Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1866)
- Date
- 1866-03-06
- Page
- Seite 152 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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152 ltttb /sofertte'auch die christliche Religiotr dieseunerkertnt; nur insoweit -könne er sie Äs eine: christliche ' Tugend bezeichnen. a/-m,/./.? Redner gesteht zu, daß er-dös große Verdienst des christlichen Gründers der Findelhäuser, S.VincsUz de - Paula / anerkenne; und Hochhalte, und dem wahrhaft barmherzigen Streben des Ordens der Barmherzigen /Brüder rund der Barmherzigen Schwestern, welche Jeden ohne Unterschied der Religion, ob Christ oder Jude,- ob Mohammedaner: oder Heide,- liebend bei sich aufnehmen ,; seine i vollste Anerkennung zollen müsse. Redner, weist darauf hin, wie viele jüdische Namen man . in den Büchern dieses Ordens als Geber eingetragen finde, weil sie eben wissen, daß diese Gaben im Sinne der wahren Humanität verwendet werden. Was aber: jetzt, meint Redner, auf Losten einiger weniger nichtchristlicher Kinder gefordert wird, das sei nicht im Sinne der wahren christlichen Liebe. /Die christliche Kirche,. sagt Redner, hat es nicht nothwendig, sich-die Seelen dieser Kleinen anzueignen, ihre Missionäre ziehen derselben jenseits des Oceans Anhänger zu Tausenden zu. Sie hat nicht nothwendig, einem armen, gefallenen. Judenweibe ihr Kind zu - entreißen. Deshalb, meine Herren, Litte ich, selbst Verehrer; wenn auch nicht Bekenner der christlichen Kirche *), stimmen Sie dem Ausschußantrage bei, er beruht auf wahrhaft christlichen Gedanken, christlich auf Grundlage beider Testamente. (Anhaltender Beifall.) . .t• / Abg. Schindler: Wer die Religion das „höchste Gut"' nennt, der dürfe Niemandem die freie Ausübung derselben entziehen, und die Besitzenden haben niege- - nug Reichthum, um der Mutter ihr Recht auf die Religion ihrer Kinder abkaufen zu können. Die Findelwie die Gebäranstalt - sie sind auf öffentliche Kosten, nicht auf katholische, erbaut worden. > Die Religion der Findelkinder wird den Bestand des Reiches nicht umstoßen. Wenn die G r o ß e n den Bestand des Reiches nicht umstoßen, von den Kleinen hat Oesterreich nichts zu befürchten. Heiterkeit. Sehr gM!) y. - Bischof F e ß l e r stimmt dem Anträge Sr. Eminenz Lei und fügt einige Berichtigungen gegen Äußerungen der Vorredner hinzu. > Abg. vr. Berger: Es sei eine mißliche Sache, gegen die hohen Stimmführer der Kirche zu sprechen, weil .es dann heiße, man versuche einen Angriff auf *)/ Dies ist doch schr nvil! erhoben/ WEMM sich' -üm-WLH- Dinge^ haU^ delti - Einige böhÄtpM; -Oesterreich' sei ein" katholischer Staat; Andere sagen, der Staat als solcher habe keine Religion. Er müsse sich gegen den ersteren Ausspruch erklären; durch das C'öncordat habe wohl-die 'katholische Kirche besondere Rechte erhalten, aber dadurch sei dem Staate nicht in allen Beziehungen das katholische Gepräge aufgedrückt worden. Es unterlaufe hier manchmal das Wunderbare, daß die Stimmführer der'Kirche sich nicht immer gleichmäßig bewegen; wenn es sich beispielsweise um Armen-Jnsütute -handelt, da zieht sich die Kirche vornehm auf sich selbst zurück und ist nur die Kirche. Wenn es sich aber um' Gebär- Und Findel-Anstalten handelt, von welchen im Contordat nicht die geringste Erwähnung geschieht, da tritt die Kirche hervor und legt die Hand auf diese Anstalten und sagt, daß sie hier auch im Staate Mitzureden habe. Dies thut allerdings nicht die Kirche, sondern nur einzelne Stimmführer, und der Charakter der Jnfallibilität sei zwar nur der ökumenischen Kirchenversammlung, aber nicht den einzelnen Stimmführern zugesprochen. Nach dem echt christlichen Spruche: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt" — müsse man der Kirche gegenüber sagen, daß sie solche Dinge staatlich regeln lassen möge und sich nicht in dieselben menge. ' ■ ' -; Betrachten wir nicht nur das Schicksal der Mutter, betrachten wir auch das Geschick des unehelichen Kindes (Rufe: Sehr richtig!), welches gewiß das traurigste ist, wenn man dasselbe noch seiner letzten Stütze, seiner . Mutter, beraubt. Was hat es denn noch auf dieser Welt? — Die Findel-Anstalt! Nun, wir wissen, wie diese Anstalten für die Unehelichen Kinder zu sorgen in Der Lage sind. Und ist es etwa die katholische Kirche, welche das zwangsweise getaufte Kind liebend wie eine Mutter umfaßt? (Beifall.) Die Kirche vermag dem Kinde nicht Mutter zu werden, wie es eine Mutter sein soll, und darum mag sie sich auch gar , nicht das Mutterrecht anmaßen. Es erinnert mich dies gewissermaßen an Simonie, wenn man der zahlenden Mutter das Kind, läßt, die nichtzahlende Mutter von ihrem Kinde abwendet und das Kind in' einer Religion unterrichtet, die nicht jene der Mutter ist. Die nichkkatholischen Staatsangehörigen tragen aber zu dett Kosten der Anstalten bei; sie haben das gleiche Recht dem Staate gegenüber, d. h. sie haben das Uechtz