Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1865)
- Date
- 1865-07-18
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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gchrüniW, H^Ww^lich Ihälteü-sässechPränftvird freilich von der anderen'Seite einwenden: „Wenn, eine solche Weise zu reden nicht statthaft sei, wie es wohl komme, daß dennoch solche Behauptungen fast täglich vernommen werden." Darauf aber können wir dem Opponenten nur mit der hausbackenen Weisbeit der Schulbank und der Kinderlehre zurufen, daß durch,den Mißbrauch einer Sache ihr rechter Gebrauch nicht aufgehoben, sei, ' und daß durch wiederholtes Begehen' ein Unrecht niemals zum Recht umgestempelt werde. Freilich ließen sich noch andere, historische Grunde dafür anführen, warum eine Verdächtigung der jüdischen Gesammtheit für die Anhänger, derselben eine schmerzlichere Wirkung haben müsse als ein ähnlicher Vorwurf, gegen andere Volkstheile geschleudert, für diese; allein mit der Durchführung dieser feineren Gründe wollen wir ihn nicht weiter belästigen. Ein Hauptgewicht legt die Offenbacher Entgegnung ferner darauf, daß der Vorsitzende des Londoner Vereins selbst Jude ist. ,,Weil> so scheint der Opponent zu folgern, Herr Mar Laster den Vorsitz führte und weil Herr Mar Lasker Jude ist, so können die oft beregten Worte unmöglich jenen beschimpfenden Sinn gehabt haben." — Ich habe es recht zu bedauern, daß ich für die Vortrefflichkcit dieser Schlußfolgerung nicht die leiseste Empfänglichkeit, nicht das leiseste Verftändniß besitze. Meine schlichte Ansicht ist, daß in solchen großen Prinzipienfragen jeder sich selbst, seiner innern Stimme folgen müsse, und daß selbst viel größere Autoritäten, als die des Herrn Mar Lasker, nicht: vermögend seien, das entschieden für Recht öder Unrecht erkannte in das Gegentheil umzuwandeln. Das Dilemma, in welches Herr Lasker durch seinen Vorsitz gerathen — (und nicht ich habe dasselbe angedeuteti möge derselbe mit dem Verein oder dev Verein mit ihm oder der Hermann mit Beiden ausgleichen. Für unfern Gegenstand ist der Vorsitz dieses Herrn völlig bedeutungslos. — Wenn die jüdischen Mitglieder des Vereins es für gut fanden, jener Stelle ihre schweigende Anerkennung zu zollen, oder wenn, wie der H. andeutet, sie ihrem Scharfsinne entgangen, so wird eben dadurch nur noch klarer, daß der Protest von außen kommen mußte. Ich habe bereits vor sechs Monaten erklärt, daß ich mich zu diesem Kampfe nicht gedrängt habe. . Im Uebrigen kann ich die Offenbacher Entgegnung als eine in ruhiger und maßvoller Sprache gehaltene bezeichnen; und die Redaction des H. scheint gar nicht zu fühlen, wie grell diese Kampfweise gegen ihr eigenes grobes Geschütz absticht, und welchen schlimmen Dienst sie sich mit dem Wiederabdrucke erwiesen hat. Ueberrascht hat mich nur bei einem anscheinend so gebildeten Gegner die Bemerkung, welche vor der Allgem. Zeitung des Judenth. als einer dunklen Quelle warnt und sie als ein Organ des orthodoxen Altjudcnthums bezeichnet. Nur äußerste Unkenntniß der Verhältnisse kann diese Angabe erklären. Es genügt, darauf-hinzuweisen, daß diese Zeitung von Herrn Di-. Philippson geleitet wird, dessen Name als eines der wackersten und unermüdetsten Vertreter der freien Wissenschaft und Forschung, als eines glänzenden Vorkämpfers der Humanität auch in der christlichen Gelehrtenwelt vom besten Klange ist. - Die Berserkerwuth, mit welcher der H. in dem erwähnten Artikel über mich herfällt , gründet sich vor allem auf die Annahme, daß jene Agitation, welche mein Auftreten in der deutschen Presse hervorgerufen haben.soll, zunächst m Sin Werk gewesen sei.