Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1865)
- Date
- 1865-09-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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^7Ä^ 7^^'-^77-^7-,:'" ■" 7"'!) $*■': 29, Jahrgang. Allgemeine 39. Zeitung -es Zir-enthvuls Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerruSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 26. September 1865. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstag«, in l1/* di« 2 Bogen. Pret« Le« Jahrgang« 3 Thlr. Halhjäbrig 1 Thlr. 1k Rgr. Merteljährig 22 l/i Ngr. Inserate werden mit 1^/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Für gedruckte Beilagen, die uns zur Verbreitung durch diese Zeitung geliefert werden, berechnen wir Gebühren: sür 1 Bogen 4 Thlr., für */a Bogen 3 Thlr.. für */* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen , Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich da« Königl. Sächs. Haupt- Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Zum Rosch-Haschana- und Jom-Kippur- Feste. — Einige Gedanken und Bedenken über den Verein für allgemeine Angelegenheiten des Judenthums. — Zeitungsnachrichtenr D eutschland: Nürnberg. Preußen: Berlin, Berlin, Berlin, Cöln. Oesterreichischer Kaiserstaat: Fünfkirchen, Tarnow, Kaposvsr, Gratz. Italien: Aus Oberitcrlien. Frankreich: Paris. Leitende Artikel. Bonn, 17. September.. Zum Nosch-Haschcma- und Iom-Kippur- Feste. Wie sehr auch die menschliche Wissenschaft, die Philosophie und die Selbstüberschätzung des Menschen überhaupt diesen unabhängig, selbstständig, auf eigenen Füßen stehend träumt, und ihn überreden will, sich also zu denken, zu fassen und zu behandeln; das Gefühl der Abhängigkeit von Gott, unserem Schöpfer, von der göttlichen Vorsehung und von den ewigen Gesetzen unseres Gottes drängt sich uns immer wieder wie eine unabweisliche Nothwendigkeit, wie ein Element unseres ganzen Daseins auf. Warum wollten wir also ihm nutzlosen Widerstand entgegensetzen, und dadurch nur den Segen dieses Bewußtseins, die beseligenden, läuternden und aufrichtenden Wirkungen dieses Wissens, daß wir Geschöpfe aus und in der Hand Gottes sind, stören oder gar aufheben? Der Kreislauf der Zeit, wie er sich um uns in immer gleichem Takt und Schritt bewegt, macht uns dennoch die Veränderungen fühlbar, die an uns vergehen, und wir bemerken recht wohl an uns, daß wir niemals bleiben, was wir sind, daß wir bereits ganz Andere geworden, als wir gewesen, und daß nach kurzer Zeit hinter dem Aufwärtssteigen ein Niedersteigen kam oder kommen wird. Wie fest und besonnen wir uns auch dünken, wie sorgfältig im Entwerfen, wie umfassend im Erwägen, wie ausdauernd im Ausführen unserer Pläne: gerade dieses Alles zeigt uns am besten, wie sehr alle unsere Verhältnisse, alle Ergebnisse unserer Thätigkeit, mit einem Worte all' unser Geschick von der Fügung abhängig, und mindestens eben so viel Ausfluß dieser wie unseres eigenen Willens sind. Der Weiseste der Griechen sagte: Man erklärt mich hier für weise, weil ich weiß, daß ich nichts weiß. Seitdem sind gar Viele ausgetreten, die seiner Meinung nicht sind, und glauben, sehr viel zu wissen, und wollen nichts bestehen lassen, als was sie wissen, das heißt, was sie nach ihren 'Experimenten und Analogien wissen. Aber da zeigt sich immer, daß der Mensch nur zum Suchen, nicht aber zum Fassen bestimmt ist; er findet zwar, aber npr damit er immer weiter suche, Wh picht aufhöre zu