Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1866)
- Date
- 1866-05-15
- Page
- Seite 306 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sonne ihre vergoldenden Strahlen über den Rasenteppich, die vollen grünen Saaten, die blüthenreichen Bäume und Sträucher und den frischbelaubten Wald an und auf den Höhen. Alles athmet Lust, Segen, friedliches Werden und Wachsen . . . aber der Himmel des Menschen hat sich mit schwarzen Gewitterwolken überzogen. Schon lange am Saume des Horizontes sichtbar, sind sie nach und nach immer höher hinaufgestiegen, bis sie jetzt fast schon die ganze Wölbung des Himmels bedecken, und die Sonne des Friedens nur noch einen Scheidegruß herabzuwerfen scheint. Von fern her hörte man das Grollen: immer lauter dröhnte der Donner; hier und da lief schon ein Blitz seine schnelle, zackige Bahn. Aber immer noch war die Hoffnung laut, daß sich der Hauch des Friedens mit größerer Kraft ausmachen und das schwarze Gewölk wieder zerstreuen werde. Dieser Hauch ist aber immer schwächer geworden, jetzt bereits dem Ersterben nahe, und vielleicht — am Tage, da dieses Blatt in die Hände unserer Leser kömmt, hat der furchtbare Sturm des Kriegsgeschickes bereits seine entfesselten schwarzen Schwingen in Bewegung gesetzt, und die Nacht eines furchtbaren Völkerkampfes hat sich über die Menschheit herabgelassen ... Wer könnte hierbei sich schweigend verhalten? Wer, der ein Zeitblatt zu schaffen hat, könnte gegen die Wehen der Zeit so kalt und gleichgültig sein, daß er in den Tagen solchen Druckes, solcher Aengste und Befürchtungen die Feder allein mit gelehrter Forschung oder ruhiger Berichterstattung beschäftigen möge? Darum gestatte der Leser auch uns, einige Worte über die Lage der Dinge, die gegenwärtigen und kommenden Verhältnisse von unserem Standpunkte zu ihm zu sprechen. Es sind jetzt ungefähr zwanzig Jahre, als bei allen Höhergesinnten die Meinung verbreitet war, daß es in der civilisirten Welt zu einem Kriege nicht mehr kommen könne, daß die Waffen höchstens nur noch zum Schutze und zur Ausbreitung der Civilisation Hegen rohe Völkerstämme gebraucht werden dürften. Die Solidarität der Interessen, die Macht der öffentlichen Meinung, die friedliche und gerechte Stimmung der Völker, wahrhafte Religiosität und Sittlichkeit, das Rechtsbewußtsein und die Bildung hätten, so glaubte man, eine solche Stärke gewonnen, daß alle sich erhebenden ernsten Fragen nicht mehr durch Waffengewalt, sondern durch friedliche Ausgleichung, durch das Gewicht der Völkermehrheit gegen die einzelnen Störer des Friedens, ausgeglichen würden. Das Jahr 1848, das den Faden ruhiger!, aber J L 5. k V , ■ - sicherer Entwickelung abgeschnitten und die Wellen deS stark, aber innerhalb seines Bettes fließenden Stromes aufgestauet, brachte einen unermeßlichen Wändet mit sich, und enttäuschte so jene Meinung^ die sich jetzt als ein vorübergegangener Traum erweist. Die Leidenschaften wurden vom Grunde aus wieder geweckt. Der Leidenschaft der Revolution folgte die Leidenschaft der Reaction. Die öffentliche Meinung verhör ihre Geltung; die Stimme des Volkes, weil dieses selbst in schroffe, gegensätzliche Parteien zerfallen, gerieth in Mißachtung und in schnöden Mißbrauch; an die Stelle der Religion trat wieder die Kirche, an die Stelle des Rechtsbewußtseins das Interesse der Stände und der Nationalitäten; die Friedensliebe und die Solidarität der Völker wurden wieder von der Eifersucht und Ländergier der. Herrscher und der Machtstellung - der Staaten verdrängt und unterdrückt. Zuerst begann man mit dem sogenannten bewaffneten Frieden, mit dem Hinaufschrauben der Kriegsmacht aus die möglichst höchste Stufe, und bald begann wieder der Krieg. Auf die kleineren Kriege gegen die Revolution folgten die großen Kriege der Staaten unter einander. Im Osten Europa's begann das grausame Wassenspiel, verpflanzte sich dany nach der apenninischen, später in die jütische Halbinsel; tauchte hierauf die Hände in Nord- und Mittelamerika in unermeßliches Bruderblut, und wendet sich nun nach dem Herzen Europa's, in die Mitte des deutschen Vaterlandes. Zwar erstand mitten dieser Kämpfe der Gedanke eines europäischen Congresses, der die Streitigkeiten vor einem europäischen Areopag zu schließen berufen sei. Aber schwerlich wird ein Areopag der Fürsten Solches zu Stande bringen, und dann : ans der blutbefeuchteten Hand Davids selbst sollte der Bau eines Heiligthums nicht angenommen werden. Die Religion steht weit ab, und trauert, daß abermals ihre Kinder sie verleugnen, und mit dem Namen des Herrn auf den Lippen, sich mitten, in die Zeit der Barbarei und der Gewaltthätigkeit wieder versenken. Wir dürfen uns nicht täuschen: ist solch ein Dämon erst entfeffelt, so hat er keine Ruhe, bis daß er die ganze Erde durchzogen, und sein Fußtritt überall, Trümmer und Verderben hinterlasfen hat. Jedweder Friede ist dann nur die den Felsen sprengende Quelle eines neuen Krieges, und es ist nicht abzusehen, wann das Maß voll sein werde. Was haben wir hierbei zu thun? Der älteste Sang unseres Glaubens und Volkes ruft uns schon zu: „Der Ewige ist der Meister des Krieges, der Ewige ist sein Name." Prophet und Psalmist rufen uns zu: