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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-03-20 · Heft 12 (20.3.1866) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 12 (20.3.1866)
Date
1866-03-20
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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ertrug er des Geschickes härteste Schläge. Er sah sein Weib in der Blüthe der Jahre dahinwelken und vergehen, sah einige seiner Töchter hinter einander ins Grab sinken, sah die besten Freunde, die intimsten College», durch den Tod von seiner Seite gerissen werden — und schwieg, geduldig verharrend in treuem Glauben und frommer Gottesergebung. Das Studium der Gotteslehre bot ihm Linderung; inmitten der lern- und wißbegierigen Jünger, die um ihn sich schaarten, fand er Trost und Stärkung. Und diese Jünger, — in deren Kreise durch ihn so oft die schwierigsten Räthsel und verwickeltsten Knoten talmu- ^discher Controversen gelöst wurden, — mit welcher Liebe hingen sie anihm, ihrem vortrefflichen Lehrer! und wie wurde er von - ihnen allen so hoch verehrt und ausgezeichnet! — Und was Wunder auch? Sah und erkannte doch Jeder in ihm den Mann, der von seinem Berufe durch und durch erfüllt war und mit der Ausübung eben dieses Berufes niemals einen „Kranz um seine Stirn" legen (!">ä blinirb rfnus») noch je ein „Mittel materieller Gewinnerzielung" sich verschaffen wollte (N2 Tisrtb dlYip), sondern die Thora einzig und allein nur „um ihrer selbst willen" zum Gegenstände unausgesetzten Lernens und Lehrens machte! — Wer aber diesem frommen Manne näher gestanden, der weiß auch, wie er nie einen Unterschied gemacht zwischen dem Reichen und dem Armen, wie er den Vornehmen nie dem Geringen vorgezogen, — und wer seines Umganges sich erfreute, wird sich besonders daran erinnern, wie bei ihm so schön ein würdevoller Ernst mit liebenswürdiger Leutseligkeit, strenge Gerechtigkeit mit Sanstmuth und Milde stets ist gepaart gewesen. Was ihn indessen ganz besonders hochachtbar machte, ihm ganz besonders die Herzen gewann, — es war die Tugend der Demuth und Bescheidenheit, die in so hohem Grade ihn zierte, vor vielen Andern seines Standes und Berufes so auffallend ihn auszeichnete.-) Rabbi Hirsch Abarbanell hat in der Gemeinde Lissa zuerst lange Zeit als Dajan tRabbinats-Assessor) und seit dem Tode des Rabbi Jizchak Heldenstein b"£7 als Rosch-B eth - Din (Rabbinalsverweser) sungirt. Während der letzten Jahre seines Lebens war er großentheils körperlich sehr leidend. Am 25. 2) Bei Gelegenheit seines 70. Geburtsfestes im I. 1858 find dem Verewigten — worüber dazumal auch in diesen Blät- - tern Mittheilung gemacht war — von Nah und Fern viele sprechende Zeichen der Liebe und Hochachtung dargebracht worden. 'v. M. verschied er,3} und am 27. ward seine Leiche zur Erde bestattet. Hierbei zeigte es fich recht, in welcher großen Achtung der Verewigte bei Leinen Mitbürgern gestanden/ Denn einen Leichencondukt, wie diesen, hatte Lissa seit lange nicht gesehen. Eröffnet ward derselbe durch die ersten Knabenklaffen der israel. Gemeindeschule, welche, geführt von ihren Lehrern, dem Leichenwagen vorangingen. Hinter diesem' bewegte sich in wohlgeordnetem, still-feierlichem Zuge eine, aus allen Confessionen zusammengesetzte, unabsehbare Menschenmenge, der sich dann noch eine lange Reihe eleganter Equipagen anschloß. Auf dem Gottesacker wurden nicht weniger als junf Stundreden gehalten. Die Reihe derselben eröffnete der Ortsgeistliche, Herr Rabbiner Dr. Baek, welcher mit der ihm zu Gebote stehenden seltenen Gabe der Rhetorik ein eben so schönes als ergreifendes Bild vom Leben und Wirken des Dahingeschiedenen entwarf. Es waren ausgezeichnete Worte, die, wie sie vom Herzen kamen, auch Jedem, der sie hörte, zum Herzen drangen. —- Nach dem Genannten sprach Herr Nabbinats-Assessor L. Goldstaub aus Lissa, der in schönen midraschischen Allegorien die Tugenden des Verewigten, namentlich in collegialischer Beziehung, hervorhob und beleuchtete. Von auswärts nach Lissa gekommen, traten dann noch als Redner auf die Herren Rabbiner: S. Feldblum aus Schmiegel, Dr. Klein aus Gr. Glogau und Dr. Ungarleider aus Rawicz, — von denen Jeder in schönster, herzerhebendster Weise ein anderes Verdienst an dem Verstorbenen zu rühmen wußte und somit Jeder wesentlich öazu beitrug, das Bild dessen, der betrauert wurde, zu ergänzen und zu vervollständigen. Tiefgerührt kehrte die Menge vom Gottesacker heim, aber, auch getröstet und gestärkt von den trefflichen Worten, die sie aus dem Munde aller der genannten Männer vernommen hatte. Rabbi Hirsch Abarbanell ist von uns geschieden. Die Hülle ist in die Erde gesenkt worden, und der Geist schwebt verklärt in den lichten Gefilden des ewigen Friedens. Das Andenken an den Mann aber, den wir verloren, wird bleiben, so wie aus unserm Gedächtnisse nicht schwinden wird der Name Abarbanell, erinnernd uns stets an die edlen Tugenden und Thaten derer, die seine Träger gewesen von jenem großen Don Jsaac an bis herab ,auf unsere Zeiten. 3) Etwa 8 Tage vorher ward ihm noch' die Freude zu Theil, seinen in New-York wohnenden jüngsten Sohn als Besuch bei sich zu sehen. Louis Weyl. ldmck von I. B: Hirschfeld in Leipzig.

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