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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-03 · Heft 14 (3.4.1866) · p. Seite 219

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 14 (3.4.1866)
Date
1866-04-03
Page
Seite 219 (sequence 11)
Language
German
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S1Ä 4) Gebrauch der deutschen Sprache an Stelle der he-' bräischen in diversen Gebeten rc. Es wurde behauptet,! durch diese Veränderungen würden die religiösen Ueber-! zeugungen des Klägers und Anderer verletzt' werden. — Andererseits führen bte; Verklagten zur Unterstützung des Antrages' um Aufhebung der Jnjunktion in ihrer . Erwiderung und ihren Affidavits - Folgendes an : Sie! läugnen zunächst sämmtliche Angaben in der Klageschrift und behaupten, der „Minhag Afchkenas" sei keineswegs alcherkömmliches, orthodoxes und allen Juden wohlbekanntes Ritual, die fraglichen Abänderungen bildeten' keine Verletzung des Minhag; es seien schon früher! Abänderungen von dem Board der Trustees gemacht worden, und es sei nie behauptet worden, daß die Gemeinde damit unzufrieden gewesen sei; eine Mehrheit der Gemeinde sei zu Gunsten der Abänderungen, und ihr gegenwärtiger Rabbiner Rev, vr. Mielziner, sei auf einer ReförMbasis erwählt worden; diese Abänderungen und Anordnungen seien vom Rabbi vorgeschlagen und auf feine Anregung angenommen worden. Das Affidavit des Hrn. M. E. Schwab, Präsident der Gemeinde, enthält Gutachten der jüdischen Geistlichen Dr. Weise, Dr. Adler und Dr. Einhorn zu Gunsten dieser Abänderungen. Auch erklärte Herr S., bei einer Versammlung der Gemeindemitglieder hätten über 140 derselben einen Beschluß unterzeichnet, welcher das Verfahren der Trustees billigte. Zur Bekämpfung des Antrages wurden Affidavits verlesen, welche besagten, keine wesentlichen Veränderungen hätten seit den letzten 25 Jahren in dem Ritual stattgefunden; im I. 1858 habe Rev. Bondi, der damalige Prediger der Gemeinde, eine Abänderung in Vorschlag gebracht, und er sei seiner Stelle enthoben worden, weil die Gemeinde von keiner Abänderung etwas wissen wollte, vr. Weise, Dr. Adler und Dr. Einhorn seien Reformgeistliche und ihre Anfichten fänden keine Beachtung außerhalb ihrer eigenen Reformgemeinden, und sie gälten für Secttrer; das Ritual finde sich in den Gebetbüchern, welche allezeit in der Gemeinde gebraucht worden seien und auch jetzt noch im Gebrauch seien. Es wurden ferner Gutachten und Erklärungen des Rev. Dr. Raphael, des Rev. Bondi, des Rev. S.M.Jsaacs, .des Rev. Hrn. Nußbaum und. Anderer vorgelegt und verlesen,, in denen behauptet wurde, der „Minhag Aschkenas" sei ein bestimmtes und wohlbekanntes Ritual, und die vorgeschlagenen Abän-; derungen bildeten eine wesentliche Abweichung von demj selben. .Auch würde eine Mit über 80 Unterschriften bedeckte Protestation gegen die projektirten Neuerungen prvducirt. Auch überreichte der Anwalt des Klägers ein Exemplar des, die täglichen Gebete enthaltenden Buches. Hr. A. I: Dittenhöfer entwickelte dann in einem Vortrag Gründe zu Gunsten des Antrags,' der hierauf von dem Gegenanwalt Hrn. P. J.Joachimsen bekämpft wurde. Der Richter behielt sich, die Entscheidung. vor. (Die Nachricht, daß der Richter zu Gunsten des 8t9w8 quo ante entschieden, war also verfrüht. Also auch hier der christliche Richter zur 'Entscheidung jüdisch-ritualer Einrichtungen gemacht! Redaction.) Chicago, im Febr. (Privatmitth.) Die hiesige „Sinai-Gemeinde" hat den Herrn Dr. Chronik zum Rabbiner und Prediger gewählt, und zwar einstimmig. Im Laufe des Aprils wird , er dort erwartet. Meriko. Mexiko, Ein Jude, Dr. F. Basch aus Wien, hat das Amt eines Militärarztes in der kaiserlich mexikanischen Armee angenommen und ist in Veracruz, seinptt Bestimmungsorte, angelangk. Obschön gesetzlich die Juden vom mexikanischen Staatsdienste ausgeschlossen sind, scheint es, als ob man es in der Ausführung nicht so genau nähme und bei der Anstellung tüchtiger Männer die Frage nach. der Religion vergäße.! Nä ch trag. Lemberg, 20. März. Der galizif che Landtag hat endlich seine wahre Gesinnung hinsichtlich der bürgerlichen Gleichstellung der Juden dokumentirt, indem er in seiner heutigen Sitzung zu dem Gemeindegesetze beschränkende Besttmmungen mit Majorität annahm, welche in der Regierungsvorlage gar nicht vorhanden. Das - Nähere in nächster- Nummer. Stockholm, 22. März. Der Verfassungs-Ausschuß des Reichstages hat beantragt, daß: Staatsämter an alle Religionssecten, dir Israeliten inbegriffen, verliehen werden können. 14*

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