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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-12-19 · Heft 51 (19.12.1865) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 51 (19.12.1865)
Date
1865-12-19
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Beilage zu Ro. ZI der Allg/Zeitg. des Zudenth. Cinweihmg der Synagoge. Neunkirchen, Reg. Bez. Trier 6. Decbr. Wenn auch JhrPrincip, in Ihrem geschätzten Blatte über Festlichkeiten, bei Synagogen-Einweihungcn u. drgl. specielle Berichte nicht aufzunehmen, nur zu billigen ist, so dürfte eine Synagogen-Einweihung, die an: 1. d. M. dahier stattfand, eine Ausnahme bilden, da cs hierbei weniger auf die Festlichkeit als vielmehr auf den Geist abgesehen ist, der sich bei dieser Gelegenheit kund gab. Ja ich darf cs kühn aussprechen, daß auch Sie, würdiger Herr, indirekt zu diesem Geist der Liebe, der sich hier gezeigt hat, beigetragen haben. Neunkirchen ist ein Mittelpunkt, wo mehrere Eisenbahnen sich vereinigen, es ist ein Mittelpunkt der Kohlenbergwerke und daher ein Ort, wo die Industrie stark vertreten ist. Durch die verschiedenen Bergämter, durch das berühmte Stimm'sche Eisenwerk und noch andere Fabriken werden Beamte und industrielle Männer aus allen Ländern hierhergezogen und liefert hierzu besonders das gebildete Sachsen ein schönes Quantum. Diesen Männern haben wir es zu verdanken, daß ein so reger humaner Geist dahier herrscht, und nicht minder hat Ihr Wirken gewiß viel, ja sehr viel zu der Aufklärung und der Humanität jener Männer, die Ihren Namen bei jeder Gelegenheit mit Begeisterung nennen, beigetragen. Aus den Berichten der Blies-Zeitung und der St. Johanner Zeitung, die ich Ihnen hiermit zu senden mir erlaube und die von Christen verfaßt sind, werden Sie mit Vergnügen den Geist der Liebe, wie er hier sich zeigt, wahrnehmen, und indem ich Sie ersuche, dieselben in Ihre geschätzte Z. d. I. aufzunehmen, erlaube ich mir Ihnen noch nachträglich zu berichten, daß das schone Fest auf die hehre Weise, wie es begonnen, auch ausgeführt wurde. Wie am Gottesdienst betheiligten sich auch unsere lieben christlichen Mitbrüder mit ihren Töchtern an den Bällen und Festessen. Den ersten Toast bei dem ersten Festessen brachte der evangelische Geistliche Herr Pfarrer und Schulinspector Zimmermann von Wiebelskirchen auf den Herrn Oberrabbiner Kahn, in welchem er seine herzliche Freude über die vortreffliche Predigt desselben, in welcher er die Bestinmruug Israels als Gotteskämpfer, dessen Dulden und Leiden für seinen Glauben und den endlichen Sieg so ausgezeichnet schildert, äußerte. Den zweiten Toast brachte der Bürgermeister, in welchem er den Wunsch äußerte, daß auch unter den Christen derselbe Geist der Liebe, der Einigkeit- 'und der Aufopferung sich stets zeigen möge, wie er sich während des Synagogenbaues und bei der Einweihung derselben bei den Israeliten kund gegeben habe. Hieran anschließend verdienen aber auch einige wackere Männer der israelitischen Gemeinde rühmliche Erwähnung, durch deren Mühe und Selbstaufopferung es auch nur gelingen konnte, ein so schönes Gotteshaus auszuführen und das herrliche Fest der Einweihung so feierlich zu begehen. An der Spitze dieser Männer stand der Vorsteher Herr Strauß, der diesem Baue viele Opfer an Zeit und Geld brachte; ihm folgten die beiden Herrn Bloch und Rothschild, die sich ebenfalls recht wacker und thätig während des Baues und der Einweihung benahmen. L. Die „Blies-Zeitung" Nr. 144 berichtet: Das Fest der Einweihung der neu erbauten Synagoge, nicht blos von den eigentlich Betheiligten, sondern auch von ihren christlichen Mitbürgern schon öfter besprochen und allgemein erwartet, es liegt hinter uns, und wir dürfen heute mit vollstem Rechte sagen: „Wahrlich, das war ein schönes, . ein erhebendes Fest!" Wie dasselbe möglich gemacht worden nur durch die seltene Opferfreudigkeit, durch das einmüthige Zusammenstehen der. Glieder der Gemeide, besonders des Bau-Comite's, so wurde es, als nun endlich sein Tag erschienen, in einer Weise ausgeführt, die wir nicht besser zu bezeichnen wissen, als durch den Wunsch: Möge in der israelitischen, möge in der christlichen Gemeinde beider Confessionen, möge in ganz Neunkirchen dieser Geist der Eintracht sich in Permanenz erklären! Dann wird es in jeder Beziehung wohl mit uns stehen! Was den Verlauf der Feier betrifft, so wurde dieselbe dem ausgebenen Programme gemäß ausgeführt. Von dem Hause des Herrn Bloch setzte sich der Zug, den die Thorarollen in ihren prächtigen Umhüllungen, wie nicht minder die weißgekleideten, blumenbekränzten Mädchen und Jungfrauen gar herrlich schmückten, unter Theilnahme nicht nur der weltlichen Behörden, des Gemeinderaths und des Herrn Schul-Jnspektors, sondern auch einer sehr großen Zahl hiesiger Bürger in Bewegung. Und ein wahrer Triumphzug war es, wie ihn schöner die eben nicht schöne Straße Neunkirchen gewiß noch nicht gesehen! Fast Haus an Haus mit Fahnen, Teppichen, Kränzen und Guirlanden geschmückt, die Fenster wie die Stellen, wo das Trottoir sein sollte, von theilnehmenden, fröhlichen Menschen besetzt. Gibt es einen deutlicheren Beweis dafür, daß ganz Neunkirchen sich mit den Israeliten freute über die Erreichung ihres schönen Ziels? _

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