Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1865)
- Date
- 1865-10-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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SS. Jahrgang. AllgeM e i n e Zeitung des Zudenthums. Einunparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 31. October 1865. Diese Zritung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1V* bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22^ Ngr. Inserate werden mit 1^/2 Ngr. für die Pctitzeile oder deren Raum berechnet. Für gedruckte Beilagen, die uns zur Verbreitung durch diese Zeitung geliefert werden, berechnen wir Gebühren: für 1 Bogen 4 Thlr., für 1/i Bogen 3 Thlr., für 7* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhand, lungcn, Postämter und ZeitungS - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sächs. Haupt» Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Aus dem Sturmleben in der Bibel. — Die Obergespane und Wahlkandidaten in Ungarn. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: D eut sch land: Speyer, Hamburg, München. Preußen: Berlin, Schneidemühl, Berlin. Oest erreicht sch er Kjais erstaat: Lemberg, Lemberg, Krakau, Bonn. Rußland: Warschau. Orient: Smyrna. Afrika: Tunis. Korrespondenz: Uebcr Wormser Zustände. — Leitende Artikel. Bonn, 22. Oktober. Aus den SturinMen in der Bibel. I. Es ist nur immer wenig, was aus dem Stillleben eines Volkes aus uralter Zeit übrig ist und sich erzählen läßt, während es aus dem Sturmleben desselben Volkes eine Fülle von Ueberlieferungen giebt und der Gang der geschichtlichen Ereignisse sich vorzugsweise darin abspiegelt. Wenn wir daher nach den kleinen Skizzen aus dem Stillleben des Volkes Israel innerhalb der biblischen Zeit auch einige Blicke auf die stürmischen Epochen desselben werfen, und einige Bilder aus ihnen uns vorführen wollen: so drängt sich uns eine Menge von Erinnerungen auf, von denen jede ihr Charakteristisches hat. Doch sind es nur einige bestimmte Gesichtspunkte, von denen wir hier ausgehen wollen. -.Zuerst das werdende Volk in seinen Kämpfen. Die Thorah giebt uns ein sehr ausgeführtes Gemälde hiervon. Israel war, so lange es in Egypten gewesen, vom Standpunkte des Familien- und Stammeslebens nicht hinweggekommen. Es hielt zusammen durch die Abstammung, durch die Familientradition und ererbte Sitte. Zu der Tradition gehörte die Anbetung des ,,Gottes Abrahams , Isaaks und Jakobs" und die Verheißung, auf den dereinstigen Besitz Canaans. Daß auch gewisse Sitten sich überliefert hatten, ersieht man aus den Andeutungen vormosaischer Sitten, die später im Gesetze wiedererscheinen, oft modifizirt. Die noachidischen Vorschriften, die Leviratsehe, das Verbot der Spannader, das Goelwesen bezeugen dieses und geben zugleich zu erkennen, daß es sich eben nur um Sitten innerhalb des Familienlebens handelt. Jetzt sollte diese Masse zu einem Volke, und dieses Volk mit einem großen, religiösen, sittlichen, nationalen und politischen Inhalt versehen, erfüllt, davon belebt, dadurch organisirt werden. Dies , kann nicht ohne Opfer, Lasten und Schranken, besonders für die Individuen geschehen, und darum ist die Äugend jedes werdenden Volkes mit so großen Kämpfen und Erschütterungen begleitet. Wie gesagt, die Thorah entwirft uns ein treues Bild dieser Zeit. Vom Saume des Schilfmeeres bis zu dem Bett des Jordan erhebt sich das Volk immer von Neuem gegen den großen Prozeß, der mit ihm vorgenommen, gegen die Aufgabe, die ihm gestellt, gegen die Grundsätze, die ihm auferlegt, gegen