Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1865)
- Date
- 1865-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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29. Jahrgang. W I X g C ttt C t 1t C 48. Zeitung -es Zudenthrrms Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig PhiliPPfon i<Bonn. Leipzig, den 28. November 1865. Dies« Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 */* bi» 2 Bogen. Preis des JabrgangS S Thlr. Halbjährig 1 Thlr. IS Ngr. Vierteljährig 22 Ngr. Inserate werden mit 1*/»N-r. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Für gedruckte Beilagen, die uns zur Verbreitung durch diese Zeitung geliefert werden, berechnen wir Gebühren : für 1 Bogen 4 Thlr., für Bogen 3 Thlr., für ])\ Bogen 2 Thlr. Alle Buchhand, lungen, Postämter und Zeitung-«Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat stch dar König!. Eächs.. Haupt. Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Obergcspane und Wahlkandidaten. Literarischer- Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Worms. Preußen: Berlin, Berlin. Oesterreichischer Kaiserüaat: Lemberg, Lemberg. Aus Mähren. Italien: Padua. Schweiz: Bern. Frankreich: Paris. Rußland: Berditschew. "Dänemark: Kopenhagen. Neue: " stes: Berlin, Berlin, Lemberg. , ^. Correspondenz: Abfertigung. Leitende Artikel. Neu - Verbaß, 12. November. Die Dbergespäne und Wahlkandidaten. Von Sal. Blum. II. Immer näher rückt der Zeitpunkt der Eröffnung des ungar. Reichstages, immer rühriger und lebhafter gestalten sich' die Wahlbewegungen und immer grWer wird zugleich — Dank dem mächtigen Einflüsse des Zeitgeistes— die Zahl derjenigen Wahlkandidaten, die sich vor ihren Wählern offen und unumwunden zu dem Prinzipe der vollen Gleichberechtigung aller Landesbewohner bekennen, und es als die wichtigste — und fügen wir hinzu: als die herrlichste und glorreichste — Aufgabe der nächsten Volksvertretung hinstellen, das strahlende Dreigestirn: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, an den Horizont des politischen und socialen Lebens dieses Landes zu versetzen. Wohl treten in diesem politischen Tourniere neben den Vorkämpfern wahrhafter Freisinnigkeit auch „Ritter der alten Tafelrunde" auf> die, was Religionsgleichheit betrifft, so genügsam (!!) sind, sich mit den bisherigen prekären Errungenschaften auf diesem Gebiete gänzlich zufrieden zu erklärey, indem sie die fernere Gleichberechtigung der recipirten Konfessionen als daS bescheidene (l!) Maß ihrer diesbezüglichen Ansprüche bezeichnen; allein die Zahl dieser Schildträger mittelalterlicher Anschauungen ist Gottlob dieses Mal schon an den Fingern kaum einer Hand herzurechnen, und verschwindet neben der Legion der Repräsentanten des „Gleiches Recht für Alle" heischenden Zeitgeistes. Daß die Majorität der, den verschiedensten Lebensstellungen angehörenden Landtags-Aspiranten, indem sie' nach der Gunst der Wähler ringen, sich nicht scheuet, ihrer freisinnigen Ueherzeugung in der Frage der Reli- 1 gionSgleichheit unzweideutigen Ausdruck zu geben, kann auch Ms ein schöner Beweis dessen angesehen werden, daß die Kandidaten einen hohen Grad der Reife beim Volke voraussetzen, da sie nicht befürchten, durch die Aeüßerung dieses Prinzipes sich die Ungunst der Wähler zuzuziehen; wo dagegen diese Reife noch nicht vorhanden, da tritt umsomehr an die, durch Intelligenz und Popularität ausgezeichneten Männer die schöne Aufgabe heran, zur Aufklärung des Volkes das Ihrige, beizustragen.