Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-05 · Heft 23 (5.6.1866) · p. Seite 364

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 23 (5.6.1866)
Date
1866-06-05
Page
Seite 364 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226551--24013-3251347
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

rT? '1;^• 364 für sie in die Arena. 1838 nahm er mit seinem Freunde Messer den Kampf für Emancipation in Schleswig-Holstein auf, in Folge dessen Mne „Meditationen" erschienen. Um die freilich vergebens erwarteten Errungenschaften der.Gleichstellung praktisch zu .verwerthen, bestrebte er sich, in Altona eine konfessionelle höhere Bürgerschule ins Leben zu rufen, deren Zweck sein sollte, eine allgemeine Bildung verbunden mit einem geläuterten streng israelitischen Religionsunterrichte so zu erzielen, „daß in der Jugend Ueberzeugung und Leben in Uebereinstimmung und einander durchdringend, eine Generation Hervorgezogen werde, welche in energischem Selbstbewußtsein der lauen Halbheit entgegen trete." Das wehmüthige Gefühl, das in uns über den Verlust dieses geist- und gemürhreichen Mannes erweckt wurde, wird noch dadurch gesteigert, daß er nicht .unter seinen Glaubensbrüdern ein Grab gefunden hat. Wir glauben keine Jndiscretion zu begehen, wenn wir constatiren, daß mehrere angesehene Glieder der israelitischen Cultus-Gemeinde Zürich, sobald sie von dem Hinscheiden Steinheim's Kunde erhalten, seiner tiefbetrübten, körperlich und geistig angegriffenen Gattin den Vorschlag wachten, diesen allverehrten Glaubensbruder auf dem von ihnen neu angelegten israelitischen Friedhofe nach jüdischem Ritus zu bestatten; da hieß es jedoch, es wäre Steinheim's Wunsch und letzter Wille gewesen, auf dem reformirten (Oberstraß) Stadtkirchhof beerdigt zu werden. Es ist dies um so mehr zu bezweifeln, als Steinheim ganz plötzlich verschied und noch im vergangenen Sommer gegen Herrn Bänquier Jaques Ris in Zürich den Wunsch äußerte, mit seinen Glaubensbrüdern auch im Tode vereint zu sein. Es werden nun allerdings noch Schritte gethan, ihm eine Ruhestätte unter Glaubensgenossen zu bereiten, vorläufig ist er Montag den 21. d. M. auf dem genannten Kirchhofe bestattet worden. Kayserling. Frankreich. Paris, 26. April. (Entgegnung.)*) In No. 6. b. Bl. berichtet ein Chinese, der sich zu Paris aufhält, über die Nabbinen Frankreichs und erlaubt sich Ur- *) Wir geben diese Entgegnung ohne weitere Bemerkungen. In solchen Dingen giebt Jeder seine Meitheite über dieselben, die 'wir für durchaus irrig erklären müssen. Gestatten Sie mir eine Widerlegung. Zuerst behauptet der Correspondent, das Rabbinerseminar bringe aus Mangel an tüchtigen Professoren keine guten Zöglinge hervor, versteht er dies im dogmatischen Fache? so erwidern wir, daß der Hr. Professor Rabbiner Wogue, bezüglich der Theologie und der jüdischen Geschichte, einen Meister sucht, aber nirgends findet. Die Bibel, welche er veröffentlicht, zeugt genugsam von seinen tiefen, wissenschaftlichen Kenntnissen und seinem Talent als Schriftsteller. Wir behaupten ferner, daß Hr. Professor Rabbiner Brenel ein ausgezeichneter Talmudift ist, der sich mit den vortrefflichsten Talmudisten Deutschlands messen kann. Ist es nun nicht erstaunlich, daß Ihr Chinese diese eben so bescheidenen, als gelehrten Männer nicht kenne! — Spricht er etwa von den Professoren der profanen Wissenschaften? so haben wir nur zu nennen den Hrn. Manuel, den Professor und Dichter, neulich in allen wissenschaftlichen Journalen gerühmt; Janet, den beberedtsamen Professor der Philosophie, und Isidor Cahn, den Professor der Literatur (Redacteur der Archives Israeli tes). Sollen wir ihm etwa taugliche Zöglinge anführen, die diesem Seminarium entsprossen? So nennen wir die Herren Rabbiner Wogue, Brenel, Klein, Charleville, Drehfus, Lambert (der vor Kurzem ein ausgezeichneter Advokat geworden, obschon er das Diplom eines Großrabbiners besitzt), S. Levy, Lippmann, Astruc, Mayer und so viele andere. Der verewigte Großrabbiner Ullwann ist in derselben Schule erzogen worden, und ich zweifle, ob Ihr Chinese einen gelehrteren, trefflicheren und weiseren isr. Geistlichen zu nennen vermag! Der zweite Punkt, welchen der Chinese vorbringt, ist, Herr Isidor habe selbst in Ems seinen deutschen Amtsbrüdern eingestanden, daß er kein ausgezeichneter Gelehrter sei. Es ist dies weder ein angemessener, noch ein witziger Spaß. Sollte Hr. Isidor bei einem, ihm zu Ehren gegebenen Gastmahle sich unbescheiden äußern? Aber Hr. Isidor, der bescheidene Geistliche, frei von allen Hochtrabenden, stolzen Manieren, zieht vor, nicht zu erzählen, daß, wenn er predigt, seine Synagoge mit Zuhörern angefüllt ist, was bei den gelehrten deutschen .Rabbinen nicht immer der Fall ist. nung ab, wie er sie sich gebildet. Ein Endurtheil liegt — in den Resultaten der Wirklichkeit. Redaktion.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.