- Ich aber bethcure hiermit im Angesichte des deutschen Volkes, daß ich an jener Bewegung, ob in Offenbach oder in irgend einer anderen Stadt, nicht den geringsten Antheil hatte. Nicht ein einziger Brief' ward von mir «die Veröffentlichung in der Ä. Zeit. d. Jud. abgerechnet) in dieser Angelegenheit nach Deutschland geschrieben, und die Thatsache' dieser Bewegung selbst erfahre ich.jetzt durch den H. zum ersten male. Wie fremd ich einer jeden Agitation stand, geht für jeden Unbefangenen ja schon daraus hervor, daß ich erst jcht, die Möglichkeit erhaltenden letzten Angriff des H., vom 4. März, abzuwehren. Der Verein möge rn der Thatsache einer solchen Bewegung vielmehr die notwendige Rückwirkung seines eigenen GebahreM fthen, und. der Unwille seines beredten; Wortführers wird sich dahin wenden müssen, von'wo der Mißgriff ausgegangcn ist. Daß aber diese Bewegung dazu beigetragen habe, dem Verein zu schaden, wie der H. mit fast weinerlichem Ton ausführt, indem, die Geldsammlungcn des deutschen. Volkes dadurch möglichSriveise behindert worden, das kann Niemand mehr bedauern, als ich. Allein so wenig ich eine fotdjc Wirkung gewollt und beabsichtigt, so wenig hätte ich geschwiegen, hätte ich sie vorausgesehen. Die Heiligthümer des deutschen Volkes, die große gemeinsame Sache , des Vaterlands liegen mir gewiß ebenso sehr am Herzen als dem Verein; allein dieser Sache wird nur mit reinen Mitteln und mit klarer, geistesheller Auffassung gedient. Gerechtigkeit und gesunder Menschenverstand sind mindestens zwei eben so hohe Dinge, als eine Geldsammlung für die Kasse des Vereins. . Da der H. gegen meine ruhige, leidenschaftslose und streng objektive Darstellung der Sachlage nicht anzukämpfcn vermag, so findet er es desto bequemer, mich der Wuth, der Bitterkeit, der Gereiztheit zu beschuldigen. Wenn ich meine.bezüglichen Mitthcilungen noch einmal überlese, so begegnet mir nur eine Stelle, welche eine solche Auffassung möglich machte-,, und das ist jene Stelle, die von der Geist- und Gehaltlosigkeit des H. spricht. Alleinzu einem so nahe liegenden'Ausspruche bedurfte es in der That weder der Gereiztheit noch sonst eines aufregenden Momentes. Was für schöne Seelen sind dies, welche die gelassene Sprache der Gleichgiltigkeit für Wuth mißverstehen! Wer ihre Bücher nicht liest, ihre Verse nicht lobt, auf ihre Worte nicht schwört, heißt sofort ihr Feind, ihr grimmigster Verfolger. Wäre aber auch dem so, daß ich das Londoner Organ nicht allzu zart behandelt hätte, wer dürfte mich nach dem ersten Auftreten desselben gegen mich deshalb verdammen! Die Klagen der Redaktion erinnern unwillkürlich an die ähnlichen Beschwerden des Junkers Christoph von Bleichenwangen in Shäkespeare's Viola (IV, 1): „Ich will eine Klage wegen Prügelei gegen ihn anstellen, wenn noch Recht und Gerechtigkeit in Jllyrien ist. Hab' ich schon zuerst geschlagen, das macht nichts." Die Dringlichkeit dieser thatsächlichcn Berichtigungen ist es, die mich abermals auf den Schauplatz der Oeffentlichkeit gedrängt hat; und um dieser Berichtigungen willen ersuche rch auch andere geehrte Redaktionen, meiner gegenwärtigen Erklärung Aufnahme zu gewähren. Die persönlichen Ausfälle des' H. würden diese neue Kundgebung niemals zur Folge gehabt haben. Schon bei meinem ersten Auftreten bemerkte ich ausdrücklich, daß ich meine eigene Persönlichkeit der Redaction völlig preis gebe; denn nur um eine Feststellung dcr Thatsachen sei es mir zu thun, nicht aber darum, meine Ehre gegen den H. zu wahren. Wie es einem so edlen Gegner geziemt, so hat der Letztere von diesem Zugeständniß den weitesten Gebrauch gemacht. Von dem Tone und Charakter seines jüngsten Angriffs mag etwa die sine Probe gelten, daß er meinen Namen von Heinnch'Zirndorf in „Hans Zirndorf" parodirt; und selbst zu diesem Aufwande von Witz und Humor hat es für ihn einer leidenschaftlichen Aufwallung bedurft. Und eben weil die Redaction es für statthafter gefunden, mich zu beschimpfen als zu widerlegen, so ist durch ihre verschiedenen Artikel die Frage um keinen Fuß breit gefördert und nicht ein Jota von meiner Beweisführung hinweg räsonnirt worden. Mir aber bleibt nichts übrig, als meine gegenwärtige Erklärung, die ich als mein letztes Wort in der besagten Angelegenheit bezeichne, der Prüfung und Würdigung unparteiischer Leser zu empfehlen und gegenüber den Schemgründen der Redaction meinen Protest gegen die Amnuthung „eines jüdischen Helfershelfers" nur um . so kräftiger zu wiederholen. Den H. aber mit Gründen zu bekämpfen, gebe ich als hoffnungslos auf, und so sehr Ernst ist es mir, ihm fortan das Feld allein zu überlassen, daß ich schon im Voraus allen Unglimpf und alle Pöbelhastigkeiten bescheinige, die es der Redaktion gefallen wird, abermals über mich auszugießen. Manchester, den 25. Juni 1865. Heinrich Zirndorf. Druck von I. B. Hirsch seid in Leipzig.