Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1865)
- Date
- 1865-02-14
- Page
- Seite 96 (sequence 2)
- Language
- German
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lichungen dieser Leute eine wahre Schmach für die Juden sind. Man verstehe wohl, ihre religiösen Ansichten mögen seinwelche sie wollen, wir Haben gegen deren'Aussprache Har nichts. Ob sie sie wirklich im Herzen tragen oder damit nur die unwissende Masse blenden wollen, dies zu untersuchen, ist nicht unsere Sache. Sondern nur das Verfahren dieser Männer, ihre Art und Weise, ihre Mittel und Wege, ihr Benehmen und Gebaren, alles dies ist so fern von aller Religion und deren Vorschriften, von aller Sittlichkeit und deren Forderungen und von aller Bildung, auf die sie doch Anspruch machen, daß ein jeder Jude, der nicht zu den Blinden, Unreligiösen und Rohen gehört, sie weit von sich weisen, sie verabscheuen müßte. Dieses Verfahren muß aber doch auch innere Motive haben, weil es sonst nicht so andauernd sein könnte. Aber auchdiese liegen zu Tage. Das eine ist die innere Unfähigkeit, das andere ist die Herrschgier. Wer irgend einen wirklichen Inhalt hat, irgend eine Fähigkeit besitzt, wen von innen der Geist treibt und drängt und wem die schaffende Kraft in der Seele wohnt — der genügt sich nicht lange mit Schreien und Schimpfen, mit Anklagen und Verketzern, sein Wesen zersprengt die unter ungünstigen Umständen rauh und dornig gewordene Schale und bringt den tüchtigen Kern ans Licht; der will vor allem schaffen, mächtige Gedanken, gewaltige Gefühle der Welt übergeben und ihnen Platz erringen. Aber der Unfähige, der Impotente, dessen ganzer geistiger Besitz in einigen überkommenen und abgenutzten Formeln besteht, der vermag nichts weiter als zu poltern, zu beleidigen, zu schreien und, weiter schreitend, zu allen Mitteln der Bosheit und Schlechtigkeit zu greifen. Diese Unfähigkeit haben denn auch die Neuorthodoxen genügend erwiesen, nichts haben sie producirt, was nur den geringsten Geisteswerth hätte und ihre ganze Kunst besteht in plumper Nachahmung, wie sie denn nicht einmal die Scham besitzen, im Nachtreten derer, welche sie täglich verketzern, bis auf Format und'Typen diese ihre Impotenz zu erkennen zu geben. Das zweite Motiv ist die Herrschgier. Sie wollen an der Spitze der Gemeinden stehen; sie wollen die geistlichen und weltlichen Aemter der Gemeinde haben, über ihre finanziellen Mittel verfügen, die Masse beherrschen, ihre Verwandten befördern und die Anbetung der Unwissenden besitzen. Da sie nun hierzu durch ihre Unfähigkeit nicht gelangen können, so muß es auf jede Weise versucht werden. Darum schreien sie nach dem Schisma, darum bewerfen sie jeden mit Koth, der nicht für sie ist; darum sind sie die geschworenen Feinde jedes Verdien^ stes, jedes Talentes, jedes Werkes.^ Die'Sache der Religion, ja dev Ansichten selbst, die ffe |itr -ineaus* geben, ist ihnen sehr gleichgiltig, sobald sie nicht von Händen gefördert wird, die zu ihrer Verschwörung gehören. Sie wissen sehr wohl, daß sie sich eine allgemeine Geltung niemals verschaffen werden; sie wissen, daß sie nur da existiren können, wo weder die Altorthodoxie noch die Cultur vorherrschend ist, vielmehr allein an Zwischenorten, in Zwischenräumen und bei halbschlägigen Personen Raum gewinnen. Allein deren gibt es doch; unter diesen befinden sich auch Leute, die Geld haben und Geldopfer nicht scheuen, und von diesem Punkte aus fangen sie ihren unsauber» Krieg an. Doch es sei mit dieser kurzen Skizzirung genug; kostet es uns doch Ueberwindung, auf diese Menschen nur zu blicken, und wir eilen zum Schluß, weil wir doch nicht umhin können, noch einige Blicke auf die vorliegende Broschüre des nicht blos „offenen", sondern nach seiner Angabe auch „ehrlichen" Mannes zu werfen, damit er uns nicht beschuldige, Vorwürfe aus der Luft gegriffen zu haben. Wir wollen nur einige Proben von ihm geben. Mit welcher augenverdreherischen Weihe spricht er von der erhabenen Andacht des alten jüdischen Gottesdienstes, von den Geistesschwingungen, welche jeden einzelnen Juden dabei emportrugen und mit welcher Frechheit spricht er dem geordneten und umgestalteten Gottesdienste alle echte Weihe, allen religiösen Eindruck, alle nachwirkende Erhebung ab! Nun, wir wissen uns noch sehr gut zu erinnern, wie der Ausdruck „Judenschule" ein Spottname für alle Unordnung und alles wüste Wesen war; wir wissen noch, welch ein todtes Herplappern, Singen und Schreien für. die allergrößte Mehrzahl unser Gottesdienst war, welch ein Herein- und Hinausschwirren, welch Geschwätz und Gelärm selbst bei den heiligsten Ceremonien, und daß in diesem cultuellen Chaos nur immer vereinzelte Beter sich Weihe und Andacht sammeln konnten. — Wir wissen, daß darum der jüdische Gottesdienst, das ganze Judenthum sammt den Rabbinen bei einer großen Zahl Juden in völlige Verachtung gekommen, die Gotteshäuser leer, der Abfall vom Judenthume häufig wurde, und daß es unsägliche Anstrengungen gekostet hat und noch kostet, um aus diesen von der Orthodoxie verschuldeten Zuständen herauszukommen. — Was sich hierin gebessert hat, ist lediglich den rastlosen Bemühungen derer zu verdanken, welche die neuorthodoxen Heuchler, die, wenn sie herrschend würden, bald