Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1865)
- Date
- 1865-01-24
- Page
- Seite 53 (sequence 7)
- Language
- German
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unh. Achtung ihrer! christlichen : Mitbürger zu' erfreuen haben. Zw beklagen, ist-.nur der Jndifferentismus gegen jedxs-religiöse Interesse, der hier: stark: um sich gegriffen hat, obschon vor einigen Jahrzehnten der Impuls zur- Veredelung des Judenthums gerade aus diesem -Lande ausgegangen ist. Hauptsächlich trifft dieser Vorpurf die-jüdische Bevölkerung der Hauptstadt-, obgleichder .dortige Landesrabbiner vr. Herzfeld! die gediegensten Kanzelvorträge hält und auch literarisch das religiöse Interesse anzufachen sucht. - Ein Bild anderer Art gewährt : die jüd. Gemeinde in der? Hauptstadt des andern Welfenlandes, nämlich Hannovers.- Hier-ist das religiöse und wissenschaftliche Leben -in. schönster Blüthe. - Der alte Kern dieser Gemeinde zählt einen großen Kreis der achtbarsten Männer, die dem israelitischen Namen zu jeder Zeit Ehre machten uyd die für alles Gute innerhalb und außerhalb des 7 Judenthums die bereitwilligsten Opfer bringen. Aber dieser Lichtglanz wird leider verdeckt durch den neuen Zufluß und. Ans atz von außen. Kann man auch nicht alle verurtheilen, die. .zu dieser Kategorie gehören, so ist es doch Thatsache, daß durch das Gebaren - vieler!derselben - der' gute Ruf der Gemeinde außerordentlich gelitten. . Versuchen wir, diese ein wenig zu kennzeichnen. —; Es sind meistens Leute aus den kleinern Ortschaften des. Königreichs, die,- vom Glucke begünstigtin ihrer Heimath ein verhältnißmäßig großes HauS ausmachten. Damit aber - nicht: zufrieden, verließen sie den soliden Boden und zogen nach der Hauptstadt. - Hier wollen dieselben. den begüterten Geschäftshäusern! nicht allein nicht, nachstehen, sondern womöglich es ihnen noch: zuvorthun. Der Ankömmling tritt daher; gewöhnlich zuerst als Sub-, sodann als Hauptcollecteur.. auf, hat.. aber schon nach kurzer Zeit das Aushängeschild eines Banquiers oder Grossisten vorgezogen-.!-! Durch äußern Aufwand und keckes Hervortreten,. besonders der verbildeten, ^verwöhnten und putzsüchtigen Frauenwelt dieser Leute, .suchte er nun seine innere Haltlosigkeit zu - verdecken >. Pis,; endlich d.err schwindelnde Bau über ihm zusammenstürzt. :? Es wird den besseren Männern Hannovers gewiß schwerhalten, das Vorurtheil abzuschwächen, welches sich .dort—- wie -gewöhnlich in7solchen Verhältnissen — gegen alle -JOen .gebildet hat und immermehr - um sich greift.^ Welche'Mittel dieselben auch, erwählen wollen, so dürsten eö doch besonders zwei -Mn, die am meisten zum Ziele-führen, würden. - Zunächst die Bildung einer Vorschußkasse, die, auf HumanitätspriucipieN errichtet, den Redlichen aller Confessionen Vorschub leistete, die nicht in drückende Abhängigkeit von Einzelnen ger.athen wollen. .Sodann aber strenges Absondern und Fernhalten in geschäftlicher ' und gesellschaftlicher Hinsicht von denjenigen, die zu ihrer-Herabwürdigung beigettagen. Refer. hat zu große Achtung' gegen jene Ehrenmänner, als daß er ihr Handeln' bezweifele, aber auch zu hohes Vertrauen auf ihre Gesinnungstüchtigkeit, als daß er ihre Erfolge in Frage stellen sollte? Frankfurt a/M., 11. Januar. (Privatmitth.) 'Die „Religionsgesellschast" hat : bis heute von dem Senate die Erlaubniß noch nicht erlangen können, die Stadt mit einem elektrischen Sabbathdraht zu umspannen und man befürchtet, daß die Ausführung 36 »ävevt. Ne8- 8i96 verschoben bleibe. Von dem alten Stamme des religiösen Lebens werden hierdurch wieder einige abgestorbene Aeste abgehauen werden müssen, aber die ewige Eiche besitzt noch Triebkraft genug, die übrigen lebensfähigen Ranken zu erhalten. —' Geiger setzt diesen Winter unter lebhafter Betheiligung eines gewählten Publikums seine Vorlesungen fort? Das Araberthum, die Karäer und' die spanisch-arabische Periode, über die er spricht, sind, zwar wohlgepflegte und-viel durchforschte historische Gebiete, auf denen er aber wie ein . kundiger Wanderer neue malerische: Punkte und Fernsichten entdeckte,. vor welchen seine Vorgänger gleichgiltig vorübergingen? So hatte erauch in seiner jüngsten Vorlesung Gäbirols geistige Größe von einer ganz neuen Seite aufgefaßt, und dieser gigantische Geistz mit seinen so ergreifenden Dichtungen vorgeführt, machte einen - tiefen und bewältigenden Eindruck auf die Zuhörer.-.Durch Vorführung solcher 'Kraftgestalten in ihrem Denken und Wirken wird der jüdische Geist gekrästigt und frisch belebt, und G. wirkt somit mehr und besser in konservativer Richtung, als es die fromme Schar mit ihren süßlich romantischen Phrasen vermag., - - K. - , - Preußen. Berlin, 14. Januar. Die königl. Akademie hat in ihrer Plenar-Sitzung vom 12? Jan. 1865 die Herren: «Jakob Bernays iw BreSlau?: Giuseppe Fiorelli in Neapel, und Max Müller in Oxford zu correspondirenden Mitgliedern ihrer philosophisch-historischen Elaste ernannt.