Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1865)
- Date
- 1865-01-24
- Page
- Seite 55 (sequence 9)
- Language
- German
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55 In Wittkowo ist, wie wir erfuhren, aÄ'18. Oct. d. I. das neue Schulgebäude durch Gesang, Gebet und Rede festlich eingeweiht worden. Als Redner fungirten der Bürgermeister des Orts, welcher mit der Ehre des „Hausaufschließeys" betraut war, der Gemeinde-Rabbiner, der geistliche Schulinspector und der erste Lehrer der Schule. Die Feier war in jeder Beziehung eine höchst würdige. Bedenkt man, daß die Gemeinde Wittkowo zu den ärmsten im Großherzogthum gehört, so können die Opfer, die sie — um einem längst gefühlten Bedürfnisse abzuhelfen — mit dem Aufbaue des Schulhauses gebracht hat, gewiß nicht hoch genug angeschlagen und laut genug anerkannt werden. — Der in dieser Gemeinde vor etwa zwölf Jahren durch den Lehrer Wehl (jetzt in- Frankfurt a. d. O.) gegründete ^,Armen-Bekleidungs-Verein" wirkt immer noch segensreich fort, indem er zweimal des Jahres, zu Ostern und zu Michaeli, mindestens 12 arme Kinder mit vollständigen neuen Anzügen versieht. — Ob auch in Rakel das neue Schulhaus bereits eingeweiht, ist sem Ref. bis jetzt noch nicht bekannt worden. — In G n es e n ist seit der Anstellung des Herrn vr. Zuckermandl als Gemeinde-Rabbiner für den Religions-Unterricht aller jüdischen Kinder genügend gesorgt; denn Hr. Dr. Z. ertheilt diesen Unterricht nicht blos den Zöglingen der israel. Elementarschule sondern auch den jüdischen Schülern des dasigen Pro-Ghmnasiums sowie den Mädchen jüdischen Glaubens, welche die städt. höhere Töchterschule besuchen. Für den Religions-Unterricht an die jüd. Zöglinge des Pro-Ghmnasiums ist Herrn Dr. Z. im Gebäude dieser. Anstalt ein besonderes Local eingeräümt und wird er dafür auch aus der Communalcasse besonders honorirt. — In Lissa hat durch die Anstellung des Hrn. Dr. Baek als Rabbiner und Prediger nicht nur die Gemeinde einen ausgezeichneten Seelsorger sondern auch die Schule eine tüchtige Lehrkraft gewonnen , die Gemeinde-Elementarschule nämlich, in welcher von ihm ebensowohl der Religionsals auch der höhere hebräische Unterricht übernommen worden. Ob Hr. Dr, B. aber auch die jüd. Ghmnasiasten sowie die jüd. Schülerinnen der höheren Töchterschulen in der Religion rc. unterrichtet, hat Ref. bis jetzt noch nicht erfahren. — Die von dem Rabbiner der Brüder- Gemeinde zu Posen, Hrn. Dr. Perles, daselbst reorganisirte Religions schule erfreut sich großer Teilnahme und eines segensreichen Wirkens. So gern und freudig wir die Gelegenheit ergreifen, Thatsächen, wie die vorstehenden^ den Lesern Ihres gesch. Bl. mitzutheilen, so sehr muß es uns — und wohl alle für das jüd. Schulwesen sich warm Jnteressirenden — schmerzen und betrüben, aus der Mitte einer jüd. Gemeinde des GroßherzogthumS zu vernehmen, wie ihr eigener Vorstand „an dem Ruine der Schule arbeitet", indem er — um die Ausgabe für einen dritten Lehrer zu ersparen — der dortigen Missionsschule ein Classenzimmer im jüd. Schulhause einräumt, dem Aüfsichtsrechte so gut wie entsagt und zugibt, daß jüd. Kindern Missionsbibeln rc. in die Hände gespielt werdem Solches ist neulich—und zwar in Nr. 50 d. Zeitg. — aus Kor min berichtet worden, und wenn wir Ihren Cvrrespondenten recht verstanden, so hat er es doch wohl nur so gemeint, daß Kormin eine jüd. Jugend habe, die so zahlreich, daß ihr 3 Lehrer nörhig — daß aber der Vorstand aus Gründen der Sparsamkeit sich mit 2 jüd. Lehrern begnüge und statt des „dritten" den dortigen Missionslehrer benutze, um durch ihn die „jüd. Kinder", welche in die „dritte Classe" gehören — alsö die Kinder des zartesten Alters — unterrichten zu lassen. — Wir sehen kein Unglück darin, - wenn man jüdischen Kindern den ersten Elementarunterricht von meinem christlichen Lehrer ertheilen läßt; — hierzu aber absichtlich einen Missionär, einen privilegirten Judenbekehrer zu wählen, das ist denn doch etwas zu stark, das ist dem Judenthume und allem jüd. Gefühle geradezu ins Gesicht geschlagen. — Und jüdische Lehrer sollten sich dies gefallen lassen? sollten es dulden, daß so etwas ganz in ihrer unmittelbarsten Nähe geschieht? — Die Sache erscheint uns sehr räthselhaft, sehr dunkel. — Dieselbe ins rechte Licht zu stellen, ist Pflicht der jüd. Lehrer zu KoLmin, von denen wir es denn auch — und viele mit uns — ganz bestimmt erwarten. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 11. Januar. Die hiesige theologische Facultät hat bereits das Gutachten in Angelegenheit der Blasphemien der „Kirchenzeitung" abgegeben. Wie ich höre, soll sie darin angeben, daß es ihr Schwierigkeiten bereitet habe, die betreffenden Stellen im Talmud nachzusuchen, da die Herren wohl hebräisch aber nicht chaldäisch verstehen und der Mangel an Jnterpunctation den Gegenstand um so schwieriger macht, Sie spricht sich übrigens dahin aus, daß die betreffenden Stellen 4-