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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-13 · Heft 7 (13.2.1866) · p. Seite 98

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 7 (13.2.1866)
Date
1866-02-13
Page
Seite 98 (sequence 4)
Language
German
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Unterstützrmgsvereirrs. „Nachdem ,bie- Lei bet Königlichen Staatsregierun'g seit , dem Jahre 1856 wiederholt eingereichten Bittschriften: „die Verhältnisseder israelischen CultusLeamten! „nach dem Muster anderer Staaten; gesetzlich zu .• „ordnen," i fruchtlos geblieben, ist jede Hoffnung auf legislative Regelung dieser Angelegenheit einstweilen geschwunden.,— Wenn,also sämmtliche Israeliten in Preußen mit dem Eintritt der neuen Aera aus dem Zustande der Abgeschlossenheit herausgetreten - und. vom Drucke befreit worden Md, sind die israel. CultusLeamten allein im buchstäblichen Sinne des Wortes tmmanö» geblieben. :. - Dieser - Zustande würde schon . erträglich sein, wenn nur, die Amtsstellen , der -Gegenwart^angemessenin welcher das Geld so bedeutend an Werth, verloren hat — mehr! lucrativ, nnd die Anstellung der- Beamten von solcher Beschaffenheit: wäre, daß sie ihnen eine dauernde Versorgung-böten: dies ist aber noch immer nicht , der Fall. Bei einem geringen Einkommen. bleibt der, israelitische Religionsdiener, selbst wenn er, Kraft genug, besitzt, sich .den eigenthümlichen Launen jedes einzelnen Gemeindemitgliedes zu fügen und alle, Herabwürdigungen mit Geduld zu ertragen, — nur so lange im Amte, als er, jung und kräftig und im Stande, ist, den an. ihn gestellten,) oft sehr übermäßigen:Forderungen zu, genügen. — Nimmt er jedoch zu an Jahren und fängt die Leichtigkeit, womit er die Last der Arbeit und die Demüthi? gungen ertragen, zu schwinden an, so wird er ohne Weiteres, wie ein abgenutzter Gegenstand, zur Seite geschoben, um jüngeren und frischeren Kräften Platz zu machen. — In größeren Gemeinden, besonders in solchen, wo wahre Religiösität und Intelligenz an der Spitze stehen, wird dem emeritirten Beamten eine, wenn auch nur kleine, Pension ausgesetzt/die ihm wenigstens vor zu drückender Noch einen Schütz gewährt. Trauriger, ja schrecklicher ist das Loos eines von einer kleinen Gemeinde entlassenen Religionsdieners, wenn er wegen gealterten Aussehens kein Unterkommen mehr finden ikann.,— Wie so manchen im heiligen Dienste der Religion ergrauten Collegen sahen wir schon, mit dem tiefsten Elend kämpfend, unstätt und flüchtig in der Welt umherirren, um den Rest seines in Gram und Kummer zugebrachten Lebens durch Almosenzu stiften N Es ist fürchterlich/ an diesen Zustand zu denken/ dennoch dürfen wir i ihn' uns nicht verhehlen/ -wenn : wir mitlErnst und, Machtlos die uns zu Gebote stehenden Mittel ergreifen und anwenden wollen, um solchem Elend-bot^- zubeugen.' - ' - - - - ' ' Aber abgesehen von den Uebelständen in-den späteren Jahren, des Lebens/ hat ja derso gering besoldete Beamte schon im-rüstigen -Mannesalter mit so manchen schweren Sorgen zuringen, die drückendauf dem- Herzen lastend, frühzeitig ■ seine Lebenskraft lähmen imb: störend in seine heilige Berufsthätigkeit eingreifend Wenn Sie, geehrter Herr College^ hoffnungsvolle Kinder, Söhne und Töchter-haben/ denen Sw' eine bessere Zukunft' bereiten möchten, als Ihre eigene Vergangenheit bisher W wesen ist, die Möglichkeit aber/ diesen Wunsch jeweälisrren zu können, bei Ihrem dürftigen Einkommen nirgend erblicken und mit Schmerzen wahrnehmen/ wie-Ihre' geliebten Kinder; gegen die Kinderdev Gemeindemittzlieder zurückstehen müssen/ Mwerden'-Sie die: Wahrheit-dieser Behauptung nicht nur begreifen^ sondern mit Wehmuth empfinden. Und -doch gehörenauch-- diese-Sorgen -nur zu den kleineren Nebeln', die dem Religwnsdiener ^d'as Leben lrüben. Was' die' Unfreundlichkeit ode-r^ Freudenlosigkeit seiner Lage bedeutend^ erhöht,-- ist'jener traurige Zustand der -Unsicherheit seines unter- Demüthigungen und Kränkungen derbittersten--Art ihm-so kärglich zugemesseven - Brodes, - ein Zustand/ 'den: die heilige^ Schrift (5. B. M., Cap. 28- 66) mit dem Worten-bezeichnet) Kann - wohl - der' jüdische Religionsdiener' seines Lebens froh werden und -auch seinem heiligen Berufe mit Lust und Liebe obliegen, wenU das unumschränkte Kündigungsrecht der Gemeinde Tag- und Nacht wie ein Damoklesschwert über seinem; Haupte schwebt , wodurch er der Willkür, den Chikanen und Schmähungen^ übelwollender,- - zuweilen: ganz : brütaler / woher Menschen' - ausgesetzt - -ist?' - Und --- ist es Wohl denkbardaß ein Borbeter mit einem schwachen fleischernen Herzen' auch für solche Menschen, die ihm principiell das Leben verbittern, in reiner, ungeschwächter Liebe seine Fürbitte zum Himmel richten kann?- - ' - . - s-.-J - ---- - Doch ist -es unsere Absicht nicht / Ihnen, geehrter Herr College, Zustände zu: schildern^ die Ihnen aus eigener Erfahrung hinreichend bekannt sind. Wir bezwecken mit diesem Cirkularblos die fiit Sie erfreuliche Mittheilung, daß es jetzt,- wo der-Mangel an tüchügen, gebildeten CultusLeamten, welche auch bie-’ ver-^

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