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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-09 · Heft 19 (9.5.1865) · p. Seite 290

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 19 (9.5.1865)
Date
1865-05-09
Page
Seite 290 (sequence 8)
Language
German
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wählen sein werden. Das Wahlrecht-besitzt ein jedes Gemeindemitglied, welches 5 fl. jährlich in die Gemeinde- Kasse entrichtet; wählbar aber sind nur jene, welche 20 fl. jährlich zahlen. Man ist hier ganz natürlich höchst, gespannt auf das Resultat dieser neuen Wahlen, und herrschen über denselben Conjecturen. Die wahrscheinlichste und untrüglichste von allen derselben dürfte sein, daß ein großer Theil jener wahrhaft verdienstvollen Männer, die vor 3 Jahren mit so vielem.Takte unserer Gemeindeangelegenheit leiteten, jedoch der Nothwendigkeit weichen müßten, miteclatanter Stimmenmehrheit wieder gewählt werden dürften. Aber auch ein bedeutender Theil des jetzigen Vorstandes soll einer zu Stande gekommenen Fusion zufolge weiter im Amt verbleiben. Und so hoffen wir, daß der alte Friede, der jetzt in unserer Gemeinde ungetrübt geherrscht, wieder dauernd in unsere Mitte einziehen wird. Prediger Mannheimers Tod hat auch alle Gemächer tief erschüttert, und werden fast in allen bedeutenden Gemeinden Ungarns Hesped's für den edlen Dahingeschiedenen gehalten. Auch in der h. großen Synagoge fand zu diesem Behufs ein recht feierlicher Gottesdienst statt und haben die herzergreifenden Worte unsers Oberrabbiners sowie der melodische Klagegesang unsers meisterhaften Obercantors Friedmann allen Anwesenden Thränen und Seufzer entlockte Der hies. Großhändler C. & Posner, der als Schulwohlthäter sich in unserem 'Vaterlande einen Namen erworben, hat vor wenigen Tagen neuerdings dem Ofner, königl. Oberstudiendirector Fesztl Schulrequisiten im Werthe von 500 fl. zur Verkeilung an arme Schulkinder vertheilt. Möge dessen Mes Beispiel häufig Nachahmung finden. kl—g. Fünfkirchen, 16. April. (Privatmitth.) Unter den israelitischen Gemeinden, welche Sinn und Verständniß haben für den großen Verlust, der uns durch den Tod Mannheimers getroffen, zählt auch Fünfkirchen. Kaum war die Trauerkunde zu.-uns herabgelangt, bestieg unser Rabbiner Ehrlich die Kanzel, um in beredten Worten den schmerzlichen Gefühlen seiner Gemeinde und seiner eigenen Stimmung Ausdruck zu geben. Redner dachte vornehmlich der letzten Lebensperiode des theuern Hingeschiedenen und des traurigen Kampfes, welcher ihm von Seite der Finsterlingen eben für die letzte Zeit seines Lebens Vorbehalten war. Tief ergriffen von dem momentanen Schmerze vermochte Redner sein reiches Thema nicht zu erschöpfe n;und er behielt sich eine eingehendere. Charakterisirung Mannheimers auf einespätere Zeit vor. So kam es, daß wir am 1. Osterfeiertage abermals von dem geliebten Tobten und von feiner Bedeutung für das Judenthum, von seinem reichen Leben und von der weisen Verwendung desselben sprechen hörten. Wir zollen unserem Herrn Rabbiner unfern Dank für diese gelungene Darstellung. Das theuere Andenken Mannheimers wird niemals aus. unserer Mitte schwinden; mögen die Saaten, die er in so reichlichem Maße gesät, auch unter uns, zur Verherrlichung unseres Gottesdienstes, zur Hebung des Gemeindelebens Früchte tragen. — vr. Schulhof. Neu-Werbaß, in Ungarn, 10. April. (Privatmitth.) (Durch Zufall verspätet, aber dennoch zeitgemäß.) Am 19.V.M. feierte Seine Hochwürden, , Herr Jakob Becker, Senior der Protestanten Augsb. Confesfion in den Comitaten Bäcs-Syrmien, zugleich Ortspfarrer allhier, das Jubiläum seiner 25jährigen Amtswirksamkeit, und lud zu dieser Feier auch hiesige Israeliten ein, was gewiß ein sehr schöner Beweis est von dem, diesem hochwürdigen Seelsorger innewohnenden vorurtheilsfreien Geiste. Wie wohlthätig das Beispiel eines solchen, von wahrem Gottesgeiste erfüllten Mannes zu wirken vermag, dafür bietet auch das gesellige Leben zwischen Christen und Juden allhier einen erfreulichen Beleg. Der Herr Senior ist nämlich auch Präses des hiesigen Lesevereines, dessen Mitglieder alle Confessionen und Schichten der Lokalbevölkerung repräsentirend, ungefähr zur Hälfte Juden sind, und ist der genannte Herr Präses, anerkannter Maßen die Seele des wahrhaft kordialen Tones, der in dem sozialen Verkehre zwischen den, verschiedenen Confessionen angehörenden Mitgliedern allda herrscht; ganz entgegengesetzt dem Wesen jener pietistischen Fanatiker, die , wie. die öffentlichen Blätter vor nicht langer Zeit mittheilten, ihre Lust in der Gründung confessioneller Lehr- und anderer : Vereine finden, wodurch aber keine wahre Vereinigung, sondern vielmehr Entzweiung zwischen Menschen und Menschen bewirkt wird. Die Humanität des mehrgedachten hoch würdigen Herrn Seniors aber, welche nach dem Prophetenworte alle Menschen als Kinder des Eineu Allvaters be- . trachtet, ist ein fruchtbares Saatkorn jener herrlichen zukünftigen Zeit, von der, wie auch Sie, hochgeehrter

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