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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-22 · Heft 34 (22.8.1865) · p. Seite 526

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 34 (22.8.1865)
Date
1865-08-22
Page
Seite 526 (sequence 10)
Language
German
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allen mehr oder weniger auch unsere Glombensgeuvffen! vertreten sind, während das jüdische' beinahe ausschließlich von Juden besucht ist. — Unter meinem Fenster rauschen die Wellen des'atlantischen Meeres; nur leise rauschen sie — es! ist Windstille) aber dennoch, ich verstehe: ihr wehmüthig Rauschen. Es ist heute Rosch Chodesch Ab. Sie erzählen von einem ehemaligen Stamme, deß Heiligthum zweimal an diesem Monate zerstört, dessen Krone zweimal gebrochen wurde; sie erzählen eine traurige Geschichte, wie zum drittenmale am neunten dieses Monats Hunderttausende von nützlichen Bürgern ihrgeliebtes Spanien mit: dem nackten Mander- und Bettelstäbe: vertauschen mußten. — Der Wind erhebt sich und munterer rauschen die Wellen. Noch ist der verhängnißvolle Ab nicht vorüber, aber mein Geist erblickt in der Ferne einen weißen Punkt. Er wird größer und immer größer. Dein Fahrzeug ist. eS> großer ColumbuS, das daherkömmt, um der Welt eine Welt zu schenken, um der Freiheit eine Gaffe zu bahnen. — Und stärker und stärker rauschen die Wogen, und Tausende und Tausende von Fahrzeugen seh' ich daherziehen, und Sklaven mit gekrümmtem Rücken, den scheuen Blick zur Erde geheftet, entsteigen ihnen. Aber o Wunder! kaum berührt ihr Fuß den geheiligten Boden, und freie Männer, den stolzen Blick in die Höhe gerichtet, stehen sie da! — Ach, daß es mehr als eine Vision wäre! — ' H. Briest aus Rußland II.*) (Vorbemerkung der Redaction. Die Schulfrage ist jetzt, für die russischen Juden eine der wichtigsten und drängendsten. Wie wir: hören, steht ihre Lösung bevor. Dies ist Motiv für uns/ ihrer Besprechung einen größeren Raum zu gewähren. Was uns betrifft, so begreifen wir nicht, wie Männer, welche die Hebung der russischen Juden ernstlich wollen, die Aufhebung der jüdischen Schulen verlangen können. Wir geben gern zu, daß wir als Ausländer die Sachlage nicht zu beurtheilen vermögen. Allein schon die Wuth der Chassidim und orthodoxen Fanatiker gegen die Schulen zeigt uns, daß diese sie wahrhaft fürchten, und dies ist uns Bürgschaft für ihre Notwendigkeit. Die jüdische Schule ist die Mutter und Pflegerin jener gediegenen Mittelklaffe, *) Br. I. s. No. 6. 8. welche Bildung und Judenthum in sich vereinigen, die Tüchtigkeit im Lebensberuse mit echter Religiosität verbinden wollen. Die christlichen Schulen werden in Rußland immer nur von einer verhältnißmäßig geringen Zahl Judenkinder besucht werden, bei dem Wegfall der jüdischen Schulen die Masse aber um so tiefer sinken, je schroffer ihr Standpunkt der wachsenden modernen Bildung gegenüber bleibt. Möge man daher anstehen, zu zerstören, was für lange Zeit nicht wieder aufgebaut, werden könnte!) Bor uns liegt der im vorigen Briefe erwähnte Bericht des Geheimraths H^A^Pvstels über die Resultate seiner vom 7. Mai bis zum 7. September 1864 vollbrachten Jnspection der jüdischen Schuleu. *) Derselbe ist, außerdem, daß er des Interessanten sehr vieles darbietet, indem er so zu sagen einen Gradmesser des unter den russischen Juden trotz aller vom Fanatismus aufgebotenen Hemmnisse gefühlten Bedürfnisses der Bildung giebt, auch vermöge des darin mit vieler Sach- und Fachkenntniß abgegebenen Gutachtens in seiner Tragweite für den Fortbestand der jüdischen Schule von großer Bedeutung. — Wir wollen hier, in diesen vielgelesenen Blättern; den Annalen für die neueste Geschichte des Judenthums, das Wichtigste im Resumü zufammenstellen, und zu der Entwickelung der vortrefflichen Ansichten des edlen Mannes hie und da einige Bemerkungen hinzufügen, und zur Motivirung des eben Gesagten noch folgende allgemeine Bemerkung vorausschicken: Dem künftigen Historiker, der es sich einst zur Aufgabe machen wird, den Entwickelungsprozeß der Aufklärung unter den russischen Juden darzustellen, wird die Lösung dieser Aufgabe weit schwieriger gemacht werden, als es bei seinen Vorgängern in ihrer Schilderung dieses Processes bei den französischen, deutschen u. s. w. Bekennern der mosaischen Religion der Fall war; denn außer dem sich weit größer hinstreckenden Ländergebiete und der umfänglicheren unter vielfacheren Nüancirungen .sich gestaltenden Volksmasse, auf die hier sein Augenmerk gerichtet sein muß, werden es auch uoch der unverhältnißmäßig längere Zeitraum, den dieser Entwick- 4) Er besuchte nun 55 Elementarschulen, 3 Hauptschulen, 2 Rabbinerfchulen, 11 Volksschulen, 24 Privatschulen für Mädchen, viele Privatschulen für Knabeu, eine Gewerbeschule und außerdem- Jeschiboth und Talmud- Thora-Schulen.

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