Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1865)
- Date
- 1865-06-13
- Page
- Seite 363 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226473-3226498--23100-3250390- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
von Wien eingewandert, den denkwürdigen Kern und Stamm der hiesigen jüdischen Gemeinde gebildet hatten. Jener Herrschet Benjamin (Frankel), dessen die Urkunden und Gemeindetraditionen als eines Mitbegründers und ausgezeichneten Vorstehers der neu constituirten Gemeinde gedenken und dessen weitverzweigte Nachkommen seit länger als einem Jahrhundert (jetzt zum Theil unter anderen Namen: Friede, Magnus u. s. w.) zu den angesehensten Familien der Hauptstadt gehören, war sein Urgroßvater. Durch die Übersiedelung seines würdigen und gelehrten, ein stilles Asyl für seine Studien suchenden Vaters bereits in den achtziger Jahren von Berlin nach Dessau versetzt, fand der junge Mann dort unter der Regierung des hochsinnigen Fürsten Franz die mannigfachste Anregung und Gelegenheit, seinen trefflichen Anlagen eine vielseitige, gründliche und harmonische Ausbildung, seinem Gemüth jene ernste Richtung auf edle und große Ziele, auf das wcrkthätig Humane und Philanthropische zu geben, welche bis zu seinem Ende der anerkannte Grundzug seines Wesens geblieben ist. Was er in diesem Sinne und dieser Richtung, begabt mit reichen Kenntnissen, publizistischer Befähigung und einem ausgezeichneten Organisations-Talent, vor Allem aber ausgerüstet mit dem herzgewinnenden Zauber einer in seltenem Grade eindrucksvollen, durchaus weltmännischen Erscheinung und Persönlichkeit, als Direktor der berühmten Franz sch ule, als Konsistorialrath in Kassel, als Herausgeber der weithin verbreiteten, deutsche Cultnr bis in die entlegensten Winkel Rußlands tragenden Zeitschrift „ Sulam it h " von frühester' Jugend an namentlich für die Verbesserung der Lage seiner Glaubensgenossen und für die Hebung und Veredlung ihrer früher so vernachlässigten Bildung und Erziehung in umfassendstem Maße und mit eben so besonnenem als unermüdlichem Eifer beinahe sechzig Jahre hindurch geleistet und geschaffen hat, gehört der Culturgeschichte an und dürfte nur in einem ausführlichen Nekrologe darzulegen sein. Seine erfolgreiche literarische und pädagogische Thätigkeit, ein fortwährendes Ausstrenen edlen Samens, griff wie sein Name und Einfluß weit und tief über die Grenzen Deutschlands hinaus, und in seinem Nachlasse muß nothwendig ein massenhaftes Material interessanter Briese von der allgemeinen Hochachtung zeugen, deren er sich erfreut, und von den freundschaftlichen Beziehungen, in denen er zu einer großen Zahl bedeutsamer Männer christlichen und jüdischen . Glaubens gestanden hat. Seine Schüler! und Zöglinge, von denen viele schon erwachsene Enkel haben, und unter denen ein nicht geringer Theil durch seine persönlichen Bemühungen und Opfer aus Armuth und Verwahrlosung auf den Weg der Bildung und des Wohlstandes geleitet worden ist, zählen nach Tausenden und sind als Gelehrte, Kaufleute, Künstler-und Handwerker über die verschiedensten Länder und Theite der Erde zerstreut, wie sie vielfach aus den entferntesten Gegenden seinen stets mit vorzüglichen Lehrkräften versehenen Anstalten zugeströmt sind. Einen sehr freundlichen Abschluß fand sein gesegnetes schulmännisches Wirken am 5. November 1849, wo auf Befehl Sr. Hoh. des Herzogs und des Herzogl. Staatsministeriums das 50jährige Jubiläum dieses ehrwürdigen Staatsdieners im Beisein der Herzogl. Familie in eben so glänzender als erhebender Weise gefeiert wurde. Länger als sechzehn Jahre hat er diesen höchsten Ehrentag seines nicht immer kampf- und schmerzlosen Daseins in verhältnißmäßiger Rüstigkeit überlebt. Wie tief und schmerzlich sein Heimgang in seinem nächsten Wirkungskreise empfunden wurde, zeigte der unabsehbare Zug von christlichen und jüdischen Einwohnern, welche sich an dem feierlichen Leichenbegängniß beteiligten. Am Grabe gaben der dessauische Gemeindeprediger Dr. Philippson, der aus eigenem Antriebe herbeigeeilte Dr. Herxheimer, sowie der jetzige Direktor der Franzschule, Dr. Rasmus, in iwarmen und ergreifenden Schilderungen der Ueberzeugung Ausdruck, daß hier nicht blos ein reichbegabter und verdienter Förderer deutscher Gesittung und Aufklärung, sondern einer der reinsten und liebenswürdigsten Charaktere, ein wahrhaft frommer und edler Mensch dahingegangen sei. Preußen. Aus Westfalen, im Mai. (Privatmitth.) Eine auffallende Ausnahme macht die Shnagogengemeinde Münster (wo die Lehrerbildungsanstalt ist) darin, daß sie von den Lehrern Cultussteuer erhebt. Eine beim Vorstande eingereichte Beschwerde zur Abstellung des Mißverhältnisses hatte das Unglück, .nur wenige Repräsentanten zur Berathung, d. h. zur Ablehnung zu finden. Dank verdient dagegen die humane Gesinnung des ehrenwerthen Vorstandes. Er ersuchte den VrcM der Repräsentanten, eine nochmalige Repräsentant^