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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-11-28 · Heft 48 (28.11.1865) · p. Seite 749

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 48 (28.11.1865)
Date
1865-11-28
Page
Seite 749 (sequence 13)
Language
German
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Wahlen zu influiren sucht, bedienen sich die sogenannten „Frommen" ganz anderer Mittel. Einige von ihnen haben, ohne vorher in einer Versammlung darüber berathen zu lassen, eine Proklamation in Umlauf gesetzt, in der sie die Candidaten ihres Herzens als die aller gläubigen Juden bezeichnen, dieselben nennen und zu ihrer Wahl auffordern. Aber dabei können sie es denn nicht unterlassen, den freisinnigen Vorstand unter vollständiger Verdrehung der Wahrheit zu insultiren, ihm Eigenwilligkeit und Unversöhnlichkeit anzudichten und vor Allem den Hang zu radikalen, umstürzenden Reformen vorzuwerfen, woran er doch wahrlich keineswegs denkt. Hoffentlich aber werden diese Kriegslisten den frommen Herren Nichts nützen, und werden am Mittwoch die ehrlichen Waffen der Liberalen den Sieg erfechten! Berlin, 20. .Nov. (Privatmitth.) Die soeben ausgegebene Broschüre: „Haben wirklich die Juden Jesum gekreuzigt?" von vr. Ludwig Philippson (Gerschel 7*/? Sgr.) findet eine massenhafte Nachfrage. Sie erscheint in Kürze bereits in dänischer Uebersetzung. Lemberg, 17. Nov. (Privatmitth.) Die Ruthenen und Juden haben in der Landtagsabgeordnetenwahl gegen die Polen nicht gesiegt. Goluchowski ist gewählt. Ehren wir die Festigkeit unserer Glaubensgenossen, auch wenn der Erfolg wider sie war! Corvespondenz. Frankfurt, 15. November. (Abfertigung.) Auf die selbstvernichtende Erklärung des Hrn. Dr. Braunschweig in dem Beiblatt zu No. 46 hätten wir gar nicht nöthig zu antworten, wenn derselbe nicht Grätz als einen ihn deckenden Vormann aufgestellt hätte, weil derselbe in einem Schreiben an ihn, eine zweideutige Empfehlung seines Machwerkes geschrieben hat. Jeder denkende Leser, der zwischen den Zeilen zu lesen versteht, wird aber in der Stelle „Ihr Buch wird in Süddeutschland, wo die Bekanntschaft mit der jüdischen Geschichte sehr gering ist, bedeutenden Nutzen haben", weiter nichts finden, als: für Süddeutschland ist Ihr Büchlein, so schlecht es auch ist, immerhin gut genug, Etwas über jüdische Geschichte daraus zu lernen. Um den Verfasser in seiner Eitelkeit nicht zu verletzen, aber auch andererseits kein literarisches Verbrechen zu begehen, ein schlechtes Buch zu loben, mußte sich G. dieser Aushülfe bedienen, sicherlich nicht ahnend, daß der Verfasser selbst seine verfänglichen Worte als Aushängeschild und Ehrlichkeitszeugniß zur Schau stellen würde. Wir nehmen keinen Anstand, zu bekennen, daß uns bei Abfassung unserer Kritik die zweideutige Empfehlung Grätzens nicht unbekannt war; da aber die Mainlinie noch nicht einmal als geographischer Begriff in der Literatur ausgestellt worden ist, so konnte auch die grätzische Scheidungslinie für unser Urtheil nicht maßgebend sein, das nunmehr der Verfasser selbst in seiner Erwiderung vollkommen bestätigt. Das Unbedeutende, welches er nämlich aus unserer Ausstellung gur (Sriüiberung hervorhebt, zeigt zur Genüge, daß er, wo er die Hand seines bewährten Führers verläßt und selbst einige Schritte zu gehen wagt, in Jrrthümer und Fehler verfällt. So behauptet er noch immer das Ammenmährchen, Raschi habe die weitesten Reisen in Europa und Asien gemacht, gegen Zunz in der Biographie Raschi's, die ins Hebräische übersetzt, doch allgemein bekannt ist; daß Jbn Roschd der Lehrer Maimonides war, gegen Caspi in Araiide Kesef S. 17 und Munk in Notice sur Jos. b. Jehucla S. 31 und Melanges rc. 425; daß das Karäerthum im 12. Jahrhundert auch in Kastilien austauchte und bekämpft wurde, hätte er aus Sepher-ha-Kabbala wissen müssen; ferner beweist er, daß erj den Talmud, wenn vielleicht auch nicht mit der Pfeife im Munde, aber dann doch mit einer Schlafmütze auf dem Kopfe am Sabbath gelesen hat, denn im machenden Zustande würde er im Jerus., in den Mischnajoth und in den älteren Tallsiudausgaben die richtige Leseart Meg. 24 rpm Mt i^rr gefunden haben. Eine geschichtliche Fortentwickelung des Sadducäismus bis zum Karäerthum ist bei aller Bekanntschaft mit dessen Schriften nicht erwiesen, obgleich nicht zu verkennen ist, daß die K. die sadducäische Lehre vollkommen in sich ausgenommen haben, daß aber die Sad. im talmudischen Zeitalter mit den Karäern identisch waren, darin stimmt — nur der Verfasser mit den Karäern überein. K i r ch h e i m.

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