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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-03-14 · Heft 11 (14.3.1865) · p. Seite 170

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 11 (14.3.1865)
Date
1865-03-14
Page
Seite 170 (sequence 12)
Language
German
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unsere Sache, auch diesen Widerspruch mit dem oben angeführten päpstlichen Schreiben zu lösen. Palästina.; Bonn, im Februar. (PrivatMitth.) Soeben kommt uns wie Broschüre eines Dr. med.1 et phil. Zimpel (Frankfurt, 1865) zu, welche zuv Bildung einer Actiengesellschaft zum Bau einer Eisenbahnvon Jaffa nach Jerusalem und von da nach Betlehem auffordert. Er berechnet das-Anlagekapital einschließlich der 2'/ü Mill. Thaler, welche die Anlage eines neuen Hafens bei Jaffa erfordert, da der gegenwärtige wegen allzugroßer Unsicherheit einen Theil des Jahres gar nicht zu benutzen ist, auf circa 7'/2 Mill. Thaler. Die Entfernung von Jaffä nach Jerusalem beträgt neun deutsche Meilen, die von Jerusalem nach Betlehem eine deutsche Meile. . Die große Zahl der Pilger, welche jährlich nach Jerusalem strömen und die sich nach Beschaffung der'Eisenbahn um Vieles vergrößern würde, das Beispiel .wer ägyptischen Eisenbahn, die von den Eingeborenen . über alle Erwartung stark benützt wird und der zu erwartende Aufschwung der Industrie und des Handels verleihen dieser Eisenbahn eine bedeutende Aussicht. Jetzt führt nicht einmal eine fahrbare'Straße von dem einzigen Hafen Palästinas nach dessen Hauptstadt, und man kann nur zu Fuß oder auf irgend einem Vierfüßler den durch die Hitze im Sommer und den Regen und die Moräste höchst schwierigen Weg, durch, die Ebene Saron und den noch beschwerlicherer» über die schroffen Höhen der Berge von Juda zurücklegen, und muß jedenfalls ein Nachtlager. :m Ramleh macheru Trotzdem glauben wir, daß es angemessener wäre, vorerst eine Kunststraße zu projectiren, wie die Franzosen von Beirut nach Damaskus angelegt haben. .Die Gründewelche Herr Zimpel hiergegen aüfgeführt, konnten uns nicht überzeugen, .und um so weniger, -da. er zu1 sehr sonderbaren Argumenten seine Zuflucht nimmt. Er beruft sich nämlich auf die gegenwärtig vulkanische Beschaffenheit der europäischen Gesellschaft, die in kurzer Zeit zu einer. furchtbaren Explosion kommen werde; dann würde .eine allgemeine Vertreibung der Juden - eintreten, diese könnten nicht anders als nach Palästina sich flüchten, und würden da die Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem außerordentlich stark benutzen. ' Hierdurch sucht Herr Zimpel sowohl die Rentabilität seiner Eisenbahn, als .auch deren Vorzug vor einer Kunststraße. zu erweisen. -Dieser: Theil dek Auseinandersetzung flößt zu dem - praktischen - Theil seiner Broschüre'^ein-,großes Verträum iein. - ••5 Amerika. New - Aork, im Februar. Die israelill Bürger der Union haben, seitdem der Krieg begonnen, ein starkes Contingent zu den Heeren der Nordstaaten gestellt; die Zahl der Israeliten, die in die Reihen der Bundestruppen eingetreten, berechnet man auf wenigstens 60,000, darunter 12,000 aus Ohio, 5000 aus Illinois, 3000 aus Michigan. Asien. Smyrna, 4. Februar. Der „Köln. Ztg." schreibt man vom hier in einem .Correspondenzartikel ü. A.: „Die Juden werden nach dem Koran zwar nicht für schlechter gehalten als andere Ungläubige, aber die öffentliche Meinung und Tradition hatte ihnen seither im Orient doch immer die niedrigste Stufe zugetheilk Jetzt fängt es auch hier darin an, anders zu werden : der Glanz und das Ansehen, dessen sich das Volk Israel dermalen überall in Europa -zu erfreuen hatwirken bis hieher zurück, und es wird nicht lange dauern, daß das Ghetto, dieses hermetisch abgeschlossene Juden - Quartier, zu den historischen Ueberlieferungen gehören wird. Es haben sich in den letzten Jahren in den Hauptplätzen der Levante Juden als Großhändler und Banquiers etablirt, die von ihren Glaubensgenossen in Europa ausgiebige Unterstützung genießen.^ (Es ist dies der richtige „heimliche Rischus", der zwar die Juden nicht. ausrotten will, ihnen aber jeden freierer» ' Athemzug mißgönnt. Daß eine zahlreiche Menschenclasse sich aus tiefem Verfall und schweren Druck etwas aufrichtet, und Dank dem Lichte, eines humanerern Zeitalters seine Fesseln ein wenig ■ löst, macht solchen Leuten keine Freude, sondern sie sehen darin nichts als eine Beeinträchtigung ihrer selbst, denn das Stückchen Brot, das der Jude verzehrt, käme eigentlich ihnen zu. Es leuchtet dies besonders aus dem Schlußsätze hervor, der das Gedeihen industrieller Geschäfte bei den Juden der „Unterstützung europäischer Glaubensgenossen" zuschreibt. Jedermann weiß oder könnte doch wissen, daß ein jüdischer Baüqüier einen Wechsel nicht honorirt, weil er von einem Inden kommt-

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