Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1865)
- Date
- 1865-04-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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29; Jahrgang. U s l g t M t i N C 1b Zeitung des Audenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von ' Rabbiner Dr. Ludwig Phrlippfon in Bonn. Leipzigden 4. April 1865. > Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstag'», in 1*/, bis 2 Bogen. Preis de- Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr/ Vierteljährig 22'/r Ngr. Inserate werden mit l'/rNgr. sür die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Betlagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr.) für ^/r Bogen 3 Thlr., für 1jt Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt» Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt.Zcitungs-Wureau hier unterzogen^ Inhalt Beitende Artikel r Rom und die 'Juden. . —. Isaak' Rva : Mannheimer. —. Literarischer; Wochenbericht. . —; . Zerürngsnachrichten: Deutschland: Tauberbischofsheim. ' Preußen: Aus Westfalen 'O österreich isch er Kaiser.sta at: Aus Böhmen,. Aus dem Tokayergcbirgd. Frankreich: Paris. Italien: Aus.Oberitalien. Dänemark: Kopenhagen. Amerika: Brüssel/ Correspondenz: Jüdische Briefe von Albert Cohn. VH—IX. Leitende Artikel. Bonn, 26. Marz. Rom und die Juden. Bor kurzem erregte es die öffentliche Aufmerksamkeit, daß der Bischof Dupanloup in seiner Vertheidigungsschrift der Cncyklica als einen Beweis der päpstlichen Toleranz die menschenfreundliche Behandlung der Juden in Rom anführte. Man war um fo mehr erstaunt hierüber, als es hinlänglich bekannt ist, wie die Lage unserer Glaubensgenossen in der Hauptstadt der katholischen Welt die drückendste und erniedrigendste, ja bis an Grausamkeit grenzende ist. Der Widerspruch in den öffentlichen Blättern hielt jedoch den Cardinal de Bonnechose nicht ab, in seiner Rede, die er im französischen Senate am 14. d. hielt, sich in gleicher Weise auszulassen. Er sagte: „In einigen Blättern hat maw nichtswürdige Verleumdungen gegen das Papstthum geschleudert, z. B. der Papst halte die Juden im Ghetto wie Gefangene, der Ghetto sei ungesund und hauche eine ' mör.derische Luft, aus. Wenn einst die Päpste den Juden ein besonderes Stadtviertel anwieseri, ssv AMah es, um sie den Beschimpfungen und Rohheiten der Christen zu entziehen. Wenn aber heute die Juden fortfahren, den Ghetto zu bewohnen, so thun sie es aus freien Stücken und aus Interesse. Denn die Hauseigenthümer im Ghetto dürfen die Miethe nicht steigern, so lange die Juden Miether sind. Auch ist der Ghetto nicht ungesund, während der letzten Cholera-Epidemie in Rom blieb der Ghetto allein verschont. Daneben besteht der Umstand, daß die Juden im Ghetto ihre Synagoge haben und dort ihren Gottesdienst verrichten. Man hat dem Papste Vorwürfe darüber gemacht, daß er die Juden nicht in den Gemeinderath von Rom berufen hat; die Juden haben eben ihren eigenen Gemeinderath, und ein besonderer Prälat ist als Mittelsperson zwischen den Juden und dem heiligen Vater bestellt. Nein! Niemals hatte das Papst-, thum die Gewohnheit, Andersgläubige zu verfolgen." Wir sind dem Herrn Cardinal dankbar dafür, daß er sich des Wortes „nichtswürdige Verleumdungen" bedient — denn er gibt damit seinen eigenen Abscheu gegen eine solche Behandlung Andersgläubiger zu erkennen. Leiber aber sind es keine „Verleumdungen", sondern im Gegentheil ein jeder feiner Sätze enthält eine Unrichtigkeit, und wir wollen nur gern annehmen, daß er über die Thatsachen falsch unterrichtet worden. Wir geben