Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1866)
- Date
- 1866-01-16
- Page
- Seite 33 (sequence 15)
- Language
- German
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die Untersuchung zu verlangen, können wir ihm nicht verübeln,. derm es bezeugt nur, welchen fruchtbaren Boden jede solcher Denünciationen innerhalb der jüdischen Gemeinde'findet, und wie dadurch die Stellung eines solchen Cultusbeamten sofort erschüttert wird. " Es erweist vorzugsweise wieder, wie hohl und undankbar die Stellung jedes wissenschaftlich gebildeten Rabbinen, jedes , der die. Frömmelei nicht als eine heuchlerische Maske vor sich trägt, in unserer Zeit wieder ist. Wollen die Gemeinden einen Rabbinen anstellen, so gehört zu ihren ersten Bedingungen eine wissenschaftliche Bildung und der Charakter gemäßigten Fortschrittes. So wie aber ein solcher angestellt ist, und er wirft sich der Orthodoxie nicht vollständig in die Arme, so wird er von allen -Seiten mit Netzen umgarnt, mit Fallen und Gruben umstellt und gehörig gehetzt. Spione umlauern jeden Schritt und jedes Wort, und wo dies nicht ausreicht, werden freche Lügen ausgestreut, um ihn zu verleumden, ihm Kämpfe undCouflicte aller Art zu bereiten, und-, seine Autorität und Wirksamkeit, wenn nicht seine ganze Stellung zu; untergraben. Und Niemand ist da, der ihn schützt. Wo er seine Stütze zu suchen hätte, stößt er nur auf Gleichgültigkeit und Schwäche , wenn nicht auf Uebleres. Der Pedacteur dieser Zeitung kann dies um so unumwundener aussprechen, als er, so lange er in seiner Gemeinde amtlich wirkte, Gott sei Dank! Nichts oder nur äußerst Geringes von diesen Uebelständen zu leiden hatte. Aber es ist eben in den letzten Jahren ungleich schlimmer geworden, und was er in seinem Amte nicht erfuhr, das hat auch er nicht minder in.seiner allgemeinen Stellung zum Uebermaß erfahren. AM der Quelle , aus welcher alle diese stinkenden Nebel heraufsteigen, wird auch gegen ihn immerfort Gift und Geifer geschleudert. Wir verachten dies Treiben; wir halten es. unter unserer Würde, auch nur ein Wort darüber zu verlieren; aber anders steht es in den Gemeinden, und fast überall, wohin wir unsere.Blicke richten, gewahren wir solche Vorgänge und Zustände. Mögen die Juden sich in Ächt nehmen; sie wenden auf die. Dauer bie: besten aufsprießenden Kräfte ihrer Sache ab, und wir könnten schon jetzt dw befähigtesten Jünglinge zu Dutzenden nennen, die von ihrer anfänglichen Begeisterung für die. Sache "des jüdischen Amtes durch die. traurigen Erfahrungen,: die ihnen aus allen Gemeinden entgegenkamen, abgestoßen, wurden und sich anderen Carrieren widmeten. Die: Gemeinden: seDst haben sich die Schuld zuzuschreiben; .denn-. sie) hegen und nähren dieser? unsauberen nutz m unsittlichen Geist; sie fetzenPrchnienäufdie Heuchelei; - sie geben jeder Verleumdung, jeder Denunciation Raum; die heuchlerische Hyperorthodoxie erhebt überall ihr mz verschämtes Haupt, und findet so. wenig gerüstete Gegner, daß sie nicht selten das Feld völlig behauptet. Anstatt, den Schmachblättern dieser Partei keinen jFuß Raun: zu gewähren, und ihre Berührung wie eine Pest zu scheuen, öffnet man ihnen den Eingang und duldet, daß ihre giftige Saat ausgestreut werde. Wir glauben kaum,' mißverstanden zu werden. Wir schätzen die Freiheit der Meinungen und der Presse hoch, und jede Ansicht und jede Richtung muß ihre freie Aussprache finden. Wo aber Verläumdung, Verdächtigung, Schmähung, Denunciation und Lüge die Feder führen, wo jeder Pulsschlag nichts als eine Jntrigue, ein aus das Verderben seiner Gegner gerichtetes Ränkespiel ist, wo unter der Maske der, Frömmigkeit alle wahrhafte Religion und Sittlichkeit hundertfach verletzt und die Religion zum Werkzeug niedrigster Leidenschaften, der Hab- und Herrschgier, des Neides und. des Hasses gemacht wird — da muß jeder Bessere zurückschaudern und seinen Einfluß ausüben, von solcher eklen Tafel das Volk zurückzuhalten. , Von jeher war es ein anerkannter Ruhm des Judenthums, daß ein warmes Gefühl, edelmüthige Aufopferung , thatkräftige Barmherzigkeit in seinen Lehren und Satzungen gelehrt und geboten, und von seinen Bekennern geübt werden. Was man diesen, auch .anheftete, dieses Verdienst, - dieses Loh. mußte man ihnen _ lassen. Gehen wir aber vorurtheilslos die Geschichte des Judenthums durch, so gewahren wir, daß es auch einige Male Zeiten gegeben, in welchen ein Geist der Denunciation, die nicht selten zu wahrem Verrathe wurde, in schweren Thatsachen hervortrat. Wir haben derartige Beispiele zu beklagen. Die Gaonim Scherira und (sein. Sohn) Hai standen wegen ihrer Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und ihres streng sittlichen Charakters im höchsten . Ansehen. Dennoch wurden sie durch einige böswillige Juden bei dem Kalifen Alkadir (um 997) verleumdet und ängeklagt. Sie wurden gefänglich eingezogen, ihrer Würden entsetzt, aller ihrer Befitzthümer beraubt, ja sogar, wie es.scheint, wurde' der greise Scheriraan den Pranger gestellt (er war .damals beinahe 7v Jahre alt>. Bald darauf wurde jedoch ihre Unschuld, an den Tag gebracht, sie erhielten ihre Freiheit wieder und dursten ihrem Amte wieder obliegen.. Der bekarwte Schwärmer S'alouw Molcho, eine höchst, edle Natur , .der durch sein kühnes Auftreten bej dem Papste die Einführung der Inquisition in Portugal 3*