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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-11-14 · Heft 46 (14.11.1865) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 46 (14.11.1865)
Date
1865-11-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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LS. Jahrgang. l l ge m e ine JW 46. Zeitung des Judenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 14. November 1865. ' 'Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstag«, in l'/st blS 2 Bogen. Preis des Jahrgang» 3 Thlr. Halbjährig 1 Tbk. 1b Ngr. Vierteljährig 22Ngr. Znseratc werden mit l'/»Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Für gedruckte Beilagen, die uns zur Verbreitung durch diese Zeitung geliefert werden, berechnen wir Gebühren: für 1 Bogen 4 Thlr.. für */t Bogen 3 Thlr.. für Bogen 2 Thlr. Alle Buchhand, lungen, Postämter und Zeitung«. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sächf. Haupt. - Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Bettende AEkelr Nace oder Geschichte? und das „Morgenblatt/' . Zeitungsnachrichten rDeutschland: Tauberbischofs heim.!.. iP re u ß e n: Berlin, Berlin.O esterreichischer Kais e rsta a t:-Fünfkirchen,,Lemberg, Prag. Frankreich: Paris. :Donau fürst enthümer: Bukarest. Australien: - ' Nen-Seeland. Correspondynz: Zum l. Oktober. Leitende Artikel. Bonn, 5. November. Nace oder Geschichte? und das „Morgenbiatt." E Wir haben es schon ein Mal ausgesprochen: es ist ein Uebel unter der Sonne, .daß, wenn sich dem Menschen irgend ein Gesichtspunkt eröffnet hat, der den Vorgängern wenig oder gar nicht bekannt war, alsbald dieser. vorzugsweise occupirt wird, und eine seinem Werthe unangemessene Breite einnimmt, oder gar alle anderen Gesichtspunkte verdrängt. Es liegt dies in der Einseitigkeit'des Menschen überhaupt, und in der Beschränktheit der meisten selbst denkenden Personen im Besondern. Der umfassende, geniale Forscher wird sich davon nicht bethören lassen. Er wird den neuen Lichtstrahl zur Beleuchtung seines Gegenstandes' benutzen, ihn aber niemals für die alleinige und ganze Sonne halten. Aber wie viele solcher Geister giebt es? und kommt nun eine 'derartige neue Anschauung irgend einem Vorurtheile zu Gute, ist es dadurch möglich, einer bewußt oder unbewußt gehegten Gehässigkeit neue Nahrung zu schaffen, die, weil sie aus einem allgemeinen großartigen Prinzips oder Gesetze zu sprießen scheint, um so mehr das Ansehn der Unparteilichkeit gibt: so kann man gewärtig sein, daß sich daraus ein Spuk bildet, der Einem auf allen Gaffen begegnet. Hierin aber liegt wieder das Heilmittel. Denn um so eher wird man darauf gestoßen, die Sache noch ein Mal zu untersuchen, und daraus ergiebt sich zuletzt, daß man das neue Beobachtungsmittel in seine ihm zukommenden Grenzen zu beschränken lernt. Wo begegnet man jetzt nicht dem Worte „Race"? Welch ein loses Spiel wird mit der f. g. Racen- und Völkerphysiologie getrieben? Früher, wenn man die Zustände eines Volkes benrtheilte, und deren Ursachen zu erforschen suchte, ging man auf seine Geschichte zurück. Man begnügte sich, das Gemälde der Ereignisse und Thaten aufzurollen, durch welche es hindurchgegangen, und aüS denen sich seine Gegenwart entwickelt habe. Es war dies einseitig. In dem Leben jedes einzelnen Menschen spielen seine natürlichen leiblichen und geistigen Anlagen eine nicht zu übersehende Rolle, und man wird zu einem sehr einseitigen und irrigen Urtheile gelangen, wenn man lediglich die äußeren Verhältnisse, in denen er von jeher.gestanden, seine Lebensschicksale und selbst seine inneren Bildungsprozeffe berücksichtigt.

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