Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1865)
- Date
- 1865-02-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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29. Jahrgang. Allg k m ci n e JW 8. . Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner ttr. Ludwig Philippforr in Bonn. Leipzig, den 21. Februar 1865. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstag», in 1*/, bi« 2 Bogen. Preis des Jahrgang» 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/2 Ngr. Inserate werden mit l'/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebnhren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für }J% Bogen 3 Thlr.. für ’/* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung». Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt» Expedition für beide Letztere hat -sich das König!. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. i, Inhalt. Leitende Artikel: Die. Emancipation der Juden in Rußland. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Woche'n- : bericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover. Preußen: Berlin, Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Gr.-Becskerek, Proßnitz, Tokai. Frankreich: Paris, Paris. Belgien: Brüssel. Amerika: Baltimore. Ostindien: Bombay.— Correfpondenz: Briefe aus Rußland. (Schluß von I.) — Leitende Artikel. Bonn, 12. Febuar. Die Emancipation der Juden in Rußland. Die in ihrem Inhalt sich immer reicher entwickelnde „Nordische Revue" von Dr. Wilhelm Wolfssohn enthält im 1. Heft (Januarheft) ihres 3. Bandes einen trefflichen Artikel: „Die Juden in Rußland", den wir hier vollständig wiedergeben. Er lautet: „Es liegt uns eine Denkschrift vor, die, wie uns versichert wird, vor kurzem von einem russischen Rabbiner der. Regierung Alexanders II., richtiger dem betreffenden Ressortminister unterbreitet wurde und welche auf nichts weniger als die gänzliche Emancipation der Juden im großen Kaiserstaate anträgl. Das Factum selbst ist ein Zeichen der Zeit, um so beachtenswerther, als es gewiß zum ersten Male geschieht, daß ein jüdischer Seelsorger, der nicht nur für seine Stelle, sondern auch für das Wohl all seiner Glau-, bensgenoffen besorgt zu fein hat, eine, wenn auch noch so leise Opposition gegen das Bestehende wagt. Es fehlte wenig, daß nicht auch wir Anstand genommen hätten, von der besagten Denkschrift Gebrauch zu machen, in der Besorgniß, die Empfindlichkeiten der russischen Behörden anzuregen und dadurch dem Herrn Verfaffer, ja vielleicht auch der Sache selbst Nachtheil zu bringen. Diese Bedenklichkeiten konnten aber nur von. kurzer Dauer sein. Fragen von allgemeinem Interesse entziehen sich heute mehr als je der Geheimthuerei und wo ein vernünftiges Wort darüber gesprochen wird, wird es Gemeingut. Man sollte nun freilich meinen, es lasse sich nichts Neues mehr in der Sache sagen. In der Theorie ist der Satz: gleiche Pflichten, gleiche Rechte,- heute bereits von allen Staaten als Grundlage der ganzen.Gesetzgebung anerkannt und es bliche, .auf.denselben, gestützt, nichts als den Juden die Gleichberechtigung mit; allen anderen Staatsangehörigen zuzuerkennen, oder aber ihre Lasten um so viel zu verringern,'als ihre. Rechte vermindert sind. Da diese letztere wenigstens, relative Gerechtigkeit aus Opportunitäts- und anderen Rücksichten weber zu wünschen noch zu erwarten ist, so erübrigt! nur die wirkliche,, vollständige ■ bürgerliche und staatliche Gleichberechtigung in jedem Lande, dem es ernstlich dar-; um zu thun ist, seine Einrichtungen auf das obige, deck Rechtsbewußtsein unserer Zeit entsprechende Princip. zu j bästren. . , ' . ' :,V