gunsten spricht. Jetzt, da ich eine unbeschränkte Vollmacht von Pinchos Schirmann besitze, habe ich energischeMaaßregeln zum Aufsuchen der Erbschaft, so auch zur Verteidigung seiner Rechte ergriffen. Ich habe bereits solche Spuren, die einen glücklichen Erfolg prophczeihen; um aber denselben zu beschleunigen, zeige ich hiermit den Herren Testamentsvollstreckern und Vormündern, oder der dortigen Behörde und den Personen, die Documente und Macht zur Vollstreckung des Testaments haben, an, daß sie die kaiserliche russische Gesandschaft in London und mich, im Zeiträume von einen Monat für England und Deutschland und zweien für Amerika, benachrichtigen möchten: vom Inhalt des Testaments, wer die Testamentsvollstrecker sind, und wo sie ihren Wohnort haben, in welchem Zustande jetzt die unbeweglichen Güter Ausland's sich befinden, wo Capitalien, Bankbillete, Geldforderungen und anderes bewegliches Gut des Testamentators aufbewahrt werden? Sollte weder die Gesandtschaft, noch ich keine Nachricht erhalten, so werde ich mich genöthigt finden landesgesetzliche Maaßregeln zu ergreifen. Auch wird hiermit Jedem Kund gethan, daß wer, außer obengenannten Personen, der russischen Gesandtschaft in London und mir, Anzeige über diese Erbschaft machen wird, der erhält ein Tausend Pfund Sterling vom Vermögen Ausland's als Prämie. In diesem Falle rechne ich auf das Mitgefühl der englischen, deutschen und amerikanischen Judenschaft, die sich gewiß nicht, entsagen wird, einem Glaubensgenossen Hilfe zu leisten. - Ich hoffe, daß auch andere Zeitungen diesen Aufruf in ihren Spalten Raum geben werden. Michael Philippoff Meine Adresse: M. Philippoff in Kiew. Neben dem Frolow'- schen Kloster im Hause Follkunoff. di 1 oah. Eine Auswahl von Predigten. Zur Erbauung, so wie besonders znm Vorlesen in den Synagogen, die des Redners ermangeln. Von vr. LudwigPhilip p so n, Rabbiner, gr. 8. Iste Sammlung. Zweite Auflage. broch. Preis 1 Thlr. 10 Sgr. 2te Sammlung. Preis 1 Thlr. 10 Rar. 3te Sammlung. Preis 1 Thlr. 10 Ngr. Baumgärtners Buchhandlung in Leipzig. Bemerkungen. Herrn 0. 81. in Berlin: Cs steht keiner Redaction an, gegen die Berichte ihrer ständigen und erprobten Correspondenten Entgegnungen von ihr ganz unbekannten Personen ohne.Weiteres auszunchmen, noch dazu, wenn nur Gegenbehauptungen, aber keine Beweise aufgestellt werden. — Die Redaction. Für den armen, blinden Lehrer Klein. Frau Nanny Salomon in Stavenhagen 5 Thlr. Dre Redactiou. Jüdisches Volksvlatt No. 28.1866. Eine merkwürdige Verhandlung im Talmud «Schlußs. — Die Wege der Vorsehung. Eine Legende. — Innere Verhältnisse der Juden in Köln rm Mittelalter. ■— NB. Durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen. Jährlich 1 Thlr. Vierteljährlich •/* Thlr. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher.Redakteur Ldr. H. Lotze.