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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-16 · Heft 20 (16.5.1865) · p. Seite 309

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 20 (16.5.1865)
Date
1865-05-16
Page
Seite 309 (sequence 11)
Language
German
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S«)9 blatteS gegeben.. Er enthielt. eine genaue Schilderung der Vorgänge zu Damaskus, im -Jahre '-1840/ ' Jvr Lause des XIII. m XIV) Brieses koutütt der Verst stäch mehreren Gegenständen auf die Eroberung von Algier und deren Folgen für die. dortigen Juden. Wir theilen hierüber seine Worte mit. Die israelitische orientalische Frage, oder um klarer zu sprechen, das Jntereffe, welches den europäischen Israeliten die'Lage ihrer Glaubensgenossen in den muselmännischen Staaten einflößt, erhielt ein Moment der Dringlichkeit für die französischen Juden durch die Eroberung, roelche ihr ruhmreiches Vaterland in Afrika soeben gemacht hatte. Algier war seit 183.0 ein französisches Land, und Karl X., sowie der Marschall Bvurmont hatten per .Julimonarchie die schwierigste Aufgabe hinterlaffen, eö zu unterwerfen-und zu organisiren. So tveit auch die französische Armee im Innern des Landes vordrang, überall begegnete sie Juden und überall waren. diese Pionire der Civilisation so glücklich, der schimpflichen Herrschaft des Dehs und seiner Soldateska' entledigt : zu . sein. Wir können es laut sagen': überall in diesen Gegenden sind die Juden, selbst die unwissenden, die" besten Helfer ' der Civilisation; durch den Handel und die Transaktionen gelange« sie leicht dahin, wozu unübersteigliche Hindernisse andern Unternehmern den Weg versperren, und ihre Wünsche, ihre Interessen, wie ihr Glaube^ drängen sie nach dem Lichte hin. Diese Bemerkung hat sich in Algier wie auch in andern Landern bewahrheitet. Die Juden sind das orientalische Volk im Occident und das occidentalischste im Orient, oder mit andern. Worten, sie sind diebesten Vermittler der wahren: Civisation. In Algier und Blidah zunächst später in Oran,.seit 18.38 in Konstantine und endlich in Mascara und Flemcen wie in Medeah und Milianah, in Setif und ) in ' Bona Me in Lagouat und in Djema-Gazouat, aus de« Grenzen von Tunis wie auf denen von Marokko, unter allen Stämmen und in allen Douaron, bei den Kabylen und den Arabern wie in den Oasen der Beni Mezab, überall fanden unsere Feldherrn diese Juden; fast alle ExpeditionScorps hatten Juden als Dolmetscher, manchmal Kinder, vom 12 bis 15 ^?hren, die in kurzer Zeit die französische Sprache erlernt hatten, und sich so außerordentlich nützlich machten. Die Zahl dieser Bevölkerung, sowohl ansäßig als auch nomadisch, kann aus wenigstens 35000 Seelen geschätzt werden. , Unsre GlaubenSgenoffen hatten ihren festen Wohnsitz in den Orten, die ich soeben aufgezählt habe, und die herumziehenhen Familien' wanderten durch die arabischen und kabhlischen Zelte, um die Wolle zu kratze« und Kleinodien in Gold und Silber zw verfertigen^ zwei Handwerke^,- die sie allein in allen diesen Landstrichen ausübten. Man fand selbst eine gewisse Zahl,^ die de« Krieg nach Art der übrigen Araber führten, von denen sie sich weder durch die Kleidung, noch, durch die Sprache unterschieden; der Kapitain Boiffonnet, jetzigen Oberstlieutenant zeigte mir 1845 als Chef des ärabischen Bureaus von Konstantine einen arabischen Juden, welcher schon mehr als hundert Jahre.zählte-und tapfer iu siebenundzwänzig Expeditionen seines Stammes gekämpft hatte. Die Revolution, die durch die Okkupation Uttd dann durch die französische Eroberung iu dem Leben,. in der Finanzekonomie, in der Umgestaltung von Allem, was die Organisation der jüdischen Gemeinden betrifft, hervorgebracht wurde, war ungeheuer. Die Eapitulätion von 1830 hatte den eingeborenem Juden und den Muselmännern (außer den europäischen Coüsulen gab eS keine Christen) ihre. Rechte Wohl gesichert; aber das Leben und seine Bedürfnisse,' die Gesellschaft, und .ihre Gesetze, Alles änderte sich mit der Zeit gänzlich. Alles deforganisirte sich, die alten Bande lösten sich,' theilS Weil sie veraltet waren, theils aus Schwäche, ohne düH neue Bande ersetzt zu) werden. Herr Jsaac Altaras, einer unsrer verehrten Freunde, den wir noch zu besitzen dasGlück haben, seit: vielen JahrenPräsiventdesConsistoriums von Marseille, wo er eines der ehrenwerrhesten Handelshäuser gegründet , hatte, in Alezzo gehören, aber in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts nach Frankreich Lbergesiedelt,) dadurch am besten geeignet, eine regelmäßige Verbindung mit unfern Glaubensgenossen dieses Landes zu eröffnen, mit denen er seit mehreren Jahren in Geschäftsbeziehungen sieht,' übernahm es,, sich 1844 nach Algier zu begehen um daS Land zu besuch n, wohin er sich von einem jungen und sehr fähigen Advokaten und Glaubensgenossen aus Aix, Herrn Joseph'Cohen begleiten ließ. Ma er noch nicht in das Innere des Lande- Vordringen konnte, besuchten sie Algier, O> an und Bona, die Häfen der drei Provinzen; die Belichte, welche sie über diese erste Jnspicirung milbrackten, wären außerordentlich werthvoll und ermöglichten alle Maßaah» men,,die zum Jntereffe unsrer Brüder erforderlich wurden. IQ**

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