Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1866)
- Date
- 1866-07-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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30, Jahrgang. Ull g C M e i Nt . M &i' Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von ' Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 3. Juli 1866. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, m 1V2 bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs Thlr. HMahng > Thlr. lS Ngr Viertel, iabria 22'/, Nar. Inserate werden mit i'/-> Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitrmgs-Expedttwnen . nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich daS Komgl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Burcau hier^ unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die jüdischen Gouvernanten. — Die protestantischen Bekehrungsgesellschaften. — Zerstreute Bemerkungen. - Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Bayern, Hannover. Preußen: Berlin, Aus Westfalen, Aus Preußen, Königsberg. Donaufürstenthümer: Bukarest, Jassy. Oesterreichischer Kaiserstaat: Aus Galizien, Wien, Lemberg. Schweiz: ' Endingen. China: Schanghai. Correspondenz: Amerikanische Briefe. Leitende Artikel. Bonn, 24. Juni. Dre jüdischen Gouvernanten. " Man wundere sich nicht, daß wir in so stürmischen Zeiten, unter dem Geklirre der Waffen und dem Geräusch so vielen Einsturzes, auf den speziellen Gegenstand, welchen die Aufschrift dieses Artikels bezeichnet, einzugchen uns bemüßigt finden. Es ist ein altes Wort: in pace para bellum, d. h. während' des Friedens rüste dich zum Kriege. Wenden wir einmal dieses Wort um, und sagen: in bello para paeem, d. h. während des Krieges bereite Werke des Friedens vor, die, wenn der Odem des Friedens wieder über die empörten Wogen der Menschheit weht, ins Auge gefaßt und ausgeführt werden mögen. Bleiben sich doch die Bedürfnisse der Menschen unter allen äußeren Verhältnissen gleich, und wollen befriedigt sein, sobald der Raum gegönnt ist. Suchen wir unsere Stärke darin, ruhig unsere Ziele weiter zu verfolgen, wie es auch draußen drängt und tobt. — Jüngst wurde auf der Generalversammlung der englischen Heidenbekehrungsgesellschaft in Birmingham nachdrücklich hervorgehoben, daß man zahlreichen Uebertritt von Juden dadurch erwarte, daß jetzt häufig von jüdischen Familien christliche Gouvernanten ins Haus genommen würden, diese Gouvernanten aber auf ihre Zöglinge in christlichem Bekehrungssinne einwirkten. Wir haben diesen so wie einige andere Aussprüche, die auf dieser Versammlung geschahen, in Nr. 26 des „Jüdischen Volksblattes" hinreichend gewürdigt, und kommen hier in natürlicherer Folgerung nur auf die entgegengesetzte Frage: wie steht es um die religiöse Bildung und Einwirkung der jüdischen Gouvernanten? Indem wir uns von vornherein verwahren, als ob nicht auch Ausnahmen, rühmliche Ausnahmen Vorkommen, hat uns doch die Erfahrung, so weit wir sie zu machen Gelegenheit hatten, gelehrt, daß es mit dieser religiösen Bildung und Einwirkung der jüdischen Gouvernanten in der Regel nicht genügend bestellt ist, und nicht selten kam es vor, daß wir in. dieser Hinsicht nur mit halbem Herzen ein empfehlendes Wort für sonst sehr befähigte Damen aussprechen konnten. Allerdings kann dabei das, was viele Eltern in dieser Beziehung verlangen, nicht in Betracht gezogen werden, denn das ist eben herzlich wenig, sondern unsere Forderung geht daraus hinaus, daß eine Erziehung ohne religiöse Erziehung, und sei sie noch so brillant, geringen Werth und große Gefahr habe, daß überhaupt der Erzieher oder die Erzieherin in religiöser Rücksicht sich nicht auf. das beschränken dürfe, was die Eltern nach ihrer Einsicht Md