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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-03-20 · Heft 12 (20.3.1866) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 12 (20.3.1866)
Date
1866-03-20
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Beilage zu Ro 12 -er Mg. Zeitg. des Zudenth. Aabbi Hirsch AbardaneU. Frankfurt a. d. Oder, 2. März 1866. bhn b* bähte“? ‘»aas?? Fürwahr, nicht anders als mit diesen Worten Davids (Sam. n, 1. 1’9) kann einen Bericht ich beginnen, zu welchem ich durch eine traurige Kunde veranlaßt bin, die eben aus meiner Vaterstadt, Lissa im Großherzogthum Posen, zu mir gedrungen ist. — Es hat eine Zeit gegeben (viele Leser dieses Blattes werden's wissen), wo die Gemeinde Lissa reich gewesen — ja, reicher als irgend eine andeve in der Provinz — an hervorragenden, wahrhaft ftommen Talmudgelehrten, an Männern, von denen man mit vollstem Rechte sagen konnte, daß ste nur lebten Ttobb rntes>bl hiftteb Tsbb:) — Aber diese Männer, sie sind immer mehr dahingeschwunden, heimgegangen ins Reich-der Ewigkeit, unersetzt, unvergessen, und wenn je eine Schmerzensklage gerecht und begründet gewesen, so war's hier die, welche wir gewöhnlich mit den Worten ausdrücken “prisnten xbi “pissn b* bah. Am verwichenen Sonntag, als am 25. Februar (10. Adar) ward die Gemeinde Lissa wiederum von einem solchen harten Schlage getrosten; denn an eben demselben Tage ist ihr altes, hochehrwürdiges Rabbinatsoberhaupt (“ph rPä tedrh), der an tiefem talmudischen Wissen, wie an Gottesfurcht und Menschenliebe gleich ausgezeichnete Rabbi Hirsch Abarbanell, zu seinen Vätern versammelt worden. Nach einer Pilgerfahrt von -fast 78 Jahren, ist er mild und sanft, wie er gelebt, ins Jenseits hinübergeschlummert. Die Zurückgebliebenen aber weinen und jammern um ihn mit gerechtem Schmerze, den allein nur der Gedanke mildern sann, daß es Gottes Wille gewesen, ihn länger nicht wandeln zu lassen unter Denen, die ihn so hoch verehrt und mit so vieler und aufrichtiger Liebe ihm angehangen haben. Wie aber der Name dieses Mannas weit über die Grenzen seiner Gemeinde und seiner Stadt hinaus bekannt und berühmt gewesen, so wird die Klage über seinen Verlust sicherlich auch jenseits dieser engen Schranken einen weitverbreiteten Nachhall finden, und der Schmerz ob dieser traurigen Kunde namentlich da tief gefühlt und empfunden werden, wo letztere ein Ohr treffen wird, das einmal so glücklich gewesen, das- Wort der „Lehre" aus dem Munde des Verewigten zu vernehmen. Denn R. Hirsch hat Jahrzehnde lang eine — bald kleinere, bald größere — Anzahl wißbegieriger Hörer um seinen Lehrtisch vereinigt gesehen, und da Unterzeichneter auch einmal eine Zeit lang einem solchen Kreise angehörte, so hat er die Erfüllung einer heiligen Pflicht darin erblickt, den Manen seines geliebten Lehrers diese Zeilen der Erinnerung zu widmen, und sei es auch nur. um mit den schwächsten Worten Das wiederzugeben, was ihm aus dem Leben des Verewigten, so wie über dessen Tod und Bestattung, ist bekannt geworden?) R. Hirsch ist im Jahre 1788 (n"vpr<N) in Fraustadt geboren, allwo sein Vater R. Jacob als Rabbiner fungirte. Unter Leitung des Letztem hat der junge Abarbanell von früher Kindheit an schon unablässig dem „Studium des Talmuds" obgelegen und dasselbe — mit immer glänzendern Erfolgen — später in Gr. Glogau und noch später in Lissa fortgesetzt. In letztgenanntem Orte geschah eö, wo er — nach kaum überschrittenem Jünglingsalter — die Tochter des seel. Kaufmanns L. W. Moll als Gattin heimsührte, die ihm, so viel uns bekannt ist, ' 8 Kinder (3 Söhne und 5 Töchter) gebar. — Der unter dem Namen risn mn weit und breit berühmte Gelehrte Rabbi Jaacob, welcher vor nun länger denn einem halben Jahrhundert den Rabbinerstuhl von Lissa inne hatte, ward bald aus unfern Abarbanell aufmerksam, und je mehr er dessen eminenten Geist und tiefes Wissen erkannte, desto mehr war ihm daran gelegen, den jungen Talmudisten an sich zu ziehen, an sein - Lehrzimmer zu fesseln. So ist denn R. Hirsch gar bald nicht bloß der Lieblingsschüler, nein! auch der Freund und Vertraute geworden des großen Rabbi Jaacob, und gar lange nachher noch hat man in Lissa mit großem Interesse sich von dem traulichschönen Verhältnisse erzählt, welches zwischen diesen beiden (an Jahren so verschiedenen) Gelehrten, so lange das Geschick sie vereinigt hielt, ist herrschend gewesen. — Die persönlichen Verhältnisse des Verewigten anlangend, so hat das, was wir „Glück" nennen, ihm selten nur gelächelt; vielmehr ist er gar oft in der bittern Lage gewesen, mit Mangel und Entbehrung kämpfen zu müssen. Doch sein frommer Sinn ließ nie ein Wort der Klage über seine Lippen kommen, nie durch einen Seufzer oder sonst ein Zeichen der Wehmuth das Leid seines Herzens ihn verrathen. Er vertraute auf Gott und war zufrieden mit Altem, was dessen Wille über ihn verhängte. Mit seltenster Ruhe und bewundernswürdigster Seelenstärke 1) Einen großen Theil der betreffenden Notizen verdankt Referent seinem Jugend- und Schulfreunde, dem Kaufmann Herrn Rudolph Moll in Lissa, einem Neffen des Dahingeschiedenen.

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