Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1865)
- Date
- 1865-03-14
- Page
- Seite 165 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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105 : Art. 2. In den Fällen , in welchen bei Christen die Belehrung der Wichtigkeit des EideS durch den Seelsorger gefordert werden! kann, tritt bei Israeliten an dessen Stelle der Rabbiner oder ein jüdischer Gelehrter. Art. 3. In Ansehung der Vereidigung der jüdischen /Geschworenen und Zeugen bei schwurgerichtlichen Verhandlungen bleiben die, Vorschriften des Gesetzes vom 15. L)ct. 1850 maßgebend. Dagegen sind die für die Eidesleistungen der Israeliten eingeführt gewesenen sonstigen Förmlichkeiten aufgehoben. Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und des beigefügten landgräflichen Jnsiegels. Gegeben Homburg, den 21. Februar 1865. (L. S.) Ferdinand. vdt. Fenner. So geht das geringste deutsche Ländchen in dieser Sache Preußen voran, dem Preußen, das auf Intelligenz und auf sein Prädikat als Rechtsstaat so eifersüchtig ist!*) Die Landgrafschaft Hessen-Homburg zahlt auf ihren 4.33 O Meil. 27,374 Einwohner, worunter 1138 Juden. Bon diesen wohnen 607 in Homburg und 198 in Meisenheim. Bühl, im März. (Privatmitth. **) „Ist der Talmud ein kanonisches Buch?" Ueber dieses Thema hat der Herr Redacteur d. Bl. in Nr. 49 v. I. einen sehr gründlichen Artikel veröffentlicht; er hat dargethan, was kanonisch heißt und wie die im Talmud vorkommenden Legenden, Allegorieen, .Gleichnisse u. s. w. durchaus nicht den Charakter von Glaubenslehren und gesetzlichen *) Bekanntlich hatte sowohl die Staatsregierung als auch bas Abgeordnetenhaus für die Abschaffung des Judeneides gestimmt — aber das Herrenhaus den dessallsigen Gesetzentwurf abgelehnt, und voraussichtlich wird dies so bleiben, so lange dieses Herrenhaus bleibt. Die Redaction. - **) Als wir die Brunner'schen Sätze in Nr. 4 mittheilten, hielten wir es für genügend, sie als blasphemisch zu bezeichnen, und glaubten, daß jede Erläuterung nur ein Zugeständniß für die „Wiener Kirchenzeitung" wäre. Es kann so wenig ein Zweifel über die allegorische Bedeutung derartiger Ausdrücke im Talmud stattfinden, daß dies beweisen zu wollen uns ein Recht für das Gegentheil zu, sein schien. Der Grund, welchen der geehrte Correspondeyl angibt, bewegt uns aber, seine gedrängte Auslegung hier zu geben. Niemals sind jene Ausdrücke von den Juden anders verstanden worden, wie schon Jehüda ha — Levi im Kusri Abschnitt 3 und 4 darthut. ••.;'.v. Die Redaction. Bestimmungen an sich tragen^ Für den Denker und Borurtheilsfreien war nun mit dieser Erklärung genug geschehen; zu bedauern bleibt aber, daß es auch Juden gibt, welche ohne zu denken und voll Vorurtheil über den Talmud urtheilen, auf welche daher die Veröffentlichung der Brunner'schen Thesen in Nr. 4 d. Bl. l. A einen schlimmen Eindruck machen dürfte, denn da diese Sätze selbst mit Citirung der Bücher, worin sie "sich finden sollen und doch ohne alle Erläuterung mitgetheilt sind, so können wir nicht zu der Annahme verleitet werden, daß, wenn auch diese Sätze von den Juden nicht als bindende Lehren angenommen worden sind, so habe sie doch der Talmud selbst dafür gehalten und dies berechtige denn auch, seinen übrigen Inhalt zu be* zweifeln und nach Gutdünken zw verwerfen. Darum, verehrter Herr Redacteur! dürfte es nicht überflüssig, sein, ganz kurz und bündig jene Thesen zu beleuchten und ihren wahren Sinn zu zeigen. : 1. Gott ist durch das Berühren der Leiche Möses verunreinigt worden. Sanhedrin 39,1. — Diesen Un* sinn hat kein Talmudist sondern ein spöttelnder Sadducäer gesprochen; ein.Talmudist aber hat ihn mit gleicher Münze bezahlt und abgewiesen.! 2. Gott kann gebannt und gezwungen werden., etwas zu thun oder auch zu unterlassen. Taänith 19,1. Gänzliche Entstellung! denn loc. cit. ist nur eine Anleitung gegeben, wie. man in bedrängten Zeiten betey soll, um Gottes Barmherzigkeit zu erlangen. . 3. Gott habe! geweint und weine noch immer. Leraeliotb 3, 1. Ist ein allegorischer Ausdruck, wie.Gott mit Israel Mitleid hat; was freilich dem vr. Brunner mißfallen wird. 4. Gott habe in der Welt nur 4 Ellen Raum. Leraedolli 8, (nicht 11) 1. Dieser Ausspruch ist abgekürzt, damit eS eine Entstellung absetze.: Vollständig heißt er: Seit der Zerstörung des Tempels liebt Gott auch den kleinsten Raum, von 4 Ellen, wo das .Gesetz studirt wird; d. h. Gesetzesstudium ist ihm so angenehm wie! die Tempelopfer. : ' 5 und 8 sind Entstellungen von Aussprüchen, welche weiter nichts sagen wollen, als daß! Gottes heil. Vorsehung das Größte wie das Kleinste regiert und sichres Glückes der Menschen freut. -n ,- 9. Auch eine. Entstellung eines Ausspruches, welcher nur sagen will, daß Gott dem Menschen auch körperlich wohlgebildet und ausgestattet hatt- ' 6 und 7 kann ich nicht näher Leurtheilen,, da die