Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1866)
- Date
- 1866-06-05
- Page
- Seite 369 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226551--24018-3251352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
den Gouvernementsstädten, wo.in der unmittelbaren Nähe der höhern Regierungsbeamten in der jüdischen Bevölkerung ein gutes Procent von Bildung sich findet, drang die Regierung überall durch; die Mittlern und kleinern Gemeinden aber wollten lieber ihre bisherigen kazenne d. h. ofsiciellen Rabbiner, mit denen sie in einer erquicklichen Eintracht lebten, behalten, und behalten sie auch meistentheils noch jetzt. Selbst in den größern Gemeinden gingen aus den Wahlurnen nun solche junge Leute hervor, bei denen erstere eine größere oder kleinere Willfährigkeit für ihre stabilen Bestrebungen vorauszusetzen berechtigt waren; dagegen wurde Alles aufgeboten junge Leute, deren Geistesrichtung den Neuerungen der Neuzeit günstig war, bei den Wahlen durchfallen zu lassen. Man kann sich lercht vorstellen, in welcher Mernative die jungen Rabbiner waren: entweder mußten sie sich den schmählichen Bedingungen der Gemeinden unterwerfen, welche ihren bessern Ueberzeugungen widersprachen, oder eben brodlos bleiben und so 10 Jahre fleißigen Studiums umsonst verwendet und allen Lebenszweck verfehlt haben. Viele fügten sich diesen Bedingungen und leben in Zwiespalt mit sich selbst, viele aber halfen sich aus der Klemme, indem sie das pädagogische Fach ergriffen d. h. Lehrer wurden oder zu den Universitäten eilten um sich in den verschiedenen Facultäten den Doctorhut zu erwerben. Der Erfolg hat gezeigt, daß diese letztern wohlgethan, sie blieben dem Judenthume nicht verloren. Bei der humanen Richtung der hohen Potenzen im Staate haben sie in allen Branchen des Staatsdienstes Anstellungen gefunden. Sämmtlich machen sie durch ihre Amtstüchtigkeit und eifrige Pflichterfüllung ihrer Nation und Religion Ehre.*) *j Auch viele Pädagogen haben nach mehrjähriger Dienstzeit ihre Lehrerstellen aufgegeben »und sind in die Universitäten eingetreten. Der dadurch entstandene öftere Weggang der Lehrer hat sehr viel zum Verfall der Schulen beigetragen. Corresp. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Ein geprüfter Lehrer, Dr. phil., der in den alten und neueren Sprachen rc. unterrichtet, auch gottesdienstliche Vorträge halten kann, wünscht sich zu placiren. Franko-Offerten unter E. R. per Adresse Herrn Mvhs, Elisabethstraße 42, 2 Tr. Berlin. Wir beabsichtigen per I. Angust oder I: September a. c. einen Lehrer zu engagiren, der gleichzeitig das Vorbeter- und Schächteramt mit versehen kann, derselbe muß ein gebildeter Mann, und mit guten Zeugnissen versehen sein. Der Gehalt ist Thlr. 200 Courant. Die Sporteln belaufen sich auf Thlr. 70, sowie freier Wohnung. Reflectanten wenden sich gefäll. franco an den Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Hann. Münden. Die hiesige jüdische Gemeinde sucht zum 1. November dieses Jahres die Lehrer- und Cantor-Stelle neu zu besetzen. Derselbe kann verheirathet sein. — Die Schule ist eine öffentliche, städtische. — Gehalt 230 bis 250 Thlr. pro Jahr; außerdem bietet die Stelle sichere Aussichten auf Neben-Accidentien, sowie, bei tüchtigen Leistungen Ertheilung auf Privatunterricht. Die Anstellung kann geeigneten Falls und unter Beachtung der esetzlichen Vorschriften eine definitive werden. Bewerer wollen sich unter portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten Vorstand baldigst wenden. Berleburg (Westphalen), im Mai 1866. - Der Vorstand der Synagogen- und Schulgemeinde. F. Beifus jr. Zur Nachricht. Die von hier jüngst ausgeschriebene Cantorstelle ist besetzt. Buchau, Württemberg, 24. Mai 1866. Das isr. Kirchen-Vorst.-Amt. Weimann, Rabbiner. Für die hiesige jüdische Elementarschule, die aus 30 Knaben und 20 Mädchen besteht, letztere jedoch nur 6 Stunden wöchentlich zum Religionsunterricht gehen, wird vom 1. Juni c. vacant. Gehalt 300 Thlr. p. A., und können Privatstunden noch 80—100 Thlr. jährlich einbringen. Kräftige geprüfte Lehrer, mit jüdischem Wißen ausgerüstet, mögen sich, unter Einreichung ihrer Atteste, bei dem Unterzeichneten Vorstande baldigst franco melden. Ortelsburg, den 22. Mai 1866. Der Schul-Borstand. Die hiesige israel. Gemeinde sucht einen zweiten Vorbeter, der zugleich den Dienst als Schächter übernehmen soll. Qualificirte gut beleumundete Bewerber wollen sich portofrei an den Unterzeichneten wenden. Gießen. Für den Vorstand. M. Hirsch.