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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-05-01 · Heft 18 (1.5.1866) · p. Seite 285

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 18 (1.5.1866)
Date
1866-05-01
Page
Seite 285 (sequence 13)
Language
German
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285 Gott selbst zuschreiben, und schreibt sie dem (Wort) zu.- Im Grunde istdas nur eine rednerische Vorsicht; denn es giebt keinen'- reellen Unterschied zwischen Gott und dem Logo«, und Gott kann nicht von seinen Attributen unterschieden werden. Wenn von der einen Seite die chaldäischen Umschreibungen nicht als. einfache Übersetzungen betrachtet werden können und nicht immer von großem Nutzen für die Bibelerklarung sind, so können sie von der andern Seite, gerade wegen ihrer Freiheit, uns mit dem Geist der babylonischen Sprache desto besser bekannt machen; denn in den Traditionen und Gleichnissen, die sie enthalten, war sie nicht von einem Texte gebunden, den es galt treu nachzuahmen. Diese Umschreibungen sind nicht die einzigen Überreste, die uns von dem babylonischen Texte blieben, welchen die Juden sprachen. In der weiten Encyklopädie, Talmud genannt, und in den allegorischen Commentaren der Bibel, die Midraschim heißen, Sammlungen, die größtenteils hebräisch abgefaßt sind, finden wir eine 'Menge von Ueberlieferungen, Allegorien, Gleichnissen in dem gewöhnlichen Dialekte der Juden geschrieben, welcher der babylonische oder, wie man sich uneigentlich ausdrückt, der chaldäische war. Ich muß hier kurz über den Talmuld von philologischem Gesichtspunkte aus sprechen. Der Talmud besteht aus zwei Theilen: erstens der Mischna oder dem zweiten Gesetze; es ist dies ein Codex, welcher das ganze mündliche oder überlieferte Gesetz enthält und in einem ziemlich reinen, mit Chaldaismen vermischten Hebräisch geschrieben ist. Dieser Codex wird in den Novellen des Justinian unter dem Titel 'JtvxlQMüig citirt. Er wurde daraus erläutert, discuürt und auch erweitert in den Schulen Palästinas und Babylons; diese Erläuterungen, Discussionen und Erweiterungen wurden später gesammelt und bildeten den andern Theil des Talmud, welcher Gemara oder Ergänzung heißt. Es giebt nun eine babylonische und eine palästinische Gemara; dieses ist der Grund , weshalb man gewöhnlich von zwei Talmudim spricht/ In der Gemara sind gewisse Abschnitte 'den Traditionen und Legenden, andere wichtigere den Discussionen über die Mischna gewidmet. Diese letztern besonders, um sie vom philologischen Standpunkte zu betrachten, bieten uns ein sehr verdorbenes Babylonisch, das man als ein Patois bezeichnen kann, welches indessen, wie ich später zeigen werde, aus gewisien Regeln der Elimination und Zusammenziehung beruht; wenn man. diese Regeln studirt, kann man dieses Patois sehr leicht auf das reine Chaldäisch der Targumim zurückführen. Ich muß mich für den Augenblick auf diese Betrachtungen beschränken, und ich will nur hinzufügen, daß die verdorbene Sprache des Talmud große Analogien mit der noch verdorbenern darbietet, welche man in den Büchern der Mendäer — unpassend Christen des heiligen Johannes genannt — findet. Die Sprache der Gemara, wahrscheinlich mit der gewöhnlichen Sprache der Schulen übereinstimmend, und die der Mendäer zeigen uns ohne Zweifel alle beide den Volksdialekt, der in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung in Babylonien gesprochen wurde. Später werde ich vielleicht Gelegenheit haben, Sie von diesem Dialekt zu unterhalten r nachdem ich Ihnen einige Kenntniß von 'der syrischen Sprache und Litteratur gegeben habe. Das Studium der chaldäischen oder babylonischen Sprache also interessirt uns von verschiedenen Gesichtspunkten aus: sie lehrt uns den aramäischen Dialekt kennen, der in Babylonien gesprochen wurde, und noch besser den Dialekt, welchen die Juden nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft redeten. Endlich geben uns die Targumim die ältesten Traditionen der Juden, gewähren uns eine richtige Hülfe für die Bibelerklärung und können zu gleicher Zeit als Vorbereitung zum Verständnis ,der Sprache des Talmud dienen. Anzeigen. Cantor-Gefuch. Für die hiesige Synagoge, mit Orgel und Organist, wird ein musikalisch gebildeter Cantor, der zugleich auch geprüfter Schochet sein muß, gesucht. Gehalt vorläufig 500 fl., der sich später beiläufig auf 800 fl. erhöhen dürfte, wenn die Schechita, deren Ertrag noch dem bisjetzigen 72 jährigen Schochet zusließt, dem Cantor zukömmt. Bewerber haben ihre Gesuche mit Ausweis über ihr Betragen innerhalb 4 Wochen an das Unterzeichnete Amt franko einzusenden, wo das Nähere dann mitgetheilt wird. Buchau, a. Federsee, Württemberg, 11. April 1866. Das isr. Kirchen-Vorsteher-Arnt. Die Gemeinde Penkun sucht sofort einen unverheirateten Religionslehrer, - der zugleich Vorbeter und Schächter sein muß. Meldungen an Samuel Meier. Penkun.

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