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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-10 · Heft 15 (10.4.1866) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 15 (10.4.1866)
Date
1866-04-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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30, Jahrgang. U l l g t M e i 1t ( Zeitung -es Mdenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ln-wig Philippson in Bonn. Leipzig, den 10. April 1866. t erscheint wöchentlich einmal, Dienstag-, in 1V2 b,S 2 Bogen. Prers des Jahrgang- Z Thlr. Hawjahrig 1 Thlr. 15 Rar. Mertel jährig 22i,2^tgr. Inserate werdm mit i* lk Rar. für die ßetitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeidmgS-Expedrtlonm 1 v 8 nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition Kr beide Letztere hat sich daS Komgl. Sachs. Haupt-ZertungS-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Exeesse in Böhmen. — Spenden zur Vollendung der Bibelausgabe mit großen Typen. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Franken. Preußen: Frankfurt a. O-, Strzelno. Oesterreichischer K ai fersta at Wien, Wien, Wien, Lemberg, Essegg, Krakau. Rußland: Petersburg, Warschau. Nachtrag. Leitende Artikel. Bonn, 2. April. Die Ercesse in Böhmen. Wir haben unsere Leser mit den, von Correspondenzen und Zeitungen uns gebrachten Details über die in Böhmen, stattgehabten Exceffe gegen die Juden verschont, well diese doch nur entrüsten und aufregen konnten, müssen aber, nachdem jene Gewaltthätigkeiten undPöbelauflänfe zu Ende sind, schon aus historischem Gesichtspunkte, auf den Vorgang im Ganzen zurückkommen, um ihn zu charakterisiren und die Stellung, die er im geschichtlichen Verlaufe nimmt, zu fixiren. Aufläufe gegen die Juden sind in unserer Zeit ganz und gar Erhebungen gegen Gesetz und Ordnung, gegen die bürgerliche Gesellschaft und den Staat. Aus welchen Motiven sie auch hervorgehen, sie sind nicht blos Verbrechen, an. Einzelnen verübt, sondern zugleich gegen den ganzen Staat, dessen Bestand und Ordnung. In früheren Zeiten war dies nicht so. Die vollständige Ausnahmestellung, die man den Juden gegeben, und der Umstand, daß die gesetzlichen Organe selbst, wie Magistrate, Ritterschaft und Geistlichkeit oft an der Spitze der Verfolgungen standen, gaben diesen gewissermaßen einen ausschließlichen Charakter. Dies ist Alles anders geworden, und jede Judenhetze ist darum zugleich eine Empörung, ein Aufruhr gegen das Staatsgesetz und die Staatsgewalt. Sie ist dies auch nicht etwa blos theoretisch oder in der Anschauung des Staatskundigen, sondern auch im Bewußtsein des Volkes selbst. Das Volk weiß dies gar wohl, und führt in solchen Fällen den Krieg gegen die staatlichen Autoritäten und Organe, wie gegen die Juden selbst. In der neueren Zeit sind daher Jndenexcesse vorzugsweise nur vorgekommen als Vorläufer und Begleiter heftiger revolutionärer Bewegungen und Erschütterungen; sie sind gewissermaßen die Fühler, welche vermittelst der Hefe des Volkes ausgestreckt werden, um die Schwäche oder die Stärke der Regierungsgewalt zu betasten, so wie auch welchen Anklang die aufrührerische Bewegung in den besseren Schichten deS Volkes fände? Es ist gewiß, daß in solchen Fällen höherstehende'Demagogen dahinter verborgen sind und die Aufhetzer und Organisirer abgeben, während sie der eigenen Sicherheit wegen und aus Scham, bei solchen niedrigen Austritten sich compromittirt zu scheu, sich verborgen halten. Man verstehe uns nicht falsch, denn wir wollen hiermit keine politische Partei verdächtigen. Es wäre dies um so ungerechter, da wir in Preußen wie in Oesterreich gerade die Sprecher der reactionaren und ultramontanen Partei oft genug das Volk zu Judenhetzen aufstacheln gesehen, ohne daß sie ihren Zweck erreichten. Wir können das Gesagte auch nur dann als stattgefunden an-

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