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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-22 · Heft 34 (22.8.1865) · p. Seite 527

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 34 (22.8.1865)
Date
1865-08-22
Page
Seite 527 (sequence 11)
Language
German
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m lungsgang in Anspruch nahm, und die fäft unüberwindlichen Hemmnisse, die derselbe auf seinem Wetze von den heterogensten feindlichen Elementen fand, und also die verschiedenartigsten von den Ortsverhältniffen bedingten Phasen, die er durchmachen mußte^ sein, die ihm einen. weitsichtigeren Stoff zu feiney Forschungen bieten, und also seine Aufgabe zu einer der schwierigsten machen werden. Ganz anders wie in Frankreich, wo eine riesige Revolution unter den tausend socialen und politischen Fragen, die sie mit einem Rucke entschied, auch den gordischen Knoten, den die Emancipationsfrage unserer Glaubensbrüder für die europäischen Staaten zu bilden pflegt, mit einem einzigen Schlage entzweihieb, dadurch aber auch der geistigen Emancipation derselben einen mächtitigen Impuls gab, daß sie, wie wir jetzt sehen, auf dem Gebiete des Geistes in einem Zeiträume von 60 Jahren die schönsten Errungenschaften machten, und das Niveau der Äntelligenz der besten Söhne dieses Landes erreichten, wo also die politische Emancipation unseres Volkes seiner geistigen vorausging, weil man eher auf seine Menschenrechte, als auf seine Verdienste sah) ganz anders wie in Deutschland, wo aus der eigenen Mitte der Juden hervorragende Geister entstanden, die mit Männern, wie Lessing, Herder, Reimarus und Kaut in freundschaftliche Berührung tretend, auf die Veredelung ihrer Glaubensgenossen einen ungeheuren Einfluß ausübten, wo der Jude in seinem christlichen Nachbarn ein anspornendes Vorbild zu seiner humanitären Bildung fand, und also die geistige Wiedergeburt von innen heraus vor sich ging, und wir in einem Zeiträume von kaum mehr als einem halben Säculum Resultate erzielen sehen, die an ihrer Stirn das Gepräge der Unsterblichkeit tragen: sehen wir hier von einer mächtigen, um die Bildung ihrer jüdischen Unterthanen besorgten Regierung an dieselben als Hauptbedingung zur Erlangung ihrer bürgerlichen und politischen Gleichstellung die Erreichung einer höheren Bildung stellen, und zu diesem Behufe Ukase auf Ukase häufen und von einem Systeme zum andern schwanken, die sich aber sämmtlich in der Folge als zwecklos Herausstellen, weil erstens der Jude hierin kein äneiferndes Muster in seiner nächsten Umgebung findet, und zweitens, weil der Ungebildete das Bevürfniß politischer Rechte nicht fühlt, indem dasselbe erst eine Folge der Bildung und des durch sie hervorgerufenen Gefühls seiner Menschenwürde, und Achtung ' vor sich selbst ist, theilö auch weil daS Ziel als in ferner Aussicht stehend, ihm schwer zu erreichen scheint, und eS auch in der Dhat füt ein ganzes Volk ist. — I-, keinem Lande waren die Juden in so reicher Masse Nus einem verhältnißmäßitz kleinen Ländergebiete zusammengepfercht wie hier, wo also die der Bildung feindlichen Elemente einen weit größeren Spielraum für ihren^schädlichen Einfluß als irgendwo finden. Zu den feindlichen Elementen zählen aber nicht -allein die Rädelsführer der chafsidifchen Secte in den.südwestlichen Göü^- vernements Rußlands und in Polen, deren Prinzipien von einem Truggewebe von krassestem Aberglauben und faselnder Schwärmerei umsponnen; auch die Rabbinen der nördlichen Gegenden, die zur Fahne des MisnagdiSmus geschworen, und also jener gegenüber eine feindliche Stellung einnehmen, sind vermöge ihrer stagnireuden Festhaltung an dem todten Buchstaben der mittelalterlichen, den Juden zum Automaten herabwürdigenden Casuistik, die erklärtesten Feinde aller Cultur und Annäherung an die andersgläubige Bevölkerung des Landes. Wenn diese letzteren es auch redlicher meinen, und der Eigennutz bei ihnen nicht so kraß im Spiele ist, so gehen sie doch nicht minder entschieden in ihrer Opposition zu Werke und schleudern im Dunkeln ihre Bannbullen gegen Jeden, der der Vernunft einige Berechtigung in Glaubrnssachen zu gewähren sich verwesten. Auch sie erfreuen sich nicht minder abgöttischer Verehrung von dem Volke, das in dichten Massen um dieselben sich konzentrirend wie in einen Zauberkreis gebannt, sich ihrem Gängelbande undVihrer Vormundschaft nicht entziehen kann. — Bei solcher Sachlage sieht wohl jeder - vernünftige Mensch ein, daß die Schulfrage von der größten Tragweite für die ganze Zukunft unserer Nation sei. Im Folgenden findet der Leser manche interessante Daten, die-, ihm einen Begriff von den civilisirenden Elementen geben, die mit jedem Jahre zunehmen. Die Maßnahmen , die nach und nach von der Regierung angewendet worden, UM ihre jüdischen Unterthanen der Verwahrlosung zu entreißen, und unter ihnen zeitgemäße Bildung zu verbreiten, sind in chronologischer Ordnung folgende: In den Jahren 1804 und 1835 erfolgten allerhöchste Erlaste, denen zufolge der jüdischen Jugend der Besuch der allgemeinen Lehranstalten des Kaiserreichs gestattet sei. 1842 wurde allerhöchst bestätigtem Ukase zufolge die Organisirung speziell jüdischer Schulen angeordnet, welche in folgende 3 Elasten eingeiheilt wurden. (Fortsetzung. folgt.) 34**

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