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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 31 (1.8.1865) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 31 (1.8.1865)
Date
1865-08-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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z« Ro. 31 der Allg. Zeitg. des Judenth. An M Freunde des Jndenthnms. Mit Beftiedigung dürfen wir auf die gegenwärtige Stellung der Juden und des Judenthums Hinblicken; die Resultate eines langen schweren Kampfes liegen vor uns, zum Theil sind sie in der nächsten Zukunft zu erwarten. Von dem erleuchteten Geiste unserer Zeit sind, wie auf andern Gebieten, die willkürlichen Schranken gefallen, welche uns von der vollen Betheiligung am Vaterlande ausgeschlossen, und wo sie noch nicht ganz gefallen, da sind sie doch so morsch geworden, daß sie nur künstlich erhalten dem ersten starken Luftzuge nicht widerstehen können. Bei dieser glücklichen Wendung der Dinge versäumen die Bekenner des Judenthums nirgends, ihre volle Theilnahme an den Angelegenheiten des Vaterlandes an den Tag zu legen, sich als ebenbürtige, hingebend opferwillige Söhne desselben zu bekunden. Allein eine Retigionsgenossenschaft hat auch noch die andere Pflicht, von ihrem eigcnthümlichen Standpunkte aus, ihren Beitrag zur Förderung der höher« Lebenszwecke der Menschheit zu liefern. Eine jede Religion hat die Aufgabe, sich als eine geistige Lebcnsmacht im großen Gange der Menschheit zu bewähren, und sie kann dies nur durch Znsammennehmen aller ihrer Kräfte und Organe, durch die Gesammtwirksamkeit aller ihrer Bekenner. In der Zersplitterung erlahmen selbst die besten Kräfte, nur in der Vereinigung kann eine ersprießliche Wirksamkeit entfaltet werden. Und das gilt namentlich von einer Religionsgenossenschaft,', die aus einer verhältnißmäßig geringen, nach den verschiedensten Gegenden gespaltenen Minorität besteht, von einer Religionsgenvssenschaft, die der Machtmittel einer herrschenden Kirche entbehrt. Wenn in der früher« Zeit der schwerlastende Drück die Genossen zusammenhielt, das Bewußtsein der geistigen Einheit erhöhte: so müssen wir in unseren Tagen darauf bedacht sein, daß. bei dem Schwinden der,äußern Bande nicht auch das geistige Band mehr und mehr gelockert werde.' Dieses Bedürfm'ß hat unter den Juden anderer Länder, die schon länger und in erhöhtem Maße sich der bürgerlichen Gleichstellung erfreuen, seinen Ausdruck gefunden und sich Organe geschaffen, je nach der Eigenthnmlichkeit jener Länder. In Frankreich besteht die Alliance Israelite universelle, roeldje sich die Aufgabe stellt, überall für die Gleichstellung und den sittlichen Fortschritt der Juden zu wirken, denjenigen, welche in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, eine wirksame Hilfe angedeihen zu lassen, jeder Schrift ihre Unterstützung zu gewähren, welche geeignet ist, diese Resultate herbeizuführen. England hat seinen Board of deputies und feine Je-wisli association for the diffusion of religious knowledge, welche, wie es scheint, dem Eindringen der Mission zu wehren bestimmt ist. Deutschland darf sich rühmen, seit fast einem Jahrhundert in den Bestrebungen für den geistigen Aufschwung der Juden und des Judenthums im Vordergrund zu stehen; allein es entbehrt der Bereinigung, die es den Bekennern des JudenthumS möglich macht, durch Zusammenwirken heilsame Resultate zu erzielen. Die Juden Deutschlands haben daher keine Gesammtthat aufzuweisen, die der Bedeutung ihrer Stelle entspricht; ein jeder Versuch etwas zu thun, was ein Ausdruck des Gesammtbewußtseins sein sollte, entbehrt aus Mangel an einigenden und anregenden Mittelpunkten des entsprechenden Erfolgs. Aber nur das einmüthige Wirken erwirbt Achtung, während feiges oder schlechtes Zurückziehen auch den gerechtesten Ansprüchen die Hoffnung auf Befriedigung raubt. Der deutsche Geist hat auch innerhalb des JudenthumS seinen Beruf bewährt, das Wissen weithin zu verbreiten, es zu erweitern und zu vertiefen. Männer in den verschiedensten Lebensstellungen haben durch ihre tiefe Einsicht in die Literatur des Jndenthnms und durch die Wärme, mit der sie dasselbe nach Außen vertreten, der gesaminten Glaubensgenossenschast wesentliche Dienste geleistet, ihre Ehre und das Selbstgefühl gehoben. Solche Männer werden seltner und sie werden gänzlich schwinden, wenn nicht dafür Sorge getragen wird, daß die Kenntniß des Judenthums in weitern Kreisen Pflege findet. Die Wissenschaft selbst, wenn auch nur einzelne besonders' Begabte ihre Träger und Förderer sind, bedarf jedoch allseitiger Pflege, liebevoller Ermunterung, hie und da auch der kräftigen Unterstützung, sie bedarf, vor Allem der Anstalten, in denen die Anleitung §u ihr gegeben wird. Die alten Stätten jüdischen Wissens sind zerfallen, sie würden nach ihrer alten Einrichtung auch nicht mehr den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechen. Neue Pflanzstätten des Geistes sind im Judenthnm höchst spärlich vorhanden! Das hohe geistige Erbe, welches ihm übergeben worden. hat dasselbe stets mit Hingebung gepflegt; es war dadurch >>in bedeutender Faktor in dem großen geistigen Entwickelungsgange der Menschheit. Unsere Pflicht iß es,, uns diese Krone nicht vom Haupte nehmen zu lassen, die Pflege des Geistes bleibe, die Macht, nach der wir ringen, durch die wir als wirksames Glied . der Menschheit uns bewähren. " So ist es denn hohe Zeit, daß wir uns der Schlaffheit entwinden, daß wir mit Ernst die Kräfte sammeln, um eine unserer würdige Stellung einzunehmen. Freie Vereinigung ist das große Wort unserer Zeit. Ein „Verein für allgemeine Angelegenheiten des JudenthumS", als Organ des Zusammenwirkens thut Noch. Cr werde der Mittelpunkt, an den

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