Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1865)
- Date
- 1865-11-14
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Beilage zu No. 46 -er Mg. Zeitg. des Zudenth. Erwie-erung Ms den literarischen Wochenbericht in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums No. 40, unterzeichnet von Kchhm. Der Umstand, daß mir die genannte Nr. der A. Z. d. Jud. erst vor Kurzem nach der Rückkehr von einer längeren Reise zu Gesicht kam, machte es mir unmöglich, den betreffenden Artikel früher zu beantworten. Mit Entrüstung las ich nun das schmähende Urtheil, welches ein Herr Kchhm. dort über mein Buch: „Geschichte der Juden und ihrer Literatur rc." abgiebt. Der Verfasser ist in der glücklichen Lage, zu seiner Rechtfertigung, sowie zur überraschenden Beschämung des Berichterstatters mit einem andern Urtheile zu antworten, mit einem Ausspruch desselben berühmten Historikers, von dessen Werk nach des Correspondenten Meinung meine Schrift nur ein „verstümmelter Auszug" sein soll. Herr Dr. Grätz hatte nämlich die Güte, das Manuskript zum Zwecke einer Begutachtung vor dem Drucke einer Durchsicht zu unterwerfen, und sprach sich hierauf in einer länger» Zuschrift an den Verfasser unter Andern folgendermaßen aus: ,-,Ihr Buch wird in Süddeutschland, wo die Bekanntschaft mit der jüdischen Geschichte im Allgemeinen im jüdischen wie im christlichen Kreise sehr gering ist, bedeutenden Nutzen haben. Sie beherrschen in Ihrer Darstellung den Stoff und haben dieQuellen zweckmäßig benutzt." So urtheilt der Autor Grätz über ein „Plagiat" seines eigenen Werkes! — Indem ich nach solchem Urtheile sowie im Bewußtsein meiner ehrlichen, wenn auch unvollkommenen Arbeit der falschen Behauptung des Berichterstatters nur die tiefste Verachtung meinerseits zu Theil werden lassen kann, will ich gleichwohl aus Interesse für die Sache selbst mich noch zu einer kurzen Besprechung der vom Corresp. angefochtenen Punkte herbeilassen. Es sind, soferne sie nicht mit seiner falschen Grundansicht überhaupt unmittelbar zusammenhängen und dadurch in ihr Nichts versinken, theils bloße Entstellungen, theils willkührliche Suppositionen oder Behauptungen ohne jegliche Beweiskraft. Soheißt es: „Die hebr. Poesie läßt er unter Kimchi zu einer hohen Stufe und Vollkommenheit gelangen <S. 25) und Maimonides den Schüler von Jbn Raschi sein (158)." In unserer Schrift haben wir an der bezeichneten Stelle nicht blos Kimchi, sondern auch Jbn Esra genannt, und gewiß haben Beide, wenn auch ersterer auf eine andere Art, viel zur Hebung und Vollkommenheit der Poesie beigetragen. Uebrigens sind die eigentlichen Verdienste der Familie K. erst auf S. 88 f. näher gewürdigt worden. Ferner haben wir nirgends gesagt, weder bei Raschi noch bei Maimonides, daß letzterer der Schüler Raschi's sei. Soll es aber statt Jbn Raschi Jbn Roschd heißen, so sehen wir durchaus die Unmöglichkeit nicht ein, daß Jbn Roschd, wie De Rosst deutlich genug angiebt, Maimonides' Lehrer gewesen ist, oder glaubt unser Kritiker, dessen 'geschichtliche Gelahrtheit sich nur, wie es scheint, in Grätz Geschichte beurkundet, daß, weil Grätz nur sagt S. 312: „bei mohammedanischen Lehrern hörte er Naturwissenschaften, Arzneikunde," ohne die Namen der Lehrer zu nennen, deßhalb Jbn Roschd nicht der Lehrer Ms. gewesen sein dürfte? Daß wir die Karäer nur in einer Note besprochen und nicht ausführlich behandeln, was der Kritiker nnS zum Vorwurf macht, geschah deßhalb, weil wir blos die Juden in den romanischen Staaten behandeln und der Karäjsmus doch auf einem ganz andern Boden auftauchte. Wenn wir S. 68 in der Note beifügten, daß die Karäer auch mit dem Namen der Sadducäer belegt