Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1865)
- Date
- 1865-12-19
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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MMMWWMW : -Ja,' ein schönes ,' ein herrliches Ziel, das sagt sich unwillkürlich ein Jederder ihn geschaut, diesen einfachen, schönen Tempel, dessen Inneres eine so gediegene Pracht zeigt, daß wir die Worte des Herrn Oberrabbiners, „so weit seien seine Wünsche nicht gegangen, als er vor 2 Jahren die Gemeinde aufgefordert zur Herstellung eines würdigeren Gotteshauses", sehr begreiflich fanden. Die Feier im Gotteshause selbst war eine sehr würdige. Die schönen Gesänge des Merziger Sänger-Chors und vor Allem des -Vorbeters Herrn Schnerb befriedigten nicht nur, nein übertrafen alle Voraussetzung. In besonders rühmlicher Weise aber' haben wir— und das geschieht in dem Sinne des diesmal vorzugsweise gerechtfertigten Lokal-Patriotismus — unseres Quintetts zu gedenken, das uns hinauf zog auf die Höhe, wo dem Ewigen, dem Gotte „Zions", gehuldigt wird. - Die Krone des Ganzen aber war die Rede des Herrn Ober-Rabbiners : „Israel heißt Gotteskämpfer, uod das ist der göttliche Auftrag an das jüdische Volk, zu kämpfen für die Weiterverbreitung der Kenntniß des wahren Gottes, des Allgütigen und Allbarmherzigen, zu kämpfen nicht mit dein Schiverte der Gewalt, sondern mit den Waffen der Duldsamkeit und Liebe, kraft des Wortes: „Du sollst deinen Nächsten lieben als Dich selbst!" Was uns von den auf die religiöse Feier folgenden Privat- Gesellschaften, sowie von den Bällen mitgetheilt wurde, dürfen wir wohl dahin zusammenfassen, daß überall der Geist der Einigkeit, der das Ganze beseelte, auch dort seine schönsten, herrlichsten Triumphe gefeiert hat. Mögen denn alle Glieder der jüdischen nicht nur, sondern auch unserer christlichen Gemeinden beherzigen, was in Vorstehendem gesägt ist, dann wird unsere Zeit, der man so oft den Vorwurf macht, daß sie im Materialismus versumpfe, verderbe, den Namen des goldenen Zeitalters weit eher verdienen, als irgend eine der „guten, alten" Zeiten. \ Die „St. Johanner-Zeitung" Nr. 285 schreibt: „Gestern Mlbend 'fand die.Einweihung einer neuen Synagoge zu-Neunkirchen statt. '- Dieses geschmackvolle Gebäude ehrt dem srom- - men Sinn -der kleinen jüdischen Gemeinde und liefert den Beweis, welche, große Opfer ein ungeheuchelter, frommer Sinn zu bringen fähig ist und wie stark die Einigkeit macht. Es fehlte aber auch nicht an Anerkennung. Alle Einwohner Neunkirchens, ohne Unterschied der Confession, gaben ihre aufrichtige Theilnahme an diesem hohen Feste auf die erfreulichste und humanste Weise zu erkennen. Der ganze Ort war festlich geschmückt. Alle Häuser waren beflaggt, und an dem Zuge in die neue Synagoge betheiligten sich Christen, wie Juden. Auch der würdige evangelische Geistliche, Herr Pfarrer und Schulinspector Zimmermann von Wiebelskirchen, eilte herbei, um dem großen Jehova, der ja Gott aller Menschen ist, die Ehre zu geben. Wir bezeichnen dieses Fest am entsprechendsten, wenn wir " es ein Verbrüderungsfest nennen. Die alle Zuhörer begeisternde, sehr vortreffliche Predigt des Herrn Oberrabbiners Kahn von Trier aus Grund 1. B. Mosts 32, 25—31 über die Aufgabe Israels, beweist klar und deutlich, daß die Liebe, dieses heiligste Gebot des Gesetzes, keine ausschließende, 'sondern eine alle Menschen umfassende sei; die Gesänge, die zum größten Theile von Christen geleitet und ausgeführt wurden, bewiesen, daß die christlichen Einwohner Neunkirchens dieses Gebot der Liebe nach seiner wahren Bedeutung aufzusassen und auszuüben verstehen, und wenn alle Geistliche so lehrten, wenn alle Laien so handelten, es müßte, ja es würde die Scheidewand, die leider noch immer die Menschen trennt, bald verschwunden sein. „Dev -Morgen ist angebrochen, die Sonne ist aufgegangen", diese Worte des Tertes, welche der würdige Herr Oberrabbiner so oft mit Nachdruck wiederholte, wiederholen auch wir. Keine Macht der Erde wird es vermögen, einen solchen Geist der Liebe,- wie er bei diesen: Feste in Lehre und That sich kund gegeben, wieder zu verdrängen. Wer lieben kann, lieben, wie der liebe Gott liebt, alle seine Geschöpfe der ganzen Welt, ohne Unterschied des Glaubens und Standes, der freue sich mit uns recht herzlich des miterlebten schönen Festes einer Synagogen-Einweihung." — Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.