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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-03-21 · Heft 12 (21.3.1865) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 12 (21.3.1865)
Date
1865-03-21
Page
Seite 176 (sequence 2)
Language
German
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176 Napoleon Spanien, Holland, Neapel und einen großen Theil Deutschlands seinen Brüdern und seinem Schwager als Basallenreiche.verlieh, dann Holland und Italien, ein Stück ^Deutschland und die Ostküste des adriatischen Meeres zu" Frankreich schlug, mit den Völkern wie mit Heerden Schlachtvieh umging, sie bald diesem bald jenem Herrscher ganz oder stückweise zuwarf, ihre Jugend und ihre materiellen Kräfte willkürlich seinen Plänen opferte, um ganz Europa unter feine Botmäßigkeit zu bringen? Wir geben zu, daß die durch Napoleon bewirkte Durchschüttelung Europas viel dazu beitrug, um aus den Staaten und Völkern veraltete Einrichtungen zu beseitigen und den erstarrten Geist zu wecken — aber welches unmittelbare Gut brachte er ihnen? Nicht die Freiheit, weder die des Volkes noch die persönliche, das wird Niemand dem napoleonischen Regime zuschreiben; nicht die Achtung und die Selbständigkeit der Nationalitäten, denn diese trat er mit Füßen, und selbst Italien und Polen behandelte er geradezu mit Hohn. Es bleibt nur eins übrig — die Gleichheit, die Gleichheit des Cäsarismus, und wie in Frankreich, so sollte aus allen europäischen Nationalitäten nur ein europäischer Volksbrei gemacht werden. Nichts regte den ersten französischen Kaiser mehr auf, als jede Regung des Nationalgefühls; gegen dieses kannte er keine Schonung, keine Nachsicht. Und welch Zeugniß von. ihrer Befriedigung gaben dann auch die Völker Europas! Der Krieg der Portugiesen und Spanier gegen die Franzosen auf Tod und Leben; die Verwüstung, welche die Russen in ihrem eigenen Vaterlande, in ihrer eigenen Hauptstadt anrichteten, um Napoleon die Existenz in ihrem Lande unmöglich zu machen; die Erhebung des deutschen Volkes gegen das Fremdenjoch sind ,Zeugen, deren Stimme-durch die Geschichte laut wiederhallt. Und dies sollen „die Verschworenen Europas gegen Napoleon", die Freiheitskriege nichts Anderes als die Meuchlerdolche des Brutus, des Cinna und ihrer Genossen sein? Wer hatte Napoleon gezwungen, seine Heere nach den Eisfeldern Rußlands zu führen? Waren es nicht gerade die Fürsten, welche auch nach der Vernichtung der großen Armee in Rußland zögerten und zögerten, den Kampf gegen Napoleon zu beginnen und fast von ihren Völkern dazu gezwungen wurden? Der König von Preußen schwankte und zauderte lang, der Kaiser von Oesterreich unterhandelte Monate lang, die sächsischen Truppen gingen erst auf dem Schlachtfelde wider den Willen ihres Königs über. Dies kann man Me „Verschworene" nennen, ohne sich an dem geheiligten Rechte der Nationen zu versündigen, und sich selbst zum Mitverschworenen gegen jede Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Völker zu machen. Allerdings sind die Acten über die Geschichte Napoleons noch nicht geschlossen und der weltgeschichtliche Spruch noch lange nicht bis zur Publication des Erkenntnisses reif. Aber keinenfalls darf der Vertheidiger sich auf diese Weise zum öffentlichen. Ankläger machen. Jndeß bricht die Wahrheit stets auch durch die Worte dessen, der sie verhüllen will, unbewußt durch. Der Verf. meint, daß die Feinde Napoleons „sich mit der Maske der Freiheit bedeckt" hätten. Also gesteht er selbst, daß es doch der Ruf der Freiheit gewesen, dem die Völker damals in den Kampf gefolgt, daß ihre Führer das Banner der Freiheit den Völkern vorantrugen, und in . diesem Namen die Nationen gegen das erste Kaiserreich stritten. Daß nach der Meinung des Verf. dies von seiten dieser Führer nur eine Maske gewesen, thut zur Sache nichts: der Neffe gesteht selbst ein, daß die Nationen in seinem Oheim den Feind ihrer Freiheit sahen. Es gibt für die Völker eine äußere und eine innere Freiheit. Ein Volk will nicht, daß seine Festungen von den Soldaten eines anderen besetzt, seiner Industrie von einem anderen Vorschriften gegeben und Gewalt angethan, seine Jugend einem anderen dienstpflichtig, seinem Geiste von einem anderen der Weg decretirt und ihm Gesetze von dem Herrscher eines anderen auferlegt werden. Hiergegen erhebt es sich und erkämpft sich seine äußere Freiheit, d. i. Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Diese wurde jedenfalls durch die Freiheitskriege errungen. Was nun die innere Freiheit betrifft, so mag sie immerhin nach jenen Kriegen von den Fürsten behindert und aufgehalten worden sein: die innere Freiheit eines Volkes ist kein Geschenk eines Genies und keine Gabe eines Fürsten —sie muß von jedem Volke im Schweiße seines Angesichts erarbeitet werden, sie ist kein Besitzthum, das in den Schoß fällt, sie ist stets nur ein Werk der Entwickelung. Aber der Verf. sieht in dem Sturze Napoleon's wie in dem Tode Cäsar's noch etwas Anderes, gewissermaßen eine Sünde gegen den heiligen Geist, eine Sünde gegen das Genie. Er verlangt von den Völkern, daß sie das Genie ungehindert walten lassen und sich ihm willig unterordnen. Er schmäht auf diejenigen, welche sich in der Anerkennung des Genies nicht begeistern, preist die Völker glücklich, die sich der Leitung des Genies überlassen und nennt die blind und schuldvoll, welche sich ihm piderseM, Pies ist, mindestens gesagt, eine sehr

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