Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1866)
- Date
- 1866-04-24
- Page
- Seite 269 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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:?^^WMMW ^ZMM? >,; 26S sterei, was der werteten Entwicklung keine günstige Aussicht' stellt, vr. Köbak, b. 3- Rabbiner in Bamberg, stand ebenfalls der Gemeinde als Prediger vör, jedoch vermochte er sich nicht ungetheilte Zufriedenheit' zu erwerben, weshalb auch sein Wirken nicht von großem Belange ist. Die Synagoge ist^nach modernem Styl gebaut, in neuerer Zeit wurde regelmäßiger Gottesdienst mit Choralgesang eingeführt, was bisher in Ober-Ungarn der zweite Fall ist; in Oeries besteht er bereits seit Jahren. Die Einführung des regelmäßigen Gottesdienstes in Sz. Mitlos ist daher von großer Tragweite, viele Gemeinden dieser Gegend, die blos auf ein Signal warteten, werden jetzt mit der Farbe Herausrücken, und die längst gehegte Absicht zur That gestalten. Doch berührt uns unangenehm ein alter Mißbrauch, der mit der Neuen Einrichtung nicht geschwunden; das Gebet wurde modernisirt, es wird leise mit dem Chore mitgebetet, das Conversiren im Tempel jedoch wird keiner Revision unterzogen, ungestört, wie in der Blüthezeit der Lärmperiode, wuchert es fort, Choralgesang und Tempelgespräche geben aber einen schlechten Reim, Noch ein Widerspruch verdient gerügt zu werden; im ganzen Tempel findet sich Niemand mit zusammengerolltem Talith, außer dem Cantor, und wird das Erscheinen mit „zusammengerolltem" Talith im Tempel als Neuerung angesehen; nun fragt sich mit Recht: warum gerade der Cantvr und seinerzeit der Prediger eine Ausnahme machen darf? Mit der Synagoge ist ein Bet ha Midrasch verbunden, das auf Gemeindekosten unterhalten wird; es ist den ganzen Tag hindurch zur allgemeinen Benutzung geöffnet, am Sonnabend werden daselbst Vorträge in rein deutscher Spräche gehalten, täglich Nach dem Morgengebet wird ein oder zwei Kapitel aus den Psalmen von Herrn Steiner, einem feinen Bibelkenner, vorgetragen, übersetzt und erllärt, was jeder Gemeinde zur Nachahmung empfohlen werden darf; das Lernen der Psalmen ist gottgefälliger und nützlicher als das leere Herableiern einiger Dutzende verselben. Die Gründung des Bet ha Midrasch fällt mit der Einführung des Choralgesanges im Tempel zusammen, was wieder einen Beleg liefert, daß die Anhänger der neuen Richtung im JudenthüM für jüdisches Wissen Interesse haben, es aus jede Weise fördern. Den Impuls dazu gab freilich das von Br. Jellinek gestiftete Bet ha Midraschi; daß aber eine Reformgemeinde das schöne Beispiel nachgeahmt, während in vielen, sich fromm nennenden Gemeinden ein für das Judenthum so wichtiges Institut vermißt wird, ist sehr bezeichnend, und giebt zu Conclusionen Gelegenheit, die den frommen Leuten nicht zur Ehre gereichen. Sz. Miklos hat das Glück zwei Parteien von getheilten Ansichten in seinen Mauern zu bergen, die schon - in der Zeit des Synagogenbaues sich construirt , aber erst seit Einführung des neuen Gottesdienstes ist eine völlige Separirnng eingetreten. Arader Partei ist die Bezeichnung für die dem Fortschritt Huldigenden, Schetsovitzer Partei der Ehrenname der Stillstandsmänner, die ein besonderes Minjan haben, und nie den Tempel besuchen. Sie sind zwar eine kleine Minorität, doch wirkt diese Disharmonie sehr störend auf die geistige Entwicklung der Gemeinde ein, zu gemeinnützigen Zwecken bedarf es des viribus unitis. Eine Reihe von Jahren stand dem geistlichen Amte ein Rabbiner und Prediger vor, diese beiden Posten harren jetzt schon mehr denn zwei Jahre einer Besetzung. Viele Debatten rief bereits, diese' Angelegenheit hervor, die Majorität erklärt sich für einen tüchtigen, aus der Höhe der Zeit stehenden Rabbiner, der zugleich der Kanzel vorstehe, die Minorität sieht nur in demjenigen Mann, der die Befähigung hat in die Tiefe (d. i. das Meer des Talmuds > zu dringen, einen würdigen Seelenhirten, die Kanzel gilt ihnen Nebensache, wissenschaftliche Bildung wird wohl nicht als Fehler angerechnet, jedoch auch nicht als Wertherhöhung. Allein ein Mann, der in die Höhe steigen und in die Tiefe dringen kann , gehört naturgemäß zu den Phantasiegebilden, unser Sz. Miklos bleibt also vorläufig ohne Geistlichen. Sollte sich ein solches Talent nicht unter den Romantikernfinden? Diese Herren sind doch elastischer Natur, stehen auch außer dem Bereiche der Natürlichkeit. , Durch Meinungsdifferenz bleibt also diese wichtige Stelle unbesetzt; blickt man jedoch hinter die,Coulissen, sieht man das Ungeheuer des Jndifferentismus herumschleichen, das die Majorität zu dem historisch gewordenen Satze: „wir können warten" bestimmt. Geht es mit der Besetzung des Rabbinates nicht, so könnte doch ein Prediger berufen werden, wogegen die andere Partei nichts einwenden kann, da-hier bereits drei Prediger gewirkt; im eigentlichen Sinne besteht ja zwischen Rabbiner und Prediger blos ein Namensunterschied/Und ist es gerathen um und für einen bloßen Namen nicht zu streiten, der. Zweck ist ja erreicht und damit alles geschehen.