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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-11-14 · Heft 46 (14.11.1865) · p. Seite 716

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 46 (14.11.1865)
Date
1865-11-14
Page
Seite 716 (sequence 12)
Language
German
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tl6 Wien, den 15. September 1827. An die hochzuverehrenden Herren Vorsteher der Gesellschaft non zu Pest. Hochzuverehren de Herren! In Erwiederung auf Ew. Wohlgeboren geehrtes Schreiben vom 10. dieses, besten Empfang jedoch um einige Tage verspätet ward, bin ich so frei, Denselben Folgendes zu erö.'snen. Indem ich zuvörderst Ew. Wohlgeboren für Ihr höchst ehrendes Vertrauen meinen innigsten Dank abstatte, bedaure ich zugleich, den mir gewordenen Auftrag nicht erfüllen zu können. Abgesehen davon, daß es unter uns überhaupt der eigentlichen Volkslehrer und der geübten Redner nur wenige giebt D2ro*> itap wi und daß diese Wenigen bereits in Amt und Beruf stehen; so ist selbst für den Fall, daß etwa Jemand zu finden wäre, der versuchsweise Einiges leisten könnte, die Zeit bis auf den bevorstehenden 2"^ zu beschränkt, um eine Wahl zu treffen, die für jeden Fall die größte Behutsamkeit und Umsicht erfordert. Nebenher dürfte wohl ein Ausländer schwerlich bis dahin die Befugniß zum öffentlichen Reden selbst in einem kleineren Kreise sich erwerben, und unter den hiesigen gebildeten und gelehrten Israeliten weiß ich keinen anzugeben, noch viel weniger zu empfehlen, der meinen oder Ihren Forderungen in dieser Rücksicht entsprechen dürfte. Wenn ich so frei sein darf, Ihnen im Allgemeinen, diese Angelegenheit betreffend, meine Ansicht mittheilen zu dürfen, so glaube ich Ew. Wohlgeboren darauf aufmerksam machen zu müssen, daß der Erfolg, den Sie sich mit so vielem Rechte von der Verbindung der religiösen Lehrvorträge mit dem eigentlichen Gottesdienste versprechen, doch immer, in Verhältnissen wie die unsrigen sind, von dem erprobten Talente, von dem Charakter und dem bewährten Ansehn des Lehrers und Redners bedingt ist und abhängig. So lange Volk und Lehrer von dem Berufe und der Wirksamkeit der Seelsorger beide noch immer so sehr verkehrte Begriffe haben, muß das Wort 'des Glaubens sein Ansehen und seinen Einfluß auf die Gesinnung und das Leben der Gemeinden selbst sich erwerben, und das wird es und kann es nur dann, wenn es mit aller Wahrheit der Ueberzeugung, mit aller Kraft der Beredt- ^samkeit, aller Umsicht der Erfahrung, mit hellem Geiste und warmen Herzen wird aufgefaßt und dargestellt. Jeder Versuch, dessen Gelingen nicht zum Voraus verbürgt ist, wird nicht nur für den Augenblick ohne Erfolg bleiben, sondern auch für die Folge noch schädlich nachwirken. Es wäre demnach mein unmaßgeblicher Rath, daß Ew. Wohlgeboren zuvörderst sich nach einem Manne mit guten Anlagen und den nöthigen Vorkenntnissen Umsehen möchten, der zu diesem Berufe erst zuvor sich ausbilden und vorbereiten könnte, ehe er es unternimmt, daS Wort Gottes der Gemeinde vorzutragen. Es hat die Erfahrung diese meine Ansicht bewährt und bestätigt, und die unreifen Proben waren immer auch verfehlte und mißlungene Versuche. So gern ich auch über diesen Gegenstand in eine nähere Erörterung eingehen möchte, so zwingt mich doch die sogleich abgehende Post, meinen Brief zu schließen, der ohnehin für eine solche Erörterung nicht geeignet war, sondern nur in aller Kürze Ihnen mittheilen sollte, wie sehr ich es bedauere, Ihren Auftrag nicht ausführen zu können. Ich schließe mit der Versicherung meiner innigsten Theilnahme, und, indem ich Sie und Ihr begonnenes Werk dem Schutze und dem Segen des Allmächtigen empfehle, erkläre ich mich bereit für die Förderung Ihrer edeln und verdienstvollen Bestrebungen meine geringen Fähigkeiten zu jeder Zeit nach Kräften zu verwenden. I. N. Mannheimer, Religionslehrer. Anzeige«. Die hiesige Lehrer- und Cantor-Stelle, verbunden mit einem jährlichen Gehalt von Thlr. 275 Pr. Courant, wird am 1. April künftigen Jahres vacant, und soll bis dahin wieder besetzt werden. Durch Privat-Unterricht bietet sich Gelegenheit, ein größeres Einkommen zu erzielen. Reflektanten (unverheirathet) wollen sich unter portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten Vorstand wenden. Geldern am Nieder-Rhein, d. 1. Novbr. 1865. _G. Gompertz. Zum sofortigen Antritt oder p. Ostern 1866 suchen wir einen zweiten Lehrer, der den Unterricht in den ersten Elementar-Gegenständen zu ertheilen und das Amt eines Vorbeters und Schächters zu versehen hat und bewilligen wir ihm Thlr. 300 Gehalt.— Reflektanten wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse recht bald bei dem Unterzeichneten Vorstande melden. Neuwedel, den 31. October 1865. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. C. Casparius.

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