Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1865)
- Date
- 1865-04-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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29. Jahrgang. Al l i tu int .M 15. Zeituna des (SR Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 11. April 1865. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstag-, in l1/* bi» 2 Bogen. Prelde» Jahrgang» 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Rgr. Vierteljährig 22^2 Ngr. Inserate werden mit-l'/s Ngr. für die Prtitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für ^/r Bogen 3 Thlr. . für */4 Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung»- Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich da» König!. Sächs. Haupt-ZeitungS-Bureau hier unterzogen. n h alt. Leitende Artikel: Polemisches. — Rom und die Juden. ^Fortsetzung.) .. . Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig. Preußen: Aachen. Oesterreichischer Kaise'rstaat: Wien, Lcm. berg, Graz (Steiermark),. Hohenems. Correspondenz: Jüdische Briefe von Albert Cohn. VII—IX. (Fortsetzung.) Leitende Artikel. Bonn, 26. März. * Uom und die Juden. x... (Fortsetzung.) Nichtsdestoweniger giebt es Augenblicke, wo die Päpste, menschlicher als die Principien, welche sie vertraten, zur Hebung der jüdischen Literatur beitrugen; so verbrachte der berühmte Abraham-ben-Esra eine Zeit fernes Lebens zu Rom. So schrieb dort der Rabbiner Nathan den Aruch oder das talmudische Wörterbuch, so veröffentlichte im Anfänge des 16. Jahrhunderts eine jüdische Druckerei zu Rom die bemerkenswerthesten Bücher. Wir begegnen selbst unter den zahlreichen Päpsten, welche in Rom einander folgten, den wohlwollenden Namen Martinas V. im Jahre 1429 und Pius' IV. im Jahre 1562, dessen Herz von so vielem Elend und von so vielen Leiden gerührt wurde, und dessen Andenken noch jetzt im Ghetto^ gesegnet wird; aber ihre Gedanken wurden durch die souveränen Maßregeln der Gewalt vernichtet; und wenn man die Zeit von 1809 bis 1814 ausnimmt, während welcher die Juden von der französischen Regierung wie die andern Bürger behandelt wurden, trifft man nur auf Unterdrückung und Quälereien. Zu jenen beiden Namen muß man den Beginn der Regierung des jetzigen Papstes hinzufügen. In den ersten Monaten seiner Regierung führte er wohlwollendere Grundsätze ein, die leider nach seiner Rückkehr aus Gaeta das Schicksal aller liberalen Maßregeln theilte, ohne daß man der jüdischen Bevölkerung den geringsten Vorwurf hätte machen können, sie hätte diese Güte oder vielmehr ein Gefühl der Gerechtigkeit, gemißbraucht, welches den Papst veranlaßte, seine jüdischen Unterthanen wie wirkliche Menschen zu behandeln. Indem ich alle Ideen zusammeufasse, die bei der väterlichen Regierung in Rom in Betreff unserer Brüder herrschen, finde ich als Hauptgrundsatz: die Juden in ihren eigenen Augen zu erniedrigen nnd sie des Ehrgefühls zu berauben, indem man sie von allen Bahnen ausschließt, die sie eines Tages zu persönlicher Würde führen könnten. Um sie von der Berührung mit ihren Mitbürgen zu entfernen, hat man sie wie wilde Thiere, in eine besondere Umzäunung eingeschloffen mit Thoren und Riegeln, die erst seit einigen Jahren entfernt sind: diese Ausnahmsmäßregeln wurden nur unter dem wohlwollenden Vorwände genommen, man wolle sie vor der Böswilligkeit und der Mißhandlung der christlichen Bevölkerung schützen. Aber diese Behaup-