Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1866)
- Date
- 1866-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 18, 30, Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudenthirins. Ei« unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Di\ Ludwig Philrppson in Bonn. Leipzig, den 1. Mai 1866. Diese Zeitmrg erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 */2 bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Nar. Viertel^ jährig 22>-2 Ngr. Inserate werden mit \ * lk Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. In diesen Tagen wurden die Quittungsscheine für das nächste Jahr des Instituts (1. Mai 1866 bis 1. Mai 1867) an sämmtliche Herren Agenten per Post geschickt. Sollten sie bei einem derselben nicht eingelaufen sein, so wird um baldige Benachrichtigung gebeten. Wir ersuchen die Herren Agenten, so wie alle Freunde des Instituts, baldmöglichst ihre Abonnentensammlung zu beginnen und zu bewerkstelligen, sowie von deren Resultat uns zu unterrichten. Je früher die Anmeldungen geschehen, desto mehr werden unsere Einrichtungen und Maßnahmen erleichtert und gesichert. Die späten Anmeldungen oder gar Nachbestellungen bringen unangenehme Jnconvenienzen mit sich. Wir halten uns überzeugt, daß alle unsere Frewrde sich eifriger Bemühungen befleißigen, um die segensreiche Wirksamkeit des Instituts immer weiter auszudehnen. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß vom 1. Mai e. ab Herr Bankier Joseph Goldschmidt in Bonn (Firma: Goldschmidt & Comp.) die Cassa des Instituts zu übernehmen die Güte gehabt, so daß die Gelder nicht mehr an Herrn Carl Friedeberg in Magdeburg, sondern an Herrn Joseph Goldschmidt in Bonn zu übersenden sind. Das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur. Inhalt. Leitende Artikel: Zur Charakteristik des Talmuds I. — Spenden zur Vollendung der Bibelausgabe mit großen Typen durch die israelitische Bibelanstalt. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig. Preußen: Trier, Berlin. Oest erreichischer Kaiserstaat: Wien, Krakau, Nachtrag. Correfpondenz r Ueber die aramäische Sprache und Literatur. Leitende Artikel. Bonn, 22. April. Zur Charakteristik des Talmuds. I. Es giebt große Erscheinungen in der Geschichte, welche Allen bekannt, von Vielen gekannt, von Wenigen erkannt sind. Allen bekannt und von Wenigen erkannt, wird nicht auffallen. Denn die große Mehrzahl der Menschen begnügt sich mit dem Namen und mit dein, was ihnen von jeher vorgesprochen und immer wiederholt worden. Aber auch von Vielen gekannt und von Wenigen erkannt, ist erklärlich. Denn bei einer großen Erscheinung sind theils die Meisten nur im Stande, die Menge der Details und Einzelheiten ins Auge zu fassen, während ihr Blick nicht hinreicht, vor jenen das Ganze und das Wesen des Ganzen zu überschauen und zu verstehen : sie sehen eben vor den Bäumen den Wald nicht; theils betrachtet Jedermann jede gewaltige Erscheinung nur in einem bestimmten angebildeten Vorausurtheil, die Einen im Strahlenglanz der Heiligkeit, der Pietät, der anerzogenen Bewunderung, die Anderen im Schatten eingewohn-