Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-24 · Heft 17 (24.4.1866) · p. Seite 258

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 17 (24.4.1866)
Date
1866-04-24
Page
Seite 258 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226545--23901-3251229
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-258 ttut zahlreichen erläuternden Anmerkungen, welche von -dem Fleiße und der Umsicht des Verfassers Zeugniß geben. — Schon 1864 erschien von demselben Verfasser in Lyck eine hebräische Uebersetzung einer Abhandlung des Professors CH w o ls o n über -nizn aus dem Deutschen, in welcher der Verfasser alle Deutungen dieses Wortes mit erschöpfender Gelehrsamkeit gesammelt und durch eine neue, aus einem arabischen Manuscript gezogene vermehrt. Der Uebersetzer erweist in dem Schristchen die große Gewandtheit und Correktheit des Styls, die er sich in unserer alten heiligen Sprache erworben. Köln, im April. Die jüngst bei R. Besser in Gotha erschienene Monographie des durch seine Forschungen über Palästina rühmlichst bekannten preußischen Consuls Herrn Dr. Rosen: „Das Haram von Jerusalem und der Tempelplatz des Möria", liefert einen werthvollen Beitrag zur gründlichen Erforschung der historisch denkwürdigen Stätten des gelobten Landes. Der Zweck dieser 65 Seiten umfassenden Schrift ist, die Identität des heutigen Haram-Scherif in seiner ganzen Ausdehnung mit dem jüdischen Tempelplatze zur Zeit des Herodes nachzuweisen. Der von dem englischen Architekten Fergusson aufgestMen und in Deutschland, wie in England beliebt gewordenen Hypothese, daß der alte Tempelplatz nur einen Theil des heutigen Haram, und zwar den südwestlichen, eingenommen habe, stellt Dr. Rosen die mit großer kritischer Schärfe entwickelte und auf richtiges Verständniß der bezüglichen Stellen des Josephus gegründete Ansicht entgegen, daß der Salomonische Tempelplätz nur den mittleren Theil des heutigen Haram mit der bekannten Felserhöhung, der Ssachra der Mohammedaner, eingenommen haben könne; daß der nördliche Theil des Haram bis an die heutige Caserne und den sogenannten Bethesdateich von den Mackabäern, der südliche Theil mit seinen gewaltigen, zur Nivellirung des Terrains unternommenen Substructionen von Herodes zum Tempelplatze hinzugefügt und von letzterem der ganze Platz in seiner Ausdehnung mit einer Mauer umzogen sei. Zur Veranschaulichung ist eine vom Verfasser entworfene Terrainkarte von Jerusalem beigegeben. Die genaue Vergleichung der dortigen Bodenbeschaffenheit im nördlichen Theile des Haram mit den von Josephus bei Erzählung der Pompejanischen Eroberung des Heiligthums gegebenen Ändicien so wie die Vergleichung des südöstlichen Theiles des Haram mit den bezüglichen Stellen im Berichte^ des Pilgers von Bordeaux läßt kaum einen Zweifel darüber, daß die Fergusson'sche Ansicht durch die gründliche Arbeit des Dr. Rosen allen Halt verlorenhat. Von ganz besonderem Interesse ist in dieser aus sorgsamer Beobachtung und großer Sächkenntniß hervorgegangenen Arbeit die Beschreibung der an das nördliche Ende des Klageplatzes der Juden in der Umfassungsmauer stoßenden Unterbauten des Teiches Obrak, so wie der südlich vom Klageplatze gelegenen Baureste des alten, von Josephus erwähnten Treppenthores.. Dieselbe wird durch drei sehr genaue Pläne des um die Typographie Jerusalems hochverdienten Herrn C. Schick erläutert. 0b jazykje Jewreew ziwsich w^drewneje vremja na Rusi i o slowjanskisch slowach etc. Unter diesem Titel, welcher zu deutsch heißt: „Ueber die Sprache der Juden, in Rußland vor alten Zeiten wohnhaft und über slavonische Wörter in deren Schriften", ist unlängst eine interessante Abhandlung im Archäologischen Bulletin in Petersburg erschienen; der Autor desselben, Herr A. Harkavy, hat auch einige Separat-Abzüge machen lassen, deren einer mir vorliegt (65 S.), und nach welchem ich dieses lehrreiche Schristchen hier zu besprechen versuchen will. Ich muß hier vorausschicken, daß mir die russische Sprache gar nicht geläufig ist und ich vielleicht hier und da den Sinn mißverstanden haben mag; ich glaube nicht, daß mir irgend welch, wichtiges Moment aus dieser Abhandlung entgangen sei, denn ich ließ mich dabei durch die hebräischen Artikel, die Hr. Harkavy im Carmel 1864 und 1865 über denselben Gegenstand veröffentlicht hat, leiten. Quellenstudien waren unserem Jahrhunderte Vorbehalten, die großen Biblotheken sind jedem zugänglich und Hypothesen in der Geschichte sind nicht mehran der Zeit; auch rran irfcn Nb muß einem jeden Historiker zugerufen werden, denn wenn irgend welche Documente unzugänglich sind, so darf der Gegenstand nicht behandelt werden; bester gar nichts von der Sache wissen, als falsch unterrichtet sein. Munk hat den Weg gezeigt, wie Angaben in arabischer Sprache zu benutzen sind. Dr. Gr ätz hat die griechischen Documente aus den Kirchenvätern auszubeuten verstanden, und einem jüngeren Gelehrten, Herrn Dr. Kayserling, gelang es, die spanischen und portugiesischen Originalien für die jüdische Geschichte zu benutzen. Nicht so verhält es sich mit den siawischen Documenten, dieses Feld haben die polnischen und russischen Juden, denen wir in der jüdischen Literatur so viel Schönes zu verdanken haben, ganz unbearbeitet gelassen, wiewohl diese Arbeit ganz zu ihnen gehört, da sie die.slavischen Dialeete sprechen; Herr Har-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.